2020 fotografisch

Riesenaufmarsch an Gmeind, abgeriegelte Grenze und eine Wahnsinnstat - das sind die Aargauer Bilder des Corona-Jahres

Noch im Januar freute man sich auf viele Grossanlässe, spätestens im März zeigte sich aber, dass dies heuer schwierig werden würde. Ein turbulentes Jahr – auch für den Kanton Aargau.

Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende entgegen. In Erinnerung bleiben wird wohl vor allem eines: Das Coronavirus. Doch das ist längst nicht alles, wie die folgenden Bilder und Kurztexte unserer Redaktoren zeigen. Scrollen Sie noch einmal durch ein ereignisreiches Aargauer Jahr.

Januar, Spreitenbach: Noch nie kamen so viele Menschen an eine «Gmeind»

Heute unvorstellbar, am 14. Januar 2020 nicht abnormal: Menschen, dicht an dicht sitzend, ohne Masken. Aufgenommen in Spreitenbach.

Heute unvorstellbar, am 14. Januar 2020 nicht abnormal: Menschen, dicht an dicht sitzend, ohne Masken. Aufgenommen in Spreitenbach.

Ein Fünftel der Stimmberechtigten, 923 von 4731 Personen, fanden sich im Januar in der Umweltarena ein – zur verschobenen Gmeind, die wegen des zu grossen Besucherandrangs in der Turnhalle Boostock im November 2019 abgesagt werden musste. Die meisten kamen nur aus einem Grund: Einer Teiländerung des Zonenplans, die dem seit Jahren geplanten Zentrum Neumatt – mit vier rund 100 Meter hohen Hochhäusern – den Boden geebnet hätte. Es hatte keine Chance: 590 stimmten dagegen, 327 dafür. (cla)

Februar, Bad Zurzach: «Es isch zum Lätsche»

Ein Bild, das Symbolcharakter hat.

Ein Bild, das Symbolcharakter hat.

Ob die Fasnächtler in Bad Zurzach im Februar bereits ahnten, was auf uns zukommen würde? Genau einen Monat vor dem ersten Lockdown am 16. März und zum Ende der närrischen Zeit entstand dieses Bild mit starker Symbolkraft. Als Folge der anhaltenden Pandemie fällt auch das bunte Treiben im Jahr 2021 ins Wasser. «Es isch zum lätsche», heisst es auf der Zurzacher Fasnachtswebsite. In Anlehnung an den Brauch, in dem die Heulweiber von Prinz Karneval Abschied nehmen. (dws)

Februar, Aarau: Die erste Corona-Medienkonferenz

Jean-Pierre Gallati und Yvonne Hummel informieren die Medien betreffend Veranstaltungen mit über 150 Personen.

Jean-Pierre Gallati und Yvonne Hummel informieren die Medien betreffend Veranstaltungen mit über 150 Personen.

Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati erklärt am 28. Februar mit Kantonsärztin Yvonne Hummel, dass ab sofort alle Anlässe mit über 150 Personen bewilligungspflichtig sind. Es ist die erste Medienkonferenz des Regierungsrats zum Coronavirus, einen Tag zuvor meldete der Kanton den ersten Covid-Patienten. Gallati und Hummel wurden beide praktisch über Nacht zu Krisenmanagern: Der Gesundheitsdirektor wurde erst im November 2019 neu gewählt, die Kantonsärztin trat ihr Amt am 1. Januar 2020 an. (fh)

März, Baden: Gespenstische Leere

In Baden präsentiert sich die Kreuzung beim Trafo so leer wie vielleicht noch nie.

In Baden präsentiert sich die Kreuzung beim Trafo so leer wie vielleicht noch nie.

