Umstritten

Regionalpolizeien wollen Taser, doch die Aargauer Kapo klemmt

Die Regionalpolizeien möchten Taser einsetzen. (Symbolbild)

Die Regionalpolizeien möchten Taser einsetzen. (Symbolbild)

Regionalpolizeien würden gerne Elektroschockgeräte kaufen, dürfen aber nicht. Nun hoffen sie auf die Politik.

Mit Stromstössen setzen Taser eine Person ausser Gefecht. Die Elektroschockgeräte werden auch im Aargau eingesetzt, allerdings nur durch die Sondereinheit der Kantonspolizei. Die Regionalpolizei Bremgarten würde diese Waffe ebenfalls gerne anschaffen. Doch eine Bewilligung durch den Kommandanten der Kantonspolizei hat sie bislang nicht erhalten.

Unterstützung gibt es nun aus der Politik. In einer Interpellation fragen Freiämter Grossräte unter anderem, wer zuständig für den Kauf von Tasern ist. Sie zweifeln an, ob der Kapo-Kommandant den Regionalpolizeien den Kauf von Waffen bewilligen muss, und kritisieren «einen ungerechtfertigten Eingriff in die Gemeindeautonomie».

Der Anstoss für die Interpellation kam von der Bremgarter Regionalpolizei. Deren Chef Manfred Tschannen sagt: «Der Entscheid über den Kauf von Tasern soll bei den Regionalpolizeien liegen.» Er erinnert sich an drei Fälle im Einsatzgebiet in den letzten zehn Jahren, in denen diese Waffe von Vorteil gewesen wäre – bei zwei davon seien Polizisten verletzt worden. Von Tasern erhofft er sich einen besseren Schutz für seine Mitarbeiter im Umgang mit aggressiven Personen. Im Kanton Zürich würden damit gute Erfahrungen gemacht, sagt Tschannen.

Gute Erfahrungen im Einsatz

Diese Einschätzung teilt auch Fabian Remondini. Der Polizist der Regionalpolizei Rohrdorferberg-Reusstal hat seine Masterarbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz über Taser geschrieben. Fazit: Der Trend lasse sich aufgrund der guten Einsatzerfahrungen nicht aufhalten. Ohne Destabilisierungsgerät fehle den Polizisten ein Zwangsmittel, das aus der Distanz anwendbar sei, nicht tödlich wirke, eine grosse präventive Wirkung aufweise und einen Schusswaffeneinsatz verhindern könne. Remondini spricht sich für eine Ausdehnung des Anwenderkreises aus.

Der Bremgarter Polizeichef Manfred Tschannen würde für sein Korps zwei bis vier Taser anschaffen. Er betont aber auch: «Es geht explizit nicht nur um die Regionalpolizei Bremgarten. Alle Regionalpolizeien sollen vom Vorstoss profitieren können.»

Taser nur selten im Einsatz

In Baden wären Elektroschockgeräte in Einzelfällen schon vorteilhaft gewesen, sagt Max Romann, stellvertretender Kommandant der Stadtpolizei. «Wir begrüssen einen Grundsatzentscheid darüber, ob die Regional- oder die Kantonspolizei über die Anschaffung von Waffen entscheiden darf.» Allerdings lässt Romann offen, ob die Stadtpolizei auch Taser anschaffen würde, wenn sie denn dürfte. Wenig begeistert zeigt sich René Lippuner, Präsident des Verbands Aargauer Regionalpolizeien: «Wir sind vom Vorstoss überrascht worden. Taser sind im Moment bei uns kein akutes Thema.»

Aktuell besitzt nur die Kantonspolizei Elektroschockgeräte für den Einsatz aus der Distanz – sechs Stück. «Diese kommen nur selten zum Einsatz, in diesem Jahr noch gar nie», sagt Sprecherin Barbara Breitschmid. Die Angehörigen der Sondereinheit würden speziell geschult. «Die Ausbildung ist sehr anspruchsvoll.» Auch deshalb verzichte die Kapo darauf, das gesamte Korps damit auszurüsten.

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