Landwirtschaft

Rehkitze sollen dank Wärmebildkamera nicht mehr sterben

Bauern und Jäger an der Demonstration des Modellhelikopters, mit dem sich Wiesen nach versteckten Rehkitzen absuchen lassen

Bauern und Jäger an der Demonstration des Modellhelikopters, mit dem sich Wiesen nach versteckten Rehkitzen absuchen lassen

2000 bis 3000 Rehkitze verenden jedes Jahr qualvoll auf einer Schweizer Wiese, weil sie vor dem Mähen nicht entdeckt worden sind. Forscher wollen die Tiere nun mit Helikopter und Wärmebildkamera vor dem Mähen retten.

2000 bis 3000 Rehkitze verenden jedes Jahr qualvoll auf einer Schweizer Wiese, weil sie vor dem Mähen nicht entdeckt worden sind. Das ist die offizielle Zahl. «Die Dunkelziffer dürfte um ein Mehrfaches höher sein.

Nicht jedes getötete Tier wird gemeldet und oft merken die Bauern auf ihren modernen und schnellen Maschinen gar nicht, wenn ein Tier zermalmt worden ist», sagt Nicole Berger von der Hochschule für Agrar-, Forst und Lebensmittelwissenschaften.

Rehkitze nur schwer zu entdecken

Berger forscht nach Methoden, im hohen Gras versteckte Rehkitze effizienter finden zu können. «Die Tiere sind perfekt getarnt und werden von der Mutter so sauber gehalten, dass sie von Greifvögeln und Füchsen weder gerochen noch entdeckt werden können.

Auch Jagdhunde, mit denen Heuwiesen vor dem Mähen abgesucht werden, laufen nicht selten knapp vorbei an ihnen», erklärte sie an einer Veranstaltung, die der Aargauische Verband für Landtechnik zusammen mit dem Aargauischen Jagdschutzverein in Magden organisiert hatte.

Es gehe nicht nur um die Rehkitze», hielt dort Paul Müri vom Landtechnik-Verband fest: «Werden Rehkitze von Landmaschinen zerstückelt, können sich Nutztiere, die durch Kadaver verunreinigtes Heu oder Silage fressen, mit einem hochgiftigen Botulismus-Erreger anstecken.»

In einer Wiese verstecken sich aber auch Hasen, Frösche, Kröten, Eidechsen, brütende Vögel und viele weitere Lebewesen. «Auch sie gilt es zu schützen», sagte Thomas Laube, Jäger und Präsident der Stiftung Wildtiere, Natur, Landschaft und Leben.

Helikopter kostet 25 000 Franken

Ein erfolgversprechendes Projekt zur Schonung dieser Tiere ist der von den Forschern entwickelte Wildretter. Eine mit Infrarotsensoren bestückte Aluminium-Teleskopstange wird durch die Wiese getragen.

Liegt dort ein Tier, schlagen die Sensoren Alarm. Das Team um Nicole Berger hat nach einer ebenso wirksamen, aber weniger mühsamen Methode gesucht und vor zwei Jahren erste Versuche mit einem Modellhelikopter mit Wärmebildkamera gemacht.

Im Fricktaler Magden wurde gestern eine ausgereifte Version vor Bauern- und Jägervertretern präsentiert. Damit lässt sich eine Hektare in rund fünf Minuten absuchen – das bei einer sehr hohen Erfolgsquote. Das einzige Problem sind die hohen Kosten von 25 000 Franken für eine komplette Ausrüstung.

Nicole Berger will weiterforschen. Gesucht seien gute Ideen und Synergien, mit denen sich die Kosten für ein solches Überwachungsgeschwader senken liessen.

In Arbeit hat sie als Ergänzung ein elektronisches Überwachungssystem, mit dem sich gefährdete Wiesen permanent und kostengünstig auf Bewegung überwachen lassen: «Es funktioniert, ist aber noch nicht ausgereift. Ich hoffe ich bekomme das Geld zusammen, um weiter daran forschen zu können.»

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