Kanton

Regionalpolizeien gehen Polizisten aus – Verbandspräsident kritisiert: Nachwuchs lässt sich immer schlechter rekrutieren

Die Regionalpolizeien im Aargau haben ein Nachwuchsproblem. Bild der Repol Zurzibiet.

Die Regionalpolizeien im Aargau haben ein Nachwuchsproblem. Bild der Repol Zurzibiet.

Es klafft eine Lücke im Korps. Seit fast einem halben Jahr sucht die Stadtpolizei Aarau einen Polizisten. Zwar sind 13 Bewerbungen eingegangen, überzeugen konnte aber keine. Die Stelle ist nach wie vor offen. «Gute Polizistinnen und Polizisten sind nicht einfach so auf dem Markt zu haben», sagte Daniel Ringier, Leiter der Abteilung Sicherheit in Aarau, diese Woche gegenüber dem SRF ­Regionaljournal Aargau-Solothurn. Die Aarauer Stadtpolizei ist mit ihrem Personalproblem nicht alleine: Viele Stadt- und Regionalpolizeien haben Mühe, geeignete Einsatzkräfte zu finden.

Erst vor einem Monat zog Polizeidirektor Urs Hofmann ­Bilanz: Im Aargau herrscht Polizisten-Mangel. Der Kanton bildet schweizweit das Schlusslicht, wenn es um das Verhältnis von Einwohnern zu Polizisten geht. Auf 1000 Einwohner kommen weniger als 1,6 Polizisten. Die Regionalpolizeien sind in dieser Zahl eingerechnet.

«Die personelle Lage ist angespannt», sagt René Lippuner, der Präsident des Verbands der Aargauer Regionalpolizeien. Hat ein Job bei einer Repol an Reiz verloren? Lippuner verneint. Viel habe mit dem Pikettdienst zu tun. Vor allem kleinere Regionalpolizeien haben selten einen 24-Stunden-Betrieb, stattdessen stehen die Beamten auf Abruf bereit. Mitten in der Nacht für einen Einsatz aus dem Bett geholt zu werden, passt nicht ­jedem. «Die Mitarbeiter, besonders die jüngeren, wollen nach der Schicht in den Feierabend. Sie gewichten ihre Work- Life-­Balance eben höher.»

Lippuner sagt das ohne jeden Vorwurf. «Es ist normal, dass sich Werte ändern.» Dass es am Nachwuchs fehlt, liegt aber auch daran, dass einige Regionalpolizeien zu wenig in die Ausbildung investieren. Anwärter in die zweijährige Polizeischule zu schicken, ist teuer. Ob und wie viel Geld dafür bereitgestellt wird, entscheiden die Vertragsgemeinden, die selber unter grossem Spardruck stehen. Leidtragende sind oft die ressourcenschwächeren Regionalpolizeien. Als Chef der vergleichsweise kleinen Repol ­Zurzibiet weiss Lippuner um die Problematik. Seit fünf Jahren hat er niemanden mehr in die polizeiliche Ausbildung gehen lassen dürfen. Es ist eine vertrackte Situation. «Einerseits brauchen wir unbedingt mehr Leute, gleichzeitig ist es wichtig, dass sie top ausgebildet sind», sagt Lippuner.

«Der Job ist hart und herausfordernd»

Was kann man tun, damit wieder mehr Frauen und Männer Polizist werden? Zuallererst gelte es, das Image aufzupolieren. Man müsse die Arbeit wieder besser und attraktiver verkaufen, findet Lippuner. Was allerdings nicht bedeute, dass man die Aufnahmekriterien lockern sollte: «Wir dürfen auf keinen Fall von unseren hohen Standards abweichen.» Die Aufgabe als Polizist sei hart und herausfordernd, zum Alltag gehöre immer öfter auch dazu, dass man beschimpft und angefeindet werde. Lippuner will Interessierten klarmachen, was auf sie zukommen kann. «Es darf nicht sein, dass jemand die Aus­bildung vorzeitig abbricht», betont Lippuner. «Das kann man sich als Regionalpolizei nicht leisten.»

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