Hehlerei, Geldwäscherei, Förderung der Prostitution: Die 27-jährige Andrea (alle Namen geändert) musste sich am Freitag vor dem Bezirksgericht Aarau für Taten verantworten, die sie mit einer mutmasslichen Girlie-Gang begangen haben soll. Mitglied dieser Gruppe war auch die damals 14-jährige Eva. Sie nahm einem Rentner zwischen 2014 und 2015 mehrere Hunderttausend Franken ab.

Der verwitwete Mann wohnte im selben Wohnblock wie Eva und ihre Familie. Sie erschlich sich sein Vertrauen und erzählte dem damals 75-Jährigen bei täglichen Treffen immer absurdere Lügengeschichten. Nahm sie ihm anfangs nur zweistellige Beträge ab, um angebliche Bussen zu begleichen, so erfand sie später eine krebskranke Verwandte in Kanada. Der Rentner händigte ihr Bargeld in der Höhe von insgesamt knapp 360 000 Franken aus. Das Mädchen flog auf, weil sie mit einer ebenfalls 14-jährigen Freundin das Auto des Rentners bei einer Strolchenfahrt 2015 zu Schrott fuhr.

Doch um Eva geht es bei der Verhandlung vor dem Bezirksgericht Aarau nicht, ihr Fall wurde in einem separaten Verfahren bei der Jugendanwaltschaft behandelt. Angeklagt ist Andrea, damals bereits 24 Jahre alt und mit Eva befreundet. Sie soll von der zehn Jahre jüngeren Freundin laut Anklageschrift bis zu 50 000 Franken erhalten haben, im Wissen, dass dieses Geld vom Rentner stammte. Damit soll Andrea zwei Privatkredite von 25 000 Franken und eine Möbelrechnung ihrer Mutter über 3200 Franken beglichen haben. Zudem soll die arbeitslose Andrea die minderjährige Eva zu Freiern chauffiert haben, wo diese sich prostituierte.

Weiterer Fall im Jahr 2017

Im Frühjahr 2017, als Eva 17 Jahre alt war, sprach sie einen 56-jährigen Mann auf einem Parkplatz an. Sie tauschten die Nummern und trafen sich bei ihm. Er bezahlte Eva, es kam zu sexuellen Handlungen. Danach klaute sie dem Mann eine Uhr und einen Ring im Wert von 16 000 Franken. Auch hier diente Andrea als Fahrerin. Und einen Tag danach, als Eva Andrea den Schmuck übergab, um diesen zu verkaufen, soll sie keine Fragen gestellt haben.

Teenagerinnen sollen Rentner abgezockt haben

Teenagerinnen sollen Rentner abgezockt haben (Video vom 11. April 2015)

  

Die Staatsanwaltschaft beantragt für die 27-Jährige eine bedingte Haftstrafe von zwölf Monaten und eine Busse von 6000 Franken. Andreas Anwalt fordert hingegen einen vollumfänglichen Freispruch. Er argumentiert, dass sie nicht von Anfang an gewusst habe, dass Eva sich prostituiere. Diese habe lange Zeit behauptet, sie sei sehr reich, weil ihr Vater Chef einer grossen Firma sei.

Freispruch in fast allen Punkten

Das Bezirksgericht Aarau spricht Andrea vom Vorwurf der mehrfachen Förderung der Prostitution frei. Sie habe ihre damalige Freundin Eva nicht nur herumchauffiert, wenn diese sich prostituierte, sondern auch, wenn sie zusammen ausgingen, sagte Gerichtspräsident Reto Leiser zur Begründung.

Das Gericht spricht sie auch vom Vorwurf der Geldwäscherei in beiden Fällen und der Hehlerei im Fall des geklauten und veräusserten Schmucks des 56-jährigen Freiers frei. Andrea sei zwar anwesend gewesen und habe zu diesem Zeitpunkt gewusst, dass der Mann Eva für Sex bezahlt hatte. Sie habe aber nicht davon ausgehen müssen, dass die Wertsachen geklaut waren.

Einzig im Fall des geprellten Rentners spricht das Gericht Andrea der Hehlerei schuldig. Aufgrund ihrer Nähe zu Eva hätte sie wissen müssen, dass diese dem Rentner Lügen erzählte. Sie hätte davon ausgehen müssen, dass der 75-Jährige nicht einfach so solch hohe Beträge aushändigte. Weil sie mit dem Geld ihren Lebensstandard finanzierte, machte sie sich der Hehlerei schuldig. Das Gericht verhängte eine bedingte Geldstrafe von 1800 Franken.

Ausserdem muss sie dem Rentner 38 000 Franken Schadensersatz zahlen.
Nach dem Prozess sagt Andrea gegenüber der Aargauer Zeitung, sie sei sehr erleichtert, dass die in fast allen Punkten freigesprochen worden sei. Vor allem, dass sie mit Prostitution in Verbindung gebracht worden war, habe sie sehr mitgenommen. Ihr Anwalt David Gibor sagt, er und seine Mandantin überlegten, ob sie den Schuldspruch wegen Hehlerei weiterziehen sollten.