kleine Steueramnestie

Rekord: Steueramnestie fördert 181 Millionen Schwarzgeld zutage

Schwarzgeld: Letzten Sommer setzte ein richtiger Run von Selbstanzeigen ein.

Schwarzgeld: Letzten Sommer setzte ein richtiger Run von Selbstanzeigen ein.

Aus Angst vor einem sich abzeichnenden verschärften Steuerstrafgesetz zeigen sich schweizweit immer mehr Steuersünder selbst an. Auch der Aargau vermeldet für 2013 einen neuen Rekord. Das grösste so deklarierte Vermögen beträgt 30 Millionen Franken.

Aufgrund der seit 2010 geltenden «kleinen Steueramnestie» verzeichnete der Aargau laut David Schenker vom kantonalen Steueramt letztes Jahr einen neuen Rekord an Selbstanzeigen von Steuersündern. Solche reichten 319 (im Vorjahr 257) Selbstanzeigen ein – Erbenanmeldungen eingeschlossen.

Auch die Höhe des offenbarten und nachbesteuerten Vermögens erreichte mit 181 Millionen Franken (Vorjahr 124 Millionen) einen neuen Höchststand. Damit sind im Aargau seit Beginn der kleinen Steueramnestie laut Schenker 486 Millionen, also nahezu eine halbe Milliarde Franken, nachgemeldet worden. Dementsprechend zeigen die Nachsteuern mit 17 Millionen Franken (Vorjahr 10 Millionen) ebenfalls einen neuen Rekordstand.

30 Millionen aufs Mal angemeldet

Und noch einen Rekord gibt es: Die grösste Selbstanzeige aus einer Erbenanmeldung förderte 30 Millionen Franken zutage. So viel wurde seit 2010 noch nie auf einmal angemeldet. Die meisten der Selbstanzeigen betreffen indessen laut Schenker eher kleinere Vermögen.

Diese Rekorde rufen nach einer Erklärung. Die gibt es. Laut David Schenker setzte letzten Sommer ein richtiger Run von Selbstanzeigen ein. Schenker: «Dieser Trend hält auch anfangs 2014 unvermindert an.»

Treuhänder gehen auf Kunden zu

Dieser Run ist letztlich auf den herrschenden internationalen Druck auf das Bankgeheimnis zurückzuführen. In der Folge hat nämlich auch der Bund die Absicht, das eigene Steuerstrafrecht zu verschärfen.

Gemäss dem gegenwärtigen Entwurf will der Bundesrat das Bankgeheimnis dahingehend lockern, dass eine Bank, sobald ein Steuerstrafverfahren eröffnet worden ist, gegenüber den zuständigen Steuerbehörden auskunftspflichtig wird. Schenker: «Sollte es wirklich so kommen, könnten wir künftig dort, wo wir beispielsweise aufgrund einer Denunziation konkrete Hinweise darauf haben, dass ein Pflichtiger über unversteuerte Konti bei dieser Bank verfügt und ein Hinterziehungsverfahren eröffnen, direkt auf die Banken zugehen. Diese wäre dann von Gesetzes wegen verpflichtet, uns Auskunft zu erteilen, ob der Pflichtige bei ihr ein Konto hat.»

Für einen Steuerpflichtigen, der Geld versteckt, wäre damit ein grosses Risiko verbunden. Deshalb, so Schenker, «kommen jetzt viele von sich aus und zeigen sich an». Treuhänder und Banken gehen laut Schenker ähnlich wie bei mutmasslichen ausländischen Steuersündern aktiv auf Mandanten zu, von denen sie glauben, sie könnten Schwarzgeld haben und versuchen, sie zur Selbstanzeige zu bewegen.

Laut der «kleinen Steueramnestie» kann man in allen Kantonen unversteuerte Einkommen und Vermögen mit einer «straflosen Selbstdeklaration» nachmelden. Wer das tut, kriegt keine Busse und kein Strafverfahren. Die hinterzogenen Steuern müssen natürlich nachbezahlt werden.

«Niemand kommt zweimal»

Diese unbefristete Amnestie, von der jeder und jede aber nur ein Mal profitieren kann, wirkt also zunehmend. Doch wie stellt man sicher, so die Frage an David Schenker, dass jemand nicht von Kanton zu Kanton zügelt, Steuern hinterzieht und jeweils nach einigen Jahren Schwarzgeld deklariert? Das funktioniere nicht, versichert Schenker.

Die Kantone melden ihre Daten nämlich in eine zentrale Datenbank der Eidgenössischen Steuerverwaltung. Schenker: «Wenn wir bei einer frisch zugezogenen Person, die eine Selbstanzeige macht, den Eindruck bekommen, sie könnte dies schon woanders gemacht haben, fragen wir in Bern nach und bekommen die entsprechende Auskunft. So kommt niemand zweimal in den Genuss einer straflosen Selbstanzeige.»

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