Ungewolltes Weihnachtsgeschenk
Riesiger Ansturm auf Aargauer Tierheime nach den Feiertagen

Der Run auf die Tierheime sei so gross, wie lange nicht mehr, sagt die Präsidentin des Tierschutzvereins Aargau. Die Leute scheinen noch immer nicht dazuzulernen und haben von ihren Tieren ein paar Wochen nach Weihnachten schon genug.

Melanie Su
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Hunde im Tierheim

Hunde im Tierheim

Keystone

Die Aargauer Tierheime sind rappelvoll. «Wir können im Moment wirklich keine Hunde mehr aufnehmen», erklärt Astrid Becker, die Präsidentin des Aargauischen Tierschutzvereins. Jetzt nach Weihnachten ist der Ansturm besonders riesig - vor allem in diesem Jahr. «2012 wurde uns um diese Zeit gerade mal eine einzige Katze vor die Türe gestellt. Dieses Jahr erhalten wir täglich Anrufe von Tierhaltern, die ihre Hunde und Katzen nach Weihnachten wieder loswerden wollen. So ein aussergewöhnliches Ausmass an Anfragen hatten wir schon lange nicht mehr.»

Anfragen werden noch zunehmen

Schon jetzt hat Caroline Büchli, die Leiterin des Tierheims Arolfingen in Rothrist, drei Fälle von ungewollten Hunden aufgenommen. Jedes Jahr dasselbe, alles Weihnachtsgschenke. Sie erwartet sogar noch eine Zunahme des Ansturmes vor den Sportferien. Erst dann merken die meisten Neu-Besitzer, dass der kleine Hund, der unter dem Christbaum sitzt, auf Dauer auch nicht nur süss ist. «Die Leute merken oft einige Wochen nach den Festtagen, wenn sie wieder arbeiten müssen, wieviel Zeit in so ein Tier investiert werden muss. Und dass sie diese Zeit nicht haben. Oder sie realisieren, wieviel Geld Haustiere wie Hunde kosten. Sie sind dann nicht bereit, so viel dafür aufzuwenden», sagt Büchli. Manchmal ist auch eine Allergie schuld.

«Zwei Tage vor Weihnachten kamen Eltern zu uns ins Tierheim, die ihrer Tochter als Weihnachtsgeschenk ein ‹härziges Büsi› besorgen wollten», erzählt Büchli. Solche Fälle würden jedoch abgewiesen. Sie habe die Eltern gebeten, doch später, nach reifem Überlegen und mit der gesamten Familie, wiederzukommen.

Tiere für den Müll bereitgestellt

Zumindest setzen die meisten ihre Tiere nicht aus. Vereinzelte Fälle hatte Caroline Büchli aber auch schon. Vor allem Nagetiere werden einfach in Kisten vor die Türe gelegt. Oder noch schlimmer - für die Kehrrichtabfuhr hingestellt. «Mein Hund hat die Kartonkiste neben dem Abfall aufgespürt, es waren zehn Ratten drin. Ohne Wasser, gar nichts», schildert die entsetzte Tierheimleiterin.

Grundsätzlich rät Büchli von Tieren als Weihnachtsgeschenk ab. Nur wenn die Anschaffung längerfristig geplant wurde, und die Person auch selber vorbeikommt, sind die Aussichten auf ein glückliches und langfristiges Zuhause für das Tier gut.

Auch Astrid Becker hat wenig Verständnis für die unüberlegten Weihnachtskäufe. «Man hofft immer, die Leute seien inzwischen intelligenter geworden. Leider ist dem nicht so.» Sie will nochmal appellieren: «Bitte kein Tier kaufen, schon gar nicht zu Weihnachten, ohne vorher genau zu studieren, was das Tier alles braucht.»