Der Vorstand des Aargauischen Gewerbeverbands (AGV) hat einstimmig beschlossen, SVP-Kandidat Jean-Pierre Gallati für die Regierungsratswahlen vom 20. Oktober zu empfehlen. Einerseits erfülle er die Kriterien, die es für eine Unterstützung brauche, andererseits habe er sich als Kandidat mit klaren Vorstellungen zur Gesundheitspolitik präsentiert, teilt der Gewerbeverband mit.

Gallati ist Rechtsanwalt und Mitglied im Gewerbeverein Region Mutschellen. Als Präsident verschiedener Verwaltungsräte sowie als Präsident der SVP-Grossratsfraktion habe er seine Führungsqualitäten unter Beweis gestellt, schreibt der Verband. Er kenne die politischen Abläufe, die Verwaltung des Kantons und habe aus der entsprechenden Kommission «profunde Kenntnisse der Gesundheitspolitik». Nach einer Anhörung habe sich der Vorstand daher einstimmig für den SVP-Mann entschieden.

Frauenfrage wurde im Vorstand diskutiert

Dass es für die Kandidierenden der Linken, SP-Nationalrätin Yvonne Feri und Grünen-Grossrat Severin Lüscher, keine Unterstützung des Gewerbeverbandes gibt, ist naheliegend.

Doch der Verband gibt auch für Grossrätin Jeanine Glarner (FDP) und Unternehmerin Doris Aebi (GLP) keine Wahlempfehlung ab. Man habe die Frauenvertretung im Regierungsrat diskutiert und hoffe, dass nächstes Jahr bei den Gesamterneuerungswahlen eine Frau Einzug in die Regierung finden werde, teilt der Verband mit.

Wegen der schwierigen Situation im Gesundheitsdepartement müsse jetzt unabhängig vom Geschlecht «die fähigste zur Verfügung stehende Person gewählt werden» – und das ist aus Sicht des Gewerbevorstandes eben SVP-Mann Gallati.

Burkart: «Nie gegen meine Parteikollegin gestimmt»

Dass der Gewerbeverband nur Gallati empfiehlt, ist auch deshalb bemerkenswert, weil im Gewerbevorstand mit Thierry Burkart ein Freisinniger sitzt. Hat der FDP-Vertreter bei der Frage, ob seine Parteikollegin Jeanine Glarner vom Gewerbeverband unterstützt werden soll, gegen sie gestimmt? Und dies, obwohl Glarner ihrerseits zum Unterstützungskomitee für Burkarts Ständeratskandidatur gehört? «Nein», sagt der Nationalrat auf Anfrage, «ich habe nie gegen Jeanine Glarner gestimmt, sondern nur dafür, dass Jean-Pierre Gallati empfohlen werden soll.»

Die Frage, ob man die FDP-Frau unterstütze, hat sich laut Verbandspräsident Kurt Schmid gar nicht gestellt. Der Vorstand habe festgestellt, dass Gallati der einzige Kandidat sei, der die Bedingungen dafür erfüllt: Mitglied eines Gewerbeverein oder Branchenverbands, der dem AGV angeschlossen ist, Unternehmer, entweder selbstständig erwerbend oder in Führungsfunktion (Geschäftsleitung oder Verwaltungsrat) einer Mitgliedsfirma des Verbandes und darüber hinaus Mitglied der SVP, FDP, CVP, BDP, oder EDU.

Keine Unternehmerin, oder in der falschen Partei

Jeanine Glarner und Doris Aebi erfüllen jeweils eine der Voraussetzungen nicht: Glarner ist nicht Unternehmerin, sondern zuständig die für Kommunikation und gesundheitspolitische Aktivitäten beim Schweizerischen Ärzteverband, Aebi führt eine Firma zur Rekrutierung von Führungskräften, ist aber Mitglied der Grünliberalen.

Aufgrund dieser Ausgangslage habe man beschlossen, nur Jean-Pierre Gallati zu einer Anhörung einzuladen, erklärt Schmid. Für den Vorstand des Gewerbeverbandes sei «angesichts der seit langem gültigen und transparenten Kriterien» klar gewesen, dass man für die Regierungsratswahl entweder den SVP-Bewerber oder aber gar niemanden unterstütze.

Thierry Burkart betont, er habe im Gewerbevorstand auf die Fähigkeiten seiner Parteikollegin Jeanine Glarner hingewiesen. «Ich bin überzeugt, dass sie die Anforderungen an das Regierungsamt ebenfalls sehr gut erfüllen würde.»

Unerwartete Unterstützung erhielt Jean-Pierre Gallati von der ehemaligen Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli:

Susanne Hochuli sieht SVP-Kandidaten als geeigneten Gesundheitsdirektor

Susanne Hochuli sieht SVP-Kandidaten als geeigneten Gesundheitsdirektor (21. August 2019)

Die ehemalige Grünen-Regierungsrätin sagte im TalkTäglich bei Tele M1, Jean-Pierre Gallati bringe alles mit, um das Departement der zurückgetretenen Franziska Roth zu übernehmen. Hochuli, die selber oft von der SVP kritisiert wurde, sieht auch ihren Parteikollegen Severin Lüscher als geeigneten Regierungsrat – nicht aber SP-Frau Yvonne Feri.