Immobilien
Risikofreudig: Für ein Eigenheim gehen Aargauer ans finanzielle Limit

Eine neue Studie zeigt: Aargauer wohnen anders. So wohnen überdurchschnittlich viele Einwohner in ihren eigenen vier Wänden. Zudem leisten sich die Aargauer grössere Eigenheime.

Tommaso Manzin
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Der Aargauer Immobilienmarkt hat seine Besonderheiten. Chris Iseli

Der Aargauer Immobilienmarkt hat seine Besonderheiten. Chris Iseli

Chris Iseli

Gestern Donnerstag hat der Hypothekenvermittler MoneyPark eine Filiale in Aarau eröffnet. Der auf unabhängige Hypothekar-, Vorsorge- und Anlageberatung spezialisierte Finanzdienstleister hat für die az exklusiv eine Studie durchgeführt, die den hiesigen Immobilienmarkt auf Herz und Nieren prüft. Berücksichtigt wurden Neuhypotheken sowie Verlängerungen bestehender Kredite. Ausgeschlossen wurden zur Vermietung bestimmte Renditeobjekte. Herausgekommen ist die Skizze des typischen Aargauer Haus- und Wohnungsbesitzers.

Hier lässts sich leben

Als Erstes lässt sich feststellen: Eigenheime im Aargau werden von den Banken im Schnitt 130 000 Franken günstiger eingeschätzt als in der Gesamtschweiz. Das dürfte nicht nur dafür verantwortlich sein, dass man sich im Aargau im Schnitt dafür ein grösseres Eigenheim als im Schweizer Mittel leistet – man weiss, was man sich schuldig ist. Es dürfte auch der Grund dafür sein, dass überdurchschnittlich viele Aargauer in ihren eigenen vier Wänden wohnen. Die Schweizer sind eigentlich nach wie vor ein Volk von Mietern. Mit unter 40 Prozent ist die Wohneigentumsquote der Schweiz die tiefste in Europa. Von den 26 Kantonen der Schweiz hat der Aargau die achthöchste Eigentumsquote.

Trotz weniger teuren Eigenheimen gehen die Aargauer finanziell eher an ihre Grenzen: Belehnung und Tragbarkeit (siehe dazu die Box) fallen hier mit knapp 65,9 bzw. 26,4 Prozent höher aus als im nationalen Durchschnitt (62,7 bzw. 25,6 Prozent). Aargauer setzen also einen grösseren Teil ihres Einkommens und Vermögens für die eigenen vier Wände ein, bleiben aber im unkritischen Bereich. MoneyPark beruhigt: Die Aargauer finanzieren sich noch immer weit unter der Maximalgrenze von 80 Prozent Belehnung, setzen also mehr Eigenkapital für den Immobilienkauf ein als vorgeschrieben.

Belehnung und Tragbarkeit: Härter am Wind

Die Belehnung ist das Verhältnis der Hypothek zum Kaufpreis oder zur Bankschätzung des Immobilienwerts (wobei der tiefere Wert der beiden genommen wird). In der Schweiz werden Häuser und Wohnungen zu maximal 80 Prozent mit Krediten belehnt. Die Hypothek muss zudem innert 15 Jahren oder bis zum Pensionsalter auf maximal 65 Prozent abbezahlt werden (Amortisation). Die Tragbarkeit bemisst sich als das Verhältnis der laufenden Kosten des Wohnens zum Brutto-Haushaltseinkommen. Dabei werden für den Hypothekarzins 5 Prozent pro Jahr berechnet, für die Nebenkosten plus Amortisation nochmals 1 Prozent. Aargauer gehen bei beiden Kennzahlen finanziell eher an ihre Grenzen als der

Dass die Aargauer risikofreudiger sind als andere Eidgenossen, zeigt aber auch die Laufzeit der Hypotheken: Während in der Schweiz eine Hypothek typischerweise über 7,4 Jahre läuft (die mit Abstand beliebteste Laufzeit der Schweizer ist 10 Jahre), sichern die Aargauer ihre Zinsen meist für 7 Jahre ab.

Keine Angst vor höheren Zinsen

Der typische Aargauer wählt zudem auch öfter als der Durchschnittsschweizer eine Libor-Hypothek statt eine mit fixen Zinsen. Er ist also eher bereit, das Risiko steigender Zinsen einzugehen. Acht von zehn Schweizer Haus-und Wohnungsbesitzern setzen auf eine reine Festhypothek. Im Aargau sind es nur drei von vier. Mehr als jeder vierte hält hier eine Hypothek, die zum Teil aus einer Libor-Tranche besteht. Die Aargauer setzen leicht häufiger sogar voll auf den Libor-Zins. Während das in der Gesamtschweiz acht von 100 tun, ist es im Aargau beinahe ein Zehntel. Aargauer setzen also insgesamt auf riskantere Hypo-Strategien.

Und noch in etwas unterscheiden sich die Aargauer vom Schweizer Durchschnitt: Während in der Gesamtschweiz sechs von zehn Eigenheimen einen Balkon oder eine Terrasse haben, sind es im Aargau knapp die Hälfte.