Destination Aargau

Reisejournalisten aus aller Welt erkunden den Kanton in drei Tagen

Zwölf Journalisten aus drei Kontinenten begaben sich auf den Spuren der Habsburger auf eine dreitägige Entdeckungsreise durch den Aargau. Sie staunten, sie wunderten sich, sie waren begeistert – und sie rümpften die Nase.

Der Kleinbus aus Bad Schinznach kommt mit Verspätung im Schloss Hallwyl an. Das Reiseprogramm der Journalisten ist dermassen dicht, dass zu viel journalistische Neugier den Zeitplan durcheinanderbringt. Das war am Vorabend auf der Habsburg der Fall, als Landammann Urs Hofmann den zwölf Journalisten aus zehn Ländern den Aargau erklärte, es ist an diesem Morgen der Fall, als es der Gruppe ausnehmend gut im Bad Schinznach gefällt und sie sich gründlich über die Kombination von Hotel und Reha-Klinik informieren lässt.

Ein Erlebnis für alle Sinne

Deshalb reicht es nur für eine Kurzführung durchs Wasserschloss in englischer Sprache durch Guide Angela Dettling. Es ist ein prächtiger Morgen im Spätsommer. Wanderer stürmen das Café im Innenhof, Schulklassen verwandeln sich in Ritter, Knappen und Burgfräuleins. Mittendrin die Journalisten. Sie sind unterschiedlich aufmerksam, fotografieren viel. Ausserhalb der Mauer hört man Motorsägen; und ganz in der Nähe ist ein Bauer am Güllen, was deutlich riechbar ist. Naserümpfend flüchten die olfaktorisch Empfindlichen ins Innere des Gemäuers. Merke: Landwirtschaft pur – auch das ist der Aargau!

Mehr als eine Viertelstunde zur freien Verfügung lässt der Zeitplan nicht zu. Nur wenige sind pünktlich beim Bus. Es gibt halt so viel zu sehen und zu hören, zu fotografieren. Und dann dieses Café! Heinz Keller von Schweiz Tourismus, der die Gruppe durch den Kanton führt, bleibt gelassen. «Journalisten brauchen eben ihren individuellen Freiraum.»
Dann sind alle da, der Bus fährt weiter nach Birrwil in die Schifflände zum Mittagessen, Fotohalt am See mit Blick auf die Alpen inklusive.

Unbekannter Aargau

Rund 200 Journalisten aus der ganzen Welt hat Schweiz Tourismus für eine Woche eingeladen. Die ersten beiden Tage verbrachte man gemeinsam in und um Lausanne. Dann konnten die Teilnehmenden wählen, in welcher Region der Schweiz sie drei weitere Tage verbringen möchten. Erstmals stand auch der Aargau zur Auswahl, da der Kanton jetzt als
eigenständige Tourismus-Region auftritt. Und 12 der 200 entschieden sich für die Reise in den Aargau. Warum ausgerechnet der Aargau?

Volker Mehnert, der als Freelancer unter anderem für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» schreibt, nennt einen simplen Grund: «Die übliche, touristische Schweiz kenne ich. Da ist der Aargau etwas Neues für mich. Und die Verbindung zu den Habsburgern finde ich attraktiv. Schliesslich sind wir Deutschen ja auch Teil dieser Geschichte, die hier ihren Anfang nahm.»

Allerdings glaubt Mehnert nicht, dass nun deutsche Touristen scharenweise in den Aargau kommen. «Die Kernfrage lautet doch: Wie verkaufe ich einem Deutschen bei diesem teuren Franken eine Burg im Aargau? Erst recht, wenn er im eigenen Land auch ein paar hundert Burgen hat und es auch guten Wein gibt, der aber nur die Hälfte kostet.» Aber Mehnert will wiederkommen und gründlich für eine Geschichte über den Ursprung der Habsburger im Aargau recherchieren.

Warum der See so schön ist

Dann sitzen sie in der «Schifflände» in Birrwil beim feinen Essen, mit freiem Blick auf See und Berge und diskutieren. Warum es im Aargau kaum englische Speisekarten gebe und auf den Burgen oben alles nur deutsch beschriftet sei, wollen sie wissen.

Graziano Capponago del Monte aus Milano, professioneller Reiseblogger, setzt sich mit seinem Maskottchen Svizzi ins Szene. Und er beginnt fast ein bisschen zu schwärmen von diesem Aargau, den er bisher noch nicht gekannt hat: Zentral gelegen zwischen den Zentren, nahe bei den Bergen und nicht bloss zur Durchfahrt geeignet, sondern auch als Ziel attraktiv – das sei der Aargau.

Sie bestaunen den Hallwilersee und die Amerikanerin verweist auf die grünen Ufer und fragt, warum man diesen wunderschönen See touristisch nicht besser nütze. Heinz Keller erklärt, dass der Hallwilersee eben gerade deshalb so schön sei, weil er touristisch nicht mehr genützt werde, und er erklärt das Prinzip der Uferschutzzone. Auf der Überfahrt zur Seerose erkundigt sich ein Journalist, um wie viele Meter der Spiegel des Hallwilersees wohl ansteigen werde, wenn alle die Gletscher dort am Horizont miteinander wegschmelzen.

Besuch beim Herz des Kaisers

Die Sonne brennt. Der Zeitplan drängt. In Meisterschwanden wartet der Car. Er führt über die Freiämter Höhenstrasse via Horben ins Kloster Muri und dort direkt in die Habsburgergruft zu den kaiserlichen Herzen von Karl I. und Zita; und schon geht es weiter nach Bremgarten, nochmals eine Führung – der Anblick des Reussstädtchens über dem Fluss mit der Holzbrücke gefällt; vielleicht ist dies das meist fotografierte Sujet der Tour. Ja, schön ist er zweifellos, dieser Aargau. Aber auch anstrengend. Besonders bei 30 Grad im Schatten.

Immerhin winkt für die Journalisten zur Belohnung die Übernachtung im Seerose Resort & Spa. Da kann sich die Gruppe komfortabel erholen, bevor am nächsten Morgen die Reise weiter nach Aarau in den Untergrund zu den Meyerschen Stollen führt.

HIER geht es zum Kommentar von Jörg Meier

Meistgesehen

Artboard 1