Gefährliche Keime
Resistente Bakterien in Aargauer Flüssen – Kläranlagen sind wirkungslos

Experten haben in Aargauer Flüssen Fäkalbakterien gefunden, die gegen Antibiotika resistent sind. Nachgewiesen wurden diese in der Limmat bei Spreitenbach, im Rhein bei Mumpf sowie in der Aare bei Brugg. Die Kläranlagen sind wirkungslos dagegen.

Pascal Meier
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Kläranlagen können Bakterien nicht aus dem Wasser filtern.AZ

Kläranlagen können Bakterien nicht aus dem Wasser filtern.AZ

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Der Einsatz von Antibiotika bringt immer mehr Keime hervor, die gegen Antibiotika resistent sind. Dies geht aus einer Studie hervor, die das Institut für Lebensmittelsicherheit und -hygiene durchgeführt hat. Das Institut gehört zur Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich.

Untersucht wurden insgesamt 58 Schweizer Flüsse. In jeden dritten Gewässer fanden die Experten laut «Sonntagszeitung» multiresistente Fäkalbakterien. Herbert Hächler, Mitautor der Studie, spricht von einem «besorgniserregenden» Ergebnis: Lösen die Keime eine Infektion aus, kann diese kaum noch mit Antibiotika bekämpft werden.

Als besonders alarmierend stufen die Experten die Probe vom Rhein bei Mumpf ein: In dieser wurden Bakterien nachgewiesen, die sogar Resistenzen gegen Carbapeneme entwickeln, die wirksamste Antibiotika-Klasse.

Der Mensch ist schuld

Woher die resistenten Keime in den Gewässern stammen, ist nicht abschliessend geklärt. Als Hauptquelle vermuten Experten den Menschen. Weil Kläranlagen die Antibiotika-Rückstände nicht herausfiltern können, gelangen diese direkt in Flüsse und Seen.

Vor allem bei den Kläranlagen sieht Herbert Hächler deshalb noch Potenzial: «Zur Verbesserung wäre eine vierte Reinigungsstufe nötig.» Doch diese würden in Kläranlagen erst vereinzelt eingesetzt.

Im Aargau gibt es heute wie in den meisten anderen Kantonen nur einzelne Kläranlagen mit einer vierten Reinigungsstufe. «Die Anlagen können heute hauptsächlich organische und chemische Rückstände abbauen», sagt Jörg Kaufmann, Leiter der Sektion Abwasserreinigung in der kantonalen Abteilung für Umwelt. «Bakterien und Viren gelangen so direkt in die Gewässer.»

Kläranlagen werden aufgerüstet

In sehr grossen Kläranlagen sowie jenen Reinigungsanlagen, deren Abfluss in verhältnismässig kleine Gewässer mündet, soll jedoch eine vierte Reinigungsstufe künftig Pflicht werden. Diese Stufe entfernt Mikroverunreinigungen besser aus dem Abwasser. Dazu gehören unter anderem Rückstände aus Arzneimittel, Haushaltchemikalien sowie Reinigungsmittel. Der Bundesrat hat eine entsprechende Änderung des Gewässerschutzgesetzes verabschiedet. Sagt das Parlament Ja dazu, soll diese im Januar 2015 mit einer Übergangsfrist in Kraft treten.

Jörg Kaufmann gibt jedoch zu Bedenken: «Die zusätzliche vierte Reinigungsstufe filtert zwar einen grossen Teil der Mikroverunreinigungen aus dem Abwasser, alle Viren und Bakterien können jedoch auch damit nicht zurückbehalten werden.»

Grosse Schwankungen in Flüssen

Trotz all dieser Probleme: Eine unmittelbare Gefahr besteht in den getesteten Aargauer Flüssen nicht. Die Gefahr durch die resistenten Keime ist vielmehr schleichend.

Dies bestätigt auch Kantonschemikerin Alda Breitenmoser: «Die Situation ist beunruhigend, es besteht jedoch kein Grund zur Panik.» Die Untersuchung der Flüsse habe einmal mehr bestätigt, was seit längerem bekannt sei: «Es gelangt Antibiotika in den Kreislauf, was zu Resistenzen führt.» Es sei deshalb wichtig, diese Entwicklung weiterhin mit wissenschaftlichen Untersuchungen genau zu verfolgen.

Alda Breitenmoser hält zudem fest: «Die Konzentration von solchen Bakterien in Flüssen schwankt enorm und ist abhängig von Faktoren wie Wetter, Fliessgeschwindigkeit und der Jahreszeit.»