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Regierungsrat Brogli: «Früher hat man weniger auf den Mann gespielt»

Regierungsrat Roland Brogli am Mittwoch in seinem Büro.

Regierungsrat Roland Brogli am Mittwoch in seinem Büro.

Der langjährige Aargauer Regierungsrat Roland Brogli tritt bei den Wahlen im Herbst dieses Jahres nicht mehr an. Der 64-jährige CVP-Politiker war seit 2001 Finanzdirektor. Im Interview sagt er, warum er sich zu diesem Schritt entschieden hat.

Herr Brogli, wann haben Sie sich entschieden, im Herbst nicht mehr zur Wahl als Regierungsrat anzutreten?

Roland Brogli: Diesen Entscheid habe ich in den letzten zwei Monaten getroffen, dann mein Umfeld und meine Partei informiert und heute die Öffentlichkeit. Es ist mir nicht leicht gefallen, aber ich bin überzeugt, dass nach 16 Jahren ein Wechsel gut tut, eine neue Person, die neue Ideen einbringt.

Sind Sie nach 16 Jahren als Finanzdirektor amtsmüde geworden?

Nein, auf keinen Fall, ich habe mein Amt immer mit viel Herzblut ausgeübt und tue dies auch heute noch. Ich mag die politische Auseinandersetzung und stelle mich dieser gerne, aber für mich ist jetzt einfach der richtige Zeitpunkt gekommen, um mich aus der aktiven Politik zu verabschieden.

«Die Privat-Audienz im Vatikan vergesse ich nicht so schnell»: Roland Brogli blickt zurück – und in seine Zukunft als Pensionär.

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Sie waren zuletzt der bestgewählte Regierungsrat – hat die CVP nicht versucht, Sie zum Weitermachen zu überreden?

Natürlich gab es Leute, die das gerne gesehen hätten, aber irgendwann muss man auch persönlich entscheiden, ohne allfällige Interessen der Partei im Auge zu haben.

Sie haben als Finanzdirektor goldene Zeiten mit Überschüssen erlebt, zuletzt mussten Sie zwei Sparpakete schnüren – würden Sie nicht lieber mit einem Überschuss abtreten?

Das würde nach aussen vielleicht besser wirken, für mich ist das aber nicht entscheidend. Ich habe übrigens kurz nach meinem Amtsantritt auch finanziell schwierige Zeiten durchlebt, im Jahr 2003 gab es zum Beispiel auch schon Entlastungsmassnahmen.

In den Spardebatten wurden Sie von links zum Teil stark kritisiert, es gab auch persönliche Angriffe wie den „Bschiisser-Brogli“ – hat das zu Ihrem Entscheid beigetragen?

Wenn man Finanzdirektor ist, gehört Kritik von politischen Gegnern zum Geschäft. Es ist aber schon so, dass früher weniger auf den Mann gespielt wurde. Beeinflusst hat dies meinen Entscheid nicht, ich habe immer versucht, für den Kanton und seine Bevölkerung das Beste zu erreichen. Dass der Weg zu diesem Ziel nicht allen gefällt, bringt meine Funktion mit sich.

Was würden Sie rückblickend als ihren grössten Erfolg bezeichnen?

Die Umsetzung meiner finanzpolitischen Strategie mit den drei Pfeilern: ein ausgeglichener Staatshaushalt, der Abbau der Kantonsschulden und eine moderate Steuerbelastung macht den Aargau heute zu einem sehr attraktiven und wettbewerbsfähigen Kanton.

Vor knapp einem Jahr hat das Volk Ihr Sparpaket abgelehnt – war dies der grösste Misserfolg?

Ja, das war sicher ein Misserfolg, aber diesen Volksentscheid gilt es zu respektieren. Möglicherweise war es falsch, die Massnahmen in einem Gesamtpaket vorzulegen. Ebenfalls nicht gelungen ist die Rechtsformänderung der Aargauischen Kantonalbank.

Was steht für Sie als Finanzdirektor im letzten Amtsjahr noch an?

Der nächste Aufgaben- und Finanzplan für die kommenden vier Jahre, der sicher nicht einfacher wird mit der momentanen Wirtschaftslage. Dann auch das Ziel, die Staatsfinanzen im Gleichgewicht zu halten. Und die Umsetzung der Unternehmenssteuerreform III. Diese will der Bund 2017 in Kraft setzen, ich möchte im Aargau aber jetzt schon Vorbereitungen treffen, um mögliche Steuerausfälle auszugleichen. Schliesslich laufen die Arbeiten am neuen Lohnsystem für das Kantonspersonal.

«Bücher und die weite Welt»: Der Aargauer Finanzdirektor Roland Brogli sagt, weshalb er aufhört, und was er in Zukunft machen will.

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Wen wünschen Sie sich als Nachfolger und welchen Ratschlag geben Sie ihm?

Ich äussere mich nicht zu Namen von möglichen Nachfolgern, für die Auswahl hat die Partei ein Verfahren definiert. Ich bin überzeugt, dass es in der CVP einige geeignete Persönlichkeiten gibt. Ratschläge werde ich meinem Nachfolger ganz sicher nicht erteilen, das ist nicht mein Stil.

Wenn es um Ihre Nachfolge geht, ist immer wieder der Name von Markus Dieth zu hören…

Er wäre sicher ein guter Kandidat, nach seinem Jahr als Grossratspräsident im Kanton auch bekannt – aber wie gesagt: Es gibt sicher diverse valable Personen.

Was werden Sie vermissen, wenn Sie nicht mehr Regierungsrat sind?

Ich habe immer gerne für das Wohlergehen des Kantons die Verantwortung übernommen und mochte die Herausforderung, die Entwicklung des Kantons mitzugestalten. Auf jeden Fall vermissen werde ich die politische Auseinandersetzung, das habe ich immer als sehr spannend und anregend empfunden. Aber auch die vielen Kontakte mit der Bevölkerung, die man als Regierungsrat hat.

Und auf was freuen Sie sich am meisten?

Ich möchte gerne mehr reisen, durch die Schweiz und durch Europa. Und ich freue mich darauf, weniger fremdbestimmte Termine zu haben.

«So lange der Wurm drin ist, ist alles gut»: Die besten Statements mit Regierungsrat Brogli aus dem Archiv.

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