Staatsvertrag
Regierungsrat Beyeler: «Die Surbtalroute hat ihre Berechtigung»

Regierungsrat Peter Beyeler erklärt im Interview, warum er es gut findet, dass nun ein Staatsvertrag mit Deutschland vorliegt, warum er gegen den gekröpften Nordanflug ist und warum er die Surbtalroute verteidigt.

Mathias Küng
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Der ehemalige Baudirektor Peter C. Beyeler

Der ehemalige Baudirektor Peter C. Beyeler

Emanuel Freudiger

Herr Beyeler, es gibt schon viele kritische Stimmen zum Staatsvertrag mit Deutschland. Hat er Chancen? Zürich könnte ihn ja indirekt und das Volk national direkt über ein Referendum bodigen.

Peter C. Beyeler: Ich finde es gut, dass nun nach jahrelanger Diskussion ein Staatsvertrag mit Deutschland vorliegt. Er setzt die Rahmenbedingungen. Jetzt geht es darum, den innerschweizerischen Luftverkehr fair aufzuteilen. Das wird sicher ein aufwendiger Prozess. Darum wäre es falsch, ohne weitere Abklärungen sofort Position zum Staatsvