Exklusive Wahlumfrage

Regierungsratswahlen: Gallati hält Feri und Glarner auf Distanz

Die Umfrage bei der Aargauer Bevölkerung zeigt: Jean-Pierre Gallati (SVP) hat im Kampf um den Regierungsratssitz die Nase vor.

Die Umfrage bei der Aargauer Bevölkerung zeigt: Jean-Pierre Gallati (SVP) hat im Kampf um den Regierungsratssitz die Nase vor.

Die beste Ausgangslage, um den Regierungsratssitz von Franziska Roth zu erben, hat laut einer repräsentativen Umfrage Jean-Pierre Gallati (SVP). Doch die Konkurrenz gibt sich noch nicht geschlagen.

38 Prozent der Urnengänger würden Stand jetzt Jean-Pierre Gallati von der SVP in den Regierungsrat wählen. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Forschungsinstituts Sotomo im Auftrag der AZ (siehe Grafik). Am zweitmeisten Stimmen erhält Yvonne Feri (SP) mit 21 Prozent, vor Jeanine Glarner (FDP) mit 16 Prozent.

Die Ersatzwahl, die wie die nationalen Wahlen am 20. Oktober stattfinden, wird nötig, weil Franziska Roth als Vorsteherin des Departements Gesundheit und Soziales zurückgetreten ist.
Deutlich hinter dem Trio Gallati, Feri, Glarner folgen der Grüne Severin Lüscher und die Grünliberale Doris Aebi: Beide holen je 10 Prozent der befragten Stimmberechtigten. Vom prognostizierten Aufwind ihrer Parteien bei den Nationalratswahlen können Lüscher und Aebi offenbar wenig profitieren.

 Um die Wahl in den Regierungsrat im ersten Wahlgang zu gewinnen, braucht es 50 Prozent der Stimmen plus eine. Das erreicht laut Umfrage klar niemand. Der Vorsprung von SVP-Kandidat Gallati auf die Verfolger ist aber deutlich. «Das Resultat dieser Umfrage motiviert mich», sagt er. «In den nächsten drei Wochen will ich noch mehr Personen von meinen Ideen zum Gesundheitswesen überzeugen, um meine Wählerbasis zu verbreitern.»

Gallati hat vor allem starken Rückhalt in der eigenen Partei. 93 Prozent der SVP-Basis will ihn auf den Wahlzettel schreiben. In der FDP-Basis würden derzeit 20 Prozent Gallati die Stimme geben.

Die Ergebnisse der Sotomo-Umfrage.

Die Ergebnisse der Sotomo-Umfrage.

Viele Grünen-Stimmen gehen an Yvonne Feri

Mit 77 Prozent der SP-Stimmen hat Yvonne Feri nicht ganz so viel Rückhalt in der eigenen Partei wie ihr SVP-Konkurrent. Dafür ist Feri breiter abgestützt. Beliebt ist sie vor allem an der Basis der Grünen: Ein Drittel deren Wähler würde für die SP-Frau stimmen; das ist der höchste Anteil an Fremdstimmen von einer anderen Partei für eine Kandidatin.

«Über diese Stimmen und auch, dass die Mehrheit der Sozialdemokraten mich wählen würde, freue ich mich besonders», sagt die Nationalrätin. Zudem holt Feri in der Mitte Stimmen, laut Umfrage von CVP-Wählern 18 Prozent, von der GLP sind es 13 Prozent.

Die Feri-Stimmen von Grünen fehlen dafür Severin Lüscher. «Das zeigt das Grünen-Dilemma», glaubt er. Nur etwas mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Grünen würden ihn auf den Zettel schreiben, je 13 Prozent sind es von SP und GLP.

Lüscher denkt, dass Grüne, die eine Frau im Regierungsrat haben wollen, Feri als Alternative wählen werden. Nach Roths Rücktritt besteht die Aargauer Regierung zur Zeit aus vier Männern. Lüscher relativiert aber: «Ob dieses Thema bei der Wahlbevölkerung so heiss gegessen wird, wie es derzeit gekocht wird, werden wir am 20. Oktober sehen.»

Umfrage zeigt Richtwert, nicht Resultat

Die Kandidierenden nehmen die Ergebnisse der Umfrage mit Vorsicht zur Kenntnis. Auch der bestplatzierte Jean-Pierre Gallati sagt, er gebe generell nicht viel auf Umfragen, auch wenn der Absender seriös sei. Jeanine Glarner, die mit 16 Prozent der Stimmen laut Umfrage auf dem dritten Platz abschliesst, sagt, dass sie seit Erhebung der Daten, die zwischen dem 4. und dem 23. September stattfand, bereits mehr Leute von sich überzeugen konnte.

«Ich hatte in den letzten Wochen sehr positive Rückmeldungen auf meine Auftritte an Podien», sagt sie. «Die Wählenden, die nicht parteigebunden sind, treffen ihre Wahl erst in den nächsten Tagen und Wochen.» Glarner holt bei den FDP-Wählern 66 Prozent der Stimmen, zudem kann sie laut Umfrage 28 Prozent der CVP-Wähler von sich überzeugen.

Auf parteiungebundene Stimmberechtigte hofft auch Doris Aebi. «Mein Ziel ist es, als Vertreterin der Mitte, diese Wähler weiter zu mobilisieren.» Da der Regierungsratswahlkampf erst vor zwei Wochen Fahrt aufgenommen hat, habe sich die breite Bevölkerung noch zu wenig mit dieser Wahl auseinandergesetzt. Vor allem parteiunabhängige Wählerinnen und Wähler hätten sich ihre Meinung noch nicht abschliessend gebildet und vermutlich auch weniger an der Umfrage teilgenommen, sagt Aebi.

Ihr Umfrageresultat von 10 Prozent enttäuscht die GLP-Frau deshalb nicht: «Gegenüber dem Anteil, den meine Partei bei den nationalen Wahlen 2015 erreicht hat, ist das bereits fast eine Verdoppelung», sagt sie. Von den Stimmen, die Aebi in der Umfrage erhielt, sind 57 Prozent von GLP-Wählenden,

13 Prozent von Grünen und 14 Prozent aus der CVP. «Das bestärkt mich darin, dass es mir als Frau mit Erfahrung inPolitik und Wirtschaft gelingt, bis zum 20. Oktober weiter Stimmen über die Parteigrenzen abzuholen.»

Staunen, dass Wähler die SVP nicht abstrafen

Auf die Unentschlossenen setzt auch Yvonne Feri. «Ich werde alles tun, um noch mehr Stimmen zu holen», sagt sie. Der nach dem Rücktritt von Franziska Roth (ehemals SVP) freigewordene Sitz stehe aus ihrer Sicht politisch Mitte-Links zu.

So sieht das auch Severin Lüscher. Er staune weniger ob seinem Umfrageresultat und mehr darüber, wie gut der SVP-Kandidat abschneidet, sagt er. «Nach dem Debakel der letzten zwei Jahre mit der von der SVP aufgestellten Regierungsrätin bin ich verwundert, dass die Retourkutsche der Wählerinnen und Wähler auszubleiben scheint.»

Die SVP hatte sich diesen Frühling von Roth distanziert und sich dafür entschuldigt, sie vor drei Jahren als Regierungsrätin portiert zu haben.

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