Baden, 22. März: Kein Auto ist auf der Brugger- und der Haselstrasse in Baden unterwegs. Eine der meistbefahrenen Kreuzungen der Stadt: gespenstisch leer. Ob es das schon je einmal gab bei Tageslicht? Dass man hier hätte spazieren, Fussball spielen, Tanzen können? Hier, wo sonst Stau herrscht? Sechs Tage vorher hatte der Bundesrat wegen Corona die ausserordentliche Lage erklärt. «Restez à la maison autant que possible», sagte Bundesrat Alain Berset. Die Menschen folgten seinem Aufruf. (pkr)

Mai, Villmergen: Platz für Neues

In Villmergen entsteht unter anderem eine Migros.

In Villmergen entsteht unter anderem eine Migros.

Wenn etwas weichen muss, macht es Platz für Neues. Im Freiamt mussten dieses Jahr verschiedene traditionsreiche Gebäude mit Geschichte dran glauben. Besondere Wehmut schwang mit, als im Mai der Abbruch der beiden Traditionsgasthöfe im Zentrum Villmergens begonnen hatte. Das «Rössli» bestand seit dem 13.Jahrhundert, der «Ochsen» kam 1836 dazu. Nicht ganz alles wurde abgerissen. Weil die Fassade des «Rössli» unter Schutz steht, blieb sie erhalten. Rundherum entstehen neu eine Migros-Filiale sowie Wohnungen und Gewerberäume. (rib)

Mai, Laufenburg: Gitter riegeln die Grenze zu Deutschland ab

Zwei Länder, eine Stadt: Dieser Slogan funktionierte zeitweise nicht mehr.

Zwei Länder, eine Stadt: Dieser Slogan funktionierte zeitweise nicht mehr.

Das gab es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr: Die Grenze zu Deutschland war beim ersten Lockdown ab Mitte März dicht. Mit Gittern wurden kleinere Grenzübergänge – wie hier die Laufenbrücke in Laufenburg – abgesperrt. Einzig für den Beruf und aus triftigen Gründen durfte man noch ins Nachbarland einreisen. Für die Menschen am Hochrhein, deren Lebensraum sich auf beide Länder erstreckt – Laufenburg wirbt sogar mit dem Slogan «Zwei Länder, eine Stadt» – war die Abschottung eine Herausforderung. (twe)

Mai, Klingnau: Die Rückeroberung – der Fuchs ist da

Vorübergehendes Spektakel: Ein junger Fuchs beim Schulbrunnen in Klingnau.

Vorübergehendes Spektakel: Ein junger Fuchs beim Schulbrunnen in Klingnau.

Corona machte es möglich: Während des Lockdowns wurde es über Wochen so still im Klingnauer Schulareal, dass es zu einer Rückeroberung eines Stücks Natur kam. Eine Füchsin liess sich mit ihren Jungen im Biotop nieder. Diese fühlten sich dort so sehr zu Hause, dass sie ihren Durst am Schulbrunnen stillten – vor staunenden Zuschauern. Die Rückeroberung war allerdings von kurzer Dauer: Wenige Wochen nach der Rückkehr der Kinder waren die Füchse plötzlich wieder verschwunden. (pz)

Mai, Riniken: Ein teurer Spass

Der «Gäbihügel» bekommt einen Erdkabelabschnitt.

Der «Gäbihügel» bekommt einen Erdkabelabschnitt.

Das Kabel ist in der Erde, der Strom fliesst. Die Swissgrid nahm die neue 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung zwischen Beznau und Birr in Betrieb. Im Mai konnte die Demontage der alten 220-Kilovolt-Freileitung erfolgen. Per Kran wurden 19 Masten – wie hier an der Rosenstrasse in Neu-Riniken – abgebrochen. Für den Erdkabelabschnitt am «Gäbihübel» in Bözberg/Riniken ging ein jahrzehntelanger Kampf voraus. Rund 20,4 Mio. Franken kostete diese schweizweite Premiere; über den Lebenszyklus betrachtet sechsmal mehr als eine Freileitung. (cm)

Juli, Aarau: Der etwas andere Maienzug

Haben wir heuer den schönsten Maienzug überhaupt gesehen?

