Powerman Zofingen

«Rennen war nicht mehr möglich» – trotzdem holte Emma Pooley dritten WM-Titel

Beim 28. Powerman Zofingen gab es den ersten WM-Hattrick in der Geschichte des Traditionsanlasses: Emma Pooley gewinnt nach 2014 und 2015 erneut Gold. Seppe Odeyn ist neuer Weltmeister der Männer.

Auf die Ehrenrunde begab sich Emma Pooley sehr gemächlich. «Sorry, ich muss gehen, rennen ist nicht mehr möglich», sagte sie. Es war unübersehbar: Die 33-jährige Britin hatte auf dem Weg zu ihrem dritten Langdistanz-Weltmeister-Titel gelitten: «Ich hatte Krämpfe in beiden Beinen, musste auf der letzten Laufrunde spazieren. Und spazieren mag ich gar nicht in einem Rennen.»

Angst, dass eine Konkurrentin sie einholen würde, musste die in Hausen am Albis lebende Emma Pooley aber nicht haben. Auf der Radstrecke hatte sie den entscheidenden Angriff gewagt. 1,5 Kilometer vom höchsten Punkt, dem Bodenberg, entfernt, nutzte die Rad-Olympia-Teilnehmerin von Rio den Moment, als ihre erste Verfolgerin Nina Brenn sich verpflegte – und erarbeitete sich bis zum «Gipfel» einen Vorsprung von einer Minute.

«Diese Attacke beeindruckte alle»

«Diese Attacke hat mich genauso beeindruckt wie alle, die sie miterlebten», meinte Nina Brenn im Ziel. Die Flimserin sah sich nach den 150 Radkilometern mit einem Rückstand von 15 Minuten konfrontiert. Dies, obwohl sie auf dem Velo alles in die Waagschale geworfen hatte. «Dass ich mehrmals hier trainierte, brachte einiges, da ich wusste, wo ich in Aeroposition gehen kann, wann Bodenwellen kommen, wo ich riskieren und drücken kann», so die 36-jährige Duathlon-Langdistanz-Europameisterin. Ihre Kräfte habe sie gut eingeteilt und so den abschliessenden 30-Kilometer-Lauf gut überstanden.

So war Nina Brenns Jubel über Silber riesig, ebenso ihr Respekt vor der Leistung der neuen und alten Weltmeisterin: «Hinter Emma Zweite zu werden, fühlt sich an wie ein erster Rang.» Nach dem Powerman und anderen harten Wettkämpfen gönnen sich Nina Brenn und Emma Pooley eine Pause.

«Ich bin froh, dass ich erst 2017 wieder auf diese harte Strecke muss», meinte die Bündnerin. Auch die nun dreifache Weltmeisterin schliesst eine Rückkehr nach Zofingen nicht aus: «Aber in einem Wettkampfjahr kann viel passieren.»

Emma Pooley holte ihren dritten WM-Titel.

Emma Pooley holte ihren dritten WM-Titel.

Silber für das «Zugpferd»

Dass es sich lohnt, mehrmals in der Thutstadt zu starten, bewies auch Seppe Odeyn. 2014, bei seiner Premiere am härtesten Duathlon der Welt, wurde der Belgier Vierter, im Jahr darauf Zweiter, nun gelang ihm in verletzungsbedinger Abwesenheit des Titelverteidigers Gaël Le Bellec (Fr) der Sieg. «Weltmeister zu sein tönt schon ziemlich gut», freute sich der 29-Jährige.

Er sei ganz klar mit dem Ziel, zu gewinnen, in ein Rennen gestiegen, das er als «fast perfekt» bezeichnete: «Das war mein Tag und darüber bin ich sehr glücklich.» Seppe Odeyn hatte auf rund 150 Kilometern ein Zugpferd: Der Deutsche Felix Köhler, der auf der Laufstrecke ein hohes Tempo anschlug und auch auf dem Rad Gas gab. «Ich rechnete schon viel früher damit, eingeholt zu werden», meinte der in Basel wohnhafte Köhler.

