Die Chefs der Firma «Sonne-Snäck» müssen über die Bücher. Auf einer Flipchart in ihrem Büro ist das Problem aufgezeichnet: Es kommt nicht genug Geld rein. Ihr Produkt, ein gesunder Pausenriegel, muss teurer werden. «Die Kosten fürs Rohmaterial belaufen sich auf 10 000 Franken, die für die Lohnzahlungen sogar auf 12 000 Franken», sagt einer der Bosse, der weder Anzug noch Krawatte trägt, kein schickes Auto fährt und auch nicht Betriebswirtschaft studiert hat. Nein. Nathanael ist elf Jahre alt. Er hat gerade Sommerferien und macht bei einer neuen Projektwoche des Kantons Aargau mit. «Start Up Kids: Kinder entwickeln eine Geschäftsidee» heisst das Pilotprojekt, das diese Woche im Naturama durchgeführt wurde. Die Projektwoche startete zuerst in der Westschweiz und hat zum Ziel, Kindern das Unternehmertum näher zubringen. Im Aargau stösst das auf Interesse: 20 Kinder haben sich angemeldet, es gibt bereits eine Warteliste.

Hohes Niveau der Kinder überrascht die Coaches

«Mein Mami hat gesagt, die Projektwoche wäre doch was für mich», sagt «Riegel-Boss» Nathanael, der später gerne Jurist werden möchte. Oder Unternehmer. Dafür legt er jetzt die Grundsteine: Die Coaches von «Start Up Kids» erklären den Kindern spielerisch, was es heisst, eine Firma zu gründen und zu führen. Jedes Kind hat sich mit einer eigenen Idee beworben, aber nur vier Vorschläge werden in Gruppen im Detail besprochen. So wollte Lia (12) eigentlich den Transport von Ski vereinfachen. Das Tragen sei ja immer so anstrengend, sagt sie. Ihr Einfall kam aber nicht durch und so arbeitet sie jetzt in einer Gruppe, die sich mit der Umsetzung von Tills (13) Idee beschäftigt. Der Bub will ein Restaurant gründen, in dem Roboter die Gäste bedienen.

«Ja, wie sollen die Roboter denn aussehen?», fragt Landammann Urs Hofmann. Der Vorsteher des Departements Volkswirtschaft und Inneres, besucht zusammen mit Staatsschreiberin Vinzenca Trivigno die Kinder in der Projektwoche und nimmt ihre Projekte unter die Lupe.

Till wuselt aufgeregt zwischen Wandtafel, Flipcharts und seinen Teamkollegen und sucht seine Skizzen. So richtig ausgereift sei die Restaurant-Idee noch nicht, er müsse den Robotern noch etwas mehr Persönlichkeit verleihen, aber er habe viele Ideen, sagt der Bub. Tills Gruppe wird von Coach Katja Schibler betreut. Sie ist Projektleiterin im Paul-Scherrer-Institut: «Ich bin überrascht, auf welch hohem Niveau sich die Kinder für ihr Unternehmen einsetzen.» Das sieht die Teamleiterin der Gruppe «Sonne-Snäck» genau gleich. Die Kinder haben sich am Vorabend ordentlich ins Zeug gelegt und bereits einen Prototypen des gesunden Riegels entwickelt. An diesem kaut nun Regierungsrat Hofmann und macht den Kindern Komplimente ob dem zuckerfreien Snack. Beim Abschied kriegt er von einem Bub noch die frisch gedruckte Visitenkarte der Firma in die Hand gedrückt – Werbung richtig platziert.

Airline-CEO und Robotik-Studium: Diese Jung-Unternehmer haben grosse Träume und Ideen

Cyber-Taucherbrillen und Recycling-Taschen

Auch ein anderer Bub wirbt stark für sein Unternehmen. Der 12-jährige Colin hatte die Idee, einen speziellen Recycling-Service anzubieten. In seinem Wohnort will er mit dem Velo den Abfall jener Leute zur Recycling-Stelle bringen, die keine Zeit dafür haben. Aber nicht nur: «Auch Kinder, die keine Lust haben ihr Ämtli selbst zu erledigen, können sich bei mir melden.»

Staatsschreiberin Vinzenca Trivigno war von zwei Ideen besonders begeistert: Einige Mini-Unternehmer tüfteln an einer Cyber-Taucherbrille, die beispielsweise Fische erkennt und deren Namen anzeigt, wenn sie vorbeischwimmen. «Das wäre ja toll, ich war in meinen Ferien auch Tauchen», sagt sie. Auch für das vierte Jungunternehmer-Team hat sie nur lobende Worte. Die Kinder stellten ihr die Idee vor, aus alten Kleidern schicke Taschen zu nähen. «Wisst ihr, ich bin Italienerin, ich liebe Mode», sagt Trivigno. «Vor allem mag ich es, dass jede Tasche ein Einzelstück ist!» Beflügelt vom Lob der Staatsschreiberin, meinten die Jung-Unternehmer: «Wir möchten möglichst rasch den Vertrieb starten», fügten aber ganz pflichtbewusst an: «Aber nur, wenn der Aufwand die Leistung in der Schule nicht beeinträchtigt.»