Haben wir heuer den schönsten Maienzug überhaupt gesehen?

Im Sommer macht Corona alle Jugendfeste zunichte. Absagen über Absagen. Auch Aarau feiert keinen Maienzug – wohl aber die Aarauerinnen und Aarauer. Statt des grossen, traditionellen Festes gibt es den Maienzug in hundertfacher Ausführung: als Mini-Umzug, als Schulfeier, als Brunnenrundgang, als Quartierfest mit Bankett, als Gartenparty, und das alles in traditionellem Weiss. Viele Aarauer behaupten, der Maienzug 2020 sei der schönste Maienzug überhaupt gewesen. (ksc)

Juli, Königsfelden: Umzug der Psychiatrie

Das Projekt «Magnolia» kostete 78 Millionen Franken.

Das Projekt «Magnolia» kostete 78 Millionen Franken.

Im Sommer fand auf dem Areal der Psychiatrischen Dienste Aargau in Königsfelden eine grosse Zügelaktion statt. Im Neubau für Erwachsenenpsychiatrie wurden bei laufendem Betrieb neun Stationen mit insgesamt über 200 Betten bezogen. Dass sich die Fenster in den Zimmern nur einen Spalt breit öffnen lassen, ist eine der Vorkehrungen zur Suizidprävention. «Magnolia» heisst das Projekt, das 78 Millionen Franken kostete und nach achtjähriger Planungs- und Bauphase abgeschlossen werden konnte. (cm)

August, Muri: Die Gemeindeversammlungen sind nun anders

Gmeind im August 2020 in Muri unter freiem Himmel im Klosterhof wegen Corona.

Gmeind im August 2020 in Muri unter freiem Himmel im Klosterhof wegen Corona.

Die Coronapandemie stellte auch das politische Leben vor neue Herausforderungen. Einige Gemeinden liessen sich Spezielles einfallen, um ihre «Gmeind» trotzdem durchführen zu können. Muris Gemeindepräsident Hampi Budmiger beispielsweise begrüsste im August knapp 200 Stimmberechtigte zur Gmeind unter freiem Himmel im Klosterhof. Eine Freiluft-Versammlung organisierte auch Rudolfstetten, das die Infrastruktur des Open-Air-Kinos mitbenutzen durfte. Schauen Sie sich ruhig noch einmal das erste Bild dieses Beitrags an. Komisch, nicht? (rib)

November, Buchs: Kerzen erinnern an eine Wahnsinnstat

Für die Verstorbenen wurden Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet.

Für die Verstorbenen wurden Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet.

Unfassbares ereignet sich Anfang November in einem Einfamilienhaus am Veilchenweg in Buchs: Ein 37-jähriger Vater tötet seine drei Kinder im Alter von 3, 11 und 13 Jahren, den Hund und zum Schluss sich selbst. Die Mutter des jüngsten Kindes und Ehefrau des Täters findet die Toten. Am Tag des Bekanntwerdens der Wahnsinnstat brennen vor dem Haus Dutzende Kerzen im Gedenken an die ermordeten Kinder. (ksc)

Dezember, Zeihen: Guck mal, wer da zupft

Rolf Lanz posiert mit zwei seiner Vögel im Vogelpark Ambigua.

Rolf Lanz posiert mit zwei seiner Vögel im Vogelpark Ambigua.

Die Coronakrise stellte viele Aargauerinnen und Aargauer vor existenzielle Probleme und Herausforderungen. So auch Rolf Lanz, der in Zeihen mit viel Herzblut den Vogelpark Ambigua betreibt. Dank einer grossen Solidaritätswelle konnte Lanz den Vogelpark durch den ersten Lockdown steuern. Nun kämpft er von neuem. Das Lachen hat der Fricktaler dennoch nicht verloren – auch dank seinen Tieren, die, wie im Bild der Gelbbrustara, stets zu Schabernack aufgelegt sind. (twe)

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