Fahrtauglichkeit
Ritalin-Arzt Ingo Malm testet Autofahrer über 70

Wer noch mit über 70 Jahren Auto fahren will, muss einen Fahrtauglichkeitstest absolvieren. Einer, der den Test abnehmen kann, ist Ingo Malm. Der Ritalin-Arzt aus Rudolfstetten ist offizieller Vertrauensarzt des Aargauer Strassenverkehrsamtes.

Silvan Hartmann
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Bernhard Drack aus Bergdietikon bekam ein Schreiben des Strassenverkehrsamtes: Will er weiterhin Auto fahren, muss er sich untersuchen lassen – möglich ist dies laut Brief auch bei Ingo Malm.

Bernhard Drack aus Bergdietikon bekam ein Schreiben des Strassenverkehrsamtes: Will er weiterhin Auto fahren, muss er sich untersuchen lassen – möglich ist dies laut Brief auch bei Ingo Malm.

Silvan Hartmann

Bernhard Drack aus Bergdietikon feiert heute seinen 74. Geburtstag. Schon Tage vor seinem Geburtstag flattert ein Brief des Aargauer Strassenverkehrsamtes ins Haus: «Periodische, verkehrsmedizinische Untersuchung für den Führerausweis». Will heissen: Wer in der Schweiz das 70.Altersjahr erreicht hat und weiterhin Auto fahren will, muss sich alle zwei Jahre einem Gesundheits-Check unterziehen – «im Interesse der Verkehrssicherheit».

Dieser Check kann seit dem 1. Januar 2012 lediglich bei einem vom Strassenverkehrsamt aufgeführten Vertrauensarzt durchgeführt werden. Dem Schreiben beigelegt ist die Liste dieser Aargauer Vertrauensärzte. Drack entdeckt: Auf dieser Liste ist auch der Rudolfstetter Ritalin-Arzt Ingo Malm aufgeführt. Derjenige Arzt also, dem der Kanton Aargau die Praxis schliessen will und der letzte Woche mit seiner Beschwerde dagegen beim Regierungsrat abblitzte. Malm will das Urteil vor Verwaltungsgericht weiterziehen.

Ingo Malm steht auf der Liste des Strassenverkehrsamtes.

Ingo Malm steht auf der Liste des Strassenverkehrsamtes.

AZ

«Der Name Malm auf dieser Liste hat mich sofort wie ein Atommeiler angestrahlt. Das Strassenverkehrsamt preist einen fragwürdigen Hausarzt als Vertrauensarzt an. Ich finde das unglaublich», sagt Bernhard Drack kopfschüttelnd. Er ist empört darüber, dass er im Schreiben der Behörden nicht auf die Vorgeschichte Malms aufmerksam gemacht wird. «Ich muss ein grosses Fragezeichen setzen, wenn ein Arzt, der monatelang für Schlagzeilen sorgte, nach wie vor auf dieser Liste steht.»

Drack wollte Arzt aus Rudolfstetten

Weil Dracks Hausarzt im zürcherischen Dietikon praktiziert und damit nicht auf der Aargauer Liste der Vertrauensärzte steht, muss er sich für den Fahrtauglichkeits-Check einen anderen Arzt suchen. «Ich singe in einem Chor in Rudolfstetten und hätte mir tatsächlich vorstellen können, dort zu einem Arzt zu gehen. Da wäre grundsätzlich ja auch Malm infrage gekommen», so Drack.

Beim Gesundheitsdepartement des Kantons Aargau betont man auf Anfrage der Aargauer Zeitung, dass das Strassenverkehrsamt selber entscheiden könne, mit welchen Ärzten betreffend Fahrtauglichkeit der über 70-Jährigen zusammengearbeitet wird. «Wir haben das Strassenverkehrsamt über den Verfahrensstand dieses Falls informiert», sagt Balz Bruder, Sprecher des Gesundheits-Departements.

Ingo Malm nicht der einzige Fall

Beim Aargauer Strassenverkehrsamt beruft man sich auf die rechtlichen Mittel. Man habe bereits ins Auge gefasst, Ingo Malm von der Liste zu streichen und hierfür Rücksprache mit dem Gesundheitsdepartement genommen. «Solange das Urteil nicht rechtskräftig ist, gilt die Unschuldsvermutung. Und somit wird der Arzt zum heutigen Zeitpunkt nicht von der Liste verschwinden», sagt Johannes Michael Baer, Leiter des Aargauer Strassenverkehrsamtes auf Anfrage der Aargauer Zeitung. Er betont, dass Malm im Auftrag der Behörden lediglich verkehrsmedizinische Tests durchführt und der Ritalin-Fall nichts mit dem Strassenverkehrsamt zu tun habe. Malm sei nie negativ aufgefallen und habe bislang gute Arbeit abgeliefert. Malm will auf Anfrage bei dessen Anwalt keine Stellungnahme zu seinem Amt als Vertrauensarzt abgeben.

Ein Blick auf die Liste des Strassenverkehrsamtes zeigt ausserdem, dass auch der wegen mehrfacher Ausnützung einer Notlage und versuchter Nötigung verurteilte Lenzburger Hausarzt als Vertrauensarzt aufgeführt ist. Johannes Michael Baer vom Strassenverkehrsamt versichert: «Ein Arzt, dem die Berufsausübungsbewilligung entzogen wird und bei dem das Urteil auch rechtskräftig ist, der wird auch nicht mehr für uns arbeiten.»