Der Belgier Seppe Odeyn hat das Ziel erreicht.

Der Belgier Seppe Odeyn hat das Ziel erreicht.

Als es dann kurz vor der Rückkehr in die Wechselzone so weit war, «war ich froh, dass es nur Seppe war und nicht eine ganze Gruppe.» Die Umstellung im Kopf, nun Verfolger statt Verfolgter zu sein, sei ihm gut gelungen. «Und Platz zwei an einer WM ist definitiv mehr als okey», bilanzierte der Vorjahresfünfte Felix Köhler. Er konnte auf der Laufstrecke nicht mehr zu Seppe Odeyn aufschliessen.

Søren Bystrup und Susanne Svendsen holten Bronze für Dänemark. Bester Schweizer war der Schaffhauser Andy Sutz als Sechster. «Damit darf ich zufrieden sein», befand der Sieger von 2008 und 2010, der aus einer Verletzungspause zurückkam.

Stärken auf Short-Distance ausgespielt

Er kam, sah und siegte. Weil sich in Max Studers Saisonplanung eine ungewollte Änderung ergab, entschloss sich der 20-jährige Kestenholzer kurzfristig zum Start über die Kurzdistanz-Strecke beim Powerman Zofingen. Sein Mut zahlte sich aus: Studer setzte sich früh an die Spitze, gab diese Führung im weiteren Verlauf nicht mehr her und erreichte mit rund viereinhalb Minuten Vorsprung nach 2:12:03 Stunden das Ziel.

«Dass ich mich mit einem Sieg belohnen kann, ist super», freute sich Studer über den «unerwarteten» Erfolg in Zofingen, «für mich ist das beinahe ein Heimrennen.» Während des Wettkampfs konnte das Mitglied des Schweizer Elite-Triathlon-Nationalkaders auf seine Stärken vertrauen. «Ich bin eher ein guter Läufer, das kam mir entgegen, und auf der Radstrecke trainiere ich oft», erklärte Studer.

Der Kestenholzer Max Studer setzte sich bei den Männern durch.

Der Kestenholzer Max Studer setzte sich bei den Männern durch.

Trotz Seitenstechen zufrieden

Das Podest knapp verpasst hatte derweil Nicolas Iten. Zwar kehrte der 32-jährige Reider als Studers erster Verfolger von der Radstrecke zurück, musste sich aber bereits in der Wechselzone vom späteren zweitplatzierten Valentin Fridelance überholen lassen.

Im Anstieg auf den Heitern zog schliesslich auch der drittplatzierte Andreas Kälin an ihm vorbei. «Ich habe heuer nicht viel ins Laufen investiert», wusste Iten um seine Schwächen. Trotz Seitenstechen und Krämpfen habe er versucht, den vierten Platz abzusichern. «Deshalb bin ich zufrieden», meinte Iten, «wenn im Duathlon, wo die Leistung zählt, jemand zehn Sekunden schneller ist, ist er einfach besser.»

Die gebürtige Wikonerin Melanie Maurer war die schnellste Frau. mwy

Die gebürtige Wikonerin Melanie Maurer war die schnellste Frau. mwy

Für ein weiteres Ausrufezeichen aus regionaler Sicht sorgte Melanie Maurer. Die 28-jährige gebürtige Wikonerin, die nun in Bern wohnt, entschied die Frauen-Konkurrenz dank einer starken Leistung auf den ersten zehn Laufkilometern zu ihren Gunsten. Maurer, die bis auf leichte Oberschenkelkrämpfe keine Probleme bekundete, siegte mit knapp fünf Minuten Vorsprung auf Larissa Brühwiler.

«Für mich geht ein Kindheitstraum in Erfüllung», freute sich Maurer über ihr Rennen, das sie in 2:28:08 Stunden beendete. Schon als Kids-Rennen-Teilnehmerin habe sie gedacht, «dass ich einmal über die Kurzdistanz gewinnen muss, bevor ich mich an die lange Strecke wagen darf.» (gam/pka)

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