Wahlen AG 2016
Regierungsratkandidatin Jil Lüscher: "Mein Gott, eigentlich war ich ja ein schöner Mann"

Die Aargauerin Jil Lüscher (59) scheint ein extrovertierter Mensch zu sein. Sie, die früher ein Mann war, zeigt sich während des Wahlkampfs von ihrer privatesten Seite. Alte Fotos als Mann inklusive.

Jürg Krebs
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"Ich bin heute so glücklich, dass mich nur etwas nervt – dass ich mit der Geschlechtsumwandlung so lange gewartet habe." Dies sagt die 59-jährige Jil Lüscher aus Zofingen im Lifestyle auf Tele M1.

Trotzdem. So ganz unglücklich sei sie als Mann nicht gewesen, bekennt Lüscher Moderatorin Patricia Boser: "Ich habe das Privileg beide Seiten zu kennen."

Die Aargauerin hiess früher Jörg, war verheiratet und hat eine Tochter. Sie wohnt mit ihrer damaligen Lebenspartnerin und deren zwei Kindern zusammen. Lüscher ist Leiterin eines Luzerner Zeitungsverlags.

Jil Lüscher in der Sendung "Lifestyle"
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Jil Lüscher und Moderatorin Patricia Boser in der Sendung "Lifestyle"
Jil Lüscher in der Sendung "Lifestyle"
Jil Lüscher und Moderatorin Patricia Boser in der Sendung "Lifestyle"

Jil Lüscher in der Sendung "Lifestyle"

Tele M1

Wie kam es zur Geschlechtsumwandlung? Jil Lüscher habe schon mit 12 Jahren gemerkt, dass sie im falschen Körper stecke. Sie habe damals als Knabe auch heimlich Frauenkleider ausprobiert. Die Eltern hätten nichts bis wenig von ihrer Neigung gemerkt, hätten es wohl auch verdrängt. "Ich bin in einem prüden Haus aufgewachsen", so Lüscher.

Entsprechend hat sie auf ihre Neigung selbst reagiert. Sie habe versucht, den "Belzebub" in ihr auszutreiben, habe sich arrangiert und das Leben eines Mannes geführt. Bis sie vor ein paar Jahren nicht mehr anders konnte und sich einer Operation unterzog.

Fotos aus dem Privatarchiv - gezeigt in der Sendung "Lifestyle": Jil Lüscher als Mann
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Jil Lüscher als Mann
Jil Lüscher als Mann
Jil Lüscher als Mann

Fotos aus dem Privatarchiv - gezeigt in der Sendung "Lifestyle": Jil Lüscher als Mann

Tele M1

In der Sendung bekennt Lüscher: "Ich bin sehr eitel." Und: "Ich bin mit meinem Aussehen happy, ich komme gut an in der Gesellschaft, darum macht es mich wütend, dass ich so lange gezögert habe."

Gefilmt wurde die Sendung nicht in der eigenen Wohnung – aus Rücksicht auf Lüschers Familie. Sie empfing bei einem Freund zuhause, wo sie eine Einlegerwohnung als Rückzugsort hat.

Jil Lüscher ist offenherzig, zeigt, wie sie sich schminkt, zunächst aber die Reste des Bartwuchs abrasieren muss. Auch Fotos als Mann – "Mein Gott, eigentlich war ich ja ein schöner Mann" – und einen Teil der Operation lässt sie zeigen.

"Partei der Herzen"

Irgendwann kommt die Rede auf Jil Lüschers Kandidatur. Sie will am 23. Oktober in den Aargauer Regierungsrat einziehen.

Ihr Wahlprogramm? "Ich will die Menschen dazu bringen, zu sich zu stehen", sagt Lüscher. Sie sollen den Mut haben, auch mal etwas zu verändern und ihr Potenzial zu nutzen. "Sie sollen aus der eigenen Stärke heraus Menschen mitnehmen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen."

Ihr Vorteil gegenüber den Mitkandidierenden? "Ich kann für Männer und Frauen Sprachrohr sein, das ist ein enormer Vorteil." Jil Lüscher ist "parteilos und frei". Zum Schluss sagt sie: "Meine Partei ist die Partei der Herzen." Und was ist mit den Wahlchancen der Aussenseiterin? Lüscher: "Ich glaube, es klappt."

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