Zofingen

Regionalpolizei-Chef: «Häftling sprang während Einvernahme aus dem Fenster»

Er deckt mit 37 Polizisten das grösste Repolgebiet im Aargau ab: Stefan Wettstein.

Er deckt mit 37 Polizisten das grösste Repolgebiet im Aargau ab: Stefan Wettstein.

Der 56-jährige Stefan Wettstein ist seit 32 Jahren Polizist und seit fünf Jahren Leiter der Regionalpolizei in Zofingen. Im Interview mit der AZ erzählt er von skurrilen Fällen, Unterschieden zu früher und wie er über die Liebe zu seinem Beruf fand.

Sie sind seit bald 32 Jahren bei der Polizei. War es schon immer Ihr Traum, Polizist zu werden?

Stefan Wettstein: Nein. Erst nach der Rekrutenschule liebäugelte ich erstmals damit, Polizist zu werden. Auch der Liebe wegen.

Interessant, erzählen Sie mehr dazu.

Ich habe ursprünglich Koch gelernt. Im Militär wurde ich als Schütze der Panzerabwehrlenkwaffe ausgebildet. Nachdem ich den «scharfen Schuss» geschossen habe, wechselte ich in die Küche. Dort habe ich weitergemacht, liess mich zum Militär-Küchenchef ausbilden. Nach dem Abverdienen lernte ich meine künftige Frau kennen und kam dort mit dem Polizeiberuf in Kontakt. Ihr Vater war Polizist und so bekam ich Einblick in diese Arbeit.

Was fasziniert Sie an der Polizeiarbeit?

Der Polizeiberuf ist aus meiner Sicht einer der vielseitigsten, wenn nicht der vielseitigste Beruf überhaupt. Wenn wir mit unserer Arbeit beginnen, wissen wir nie, was uns bis zum Feierabend erwartet. Es ist nicht immer alles hoch spannend, was es zu erledigen gibt, aber die Arbeit ist verantwortungsvoll und abwechslungsreich wie kaum eine andere.

Welches sind die grössten Unterschiede seit Ihrem Start vor bald 32 Jahren und heute?

Früher war ich im Aussendienst, auf Patrouille bzw. an der Front tätig und mit Polizeieinsätzen vertraut. Dort muss man taktisch anders vorgehen als bei meiner heutigen Arbeit, die zu einem Grossteil aus Projektmanagement und Personalgeschäften besteht, aber auch der Zusammenarbeit mit der Politik und den Führungsorganisationen der 23 Gemeinden, die die Repol betreut. Trotz den grossen Unterschieden von einst und heute interessiert es mich noch sehr, was an der Front geschieht.

Was war Ihr skurrilster Fall, den Sie erlebt haben?

Ein Häftling ist während der Einvernahme aus dem Fenster gesprungen und geflüchtet. Dies hat umgehend einen Alarm ausgelöst, alle verfügbaren Kräfte wurden aufgeboten, so auch ich. Eine innere Stimme sagte mir, ich soll im Rosengarten beim alten Urnenfriedhof nachschauen. Und tatsächlich, der Mann hat sich dort auf einem Baum versteckt. Er liess sich nach einem kurzen Gespräch widerstandslos festnehmen. In einem anderen Fall handelte es sich um häusliche Gewalt, bei dem das renitente Verhalten des Aggressors einen Pfeffersprayeinsatz meinerseits auslöste.

Sie decken mit den 37 Polizisten das grösste Repolgebiet im Kanton Aargau ab. Hätten Sie lieber mehr Polizisten im Corps oder weitere Gemeinden bei der Regionalpolizei Zofingen?

Wir haben genügend Polizistinnen und Polizisten für unser Gebiet. Die einzige Gemeinde, die ich mir vorstellen könnte, wäre Hirschthal, weil sie in der Durchfahrt von unserem Einsatzgebiet liegt.

Ansonsten möchte ich das Gebiet nicht vergrössern, es ist sonst schon gross genug. Wenn wir vom äussersten Punkt in Murgenthal bis nach Schmiedrued-Walde fahren, haben wir rund eine halbe Stunde Anfahrtsweg …

Sie haben beim Unwetter am 8. Juli sieben der neun Fahrzeuge verloren (Anm. der Red. Das Bahnhofparking Zofingen, wo die Autos standen, wurde überflutet). Befinden sich die neuen wieder im zweiten Untergeschoss oder haben Sie neue Parkplätze seit dem Unwetter?

Leider ist es nicht möglich, unsere Fahrzeuge an einem anderen Ort zu parkieren. Ich bin der Meinung und hoffe natürlich, es war ein «Jahrhundertereignis», welches so nicht mehr vorkommen wird.

Sollte eine Unwetterwarnung in dieser Grössenordnung von der Meteo Schweiz eingehen, werde ich die Dienstfahrzeuge möglichst schnell aus der Tiefgarage ausfahren lassen (lacht). Wenn die Zeit reicht, wäre das aus meiner Sicht das einzige Mittel, den Schaden zu begrenzen.

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