Poststellen-Abbau
Regierungsrat Urs Hofmann mahnt die Post – Gewerkschaft ruft zu Boykott auf

Der Aargauer Regierungsrat reagiert postwendend auf die Abbaupläne der Post. Urs Hofmann ruft die Verantwortlichen in Bern, mit den betroffenen Gemeinden zu reden und weniger Poststellen zu schliessen als geplant. SP und Gewerkschaften kündigen Widerstand gegen den Abbbau an.

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Urs Hofmann ruft Post auf, weniger Filialen zu schliessen

Urs Hofmann ruft Post auf, weniger Filialen zu schliessen

32 Poststellen stehen im Aargau auf der Kippe, gemäss Liste, welche die Post veröffentlicht hat. 45 Poststellen wiederum sind demnach zumindest bis 2020 gesichert.

Der Regierungsrat erwartet, dass die die Zahl der zu schliessenden Poststellen im Rahmen der anstehenden Verhandlungen mit den Gemeinden deutlich reduziert werde, heisst es in einer Medienmitteilung vom Freitagmorgen.

Der Regierungsrat fordert die Schweizerische Post auf, «den betroffenen Gemeinden die Möglichkeit zu geben, ihre Vorschläge und Vorstellungen einzubringen, bevor Schliessungsentscheide gefällt werden». Dabei sei wichtig, dass nicht nur die Standortgemeinden in den Dialog einbezogen werden, sondern auch die umliegenden Gemeinden, die infolge einer bereits früher erfolgten Aufhebung ihrer Poststelle, beziehungsweise deren Umwandlung in eine Agentur, auf die Dienstleistungen in einer Nachbargemeinde angewiesen seien.

Und Hofmann macht klar: «Auf die Schliessung von Poststellen, denen für eine ganze Talschaft oder Region eine wichtige Bedeutung zukommt, ist zu verzichten.»

Weiter schreibt der Regierungsrat: «Die Post hat aufzuzeigen, wie bei einer Schliessung einer Poststelle die Bedürfnisse des Gewerbes abgedeckt werden können, namentlich auch bezüglich des Umgangs mit Massensendungen und eingeschriebenen Postsendungen.»

Ein Service Public mit einer hohen Netzdichte an postalischen Angeboten sei ein wichtiger Standortfaktor für den Wirtschaftsstandort Aargau, betont Hofmann. Gerade für die Entwicklung des ländlichen Raums als attraktiver Wohn- und Arbeitsplatzstandort sei ein tragfähiges Poststellennetz von grosser Bedeutung.

SP attackiert Post: Alles viel schlimmer

«Mit Schönrederei hat heute die Post ihre Planung für den Aargau kommuniziert», kritisiert die SP Aargau in einer Mitteilung. "Unser Kanton verliert mehr als die Hälfte der Poststellen!"

Einmal mehr sei "die verfälschte Kommunikation der Post auf das Schärfste zu verurteilen", so die SP.

"Mit aller Vehemenz" werde sich die SP Aargau gegen diesen Abbau wehren. "Wir sammeln mit grossem Erfolg im ganzen Kanton Unterschriften gegen die Pläne der Post. Diese Woche hat unter anderem die SP Aarau 3500 Unterschriften der Stadtpräsidentin übergeben."

Syndicom: "Post ignoriert Nationalrat"

"Entscheide der Politik werden offensichtlich von der Post ignoriert", kritisiert die Gewerkscahft Syndicom. Der Nationalrat habe am 30.Mai eine Motion verabschiedet, welche die aktuellen Schliessungsabsichten verunmöglichen würde, schreibt die Gewerkschaft in einer Mitteilung. Zudem betreibe die Post mit den Auslagerungen der Postdienstleistungen in Agenturen Lohndumping.
Die Gemeinden und die Kantone seien gut beraten, sich "vehement gegen den Abbau zur Wehr zu setzen", findet die Gewerkschaft und schlägt einen Boykott vor: "Es gilt dabei, die Gespräche mit der Post erst dann weiterzuführen, wenn das Postgesetz revidiert worden ist. Nur so kann verhindert werden, dass man nicht vor vollendete Tatsachen gestellt wird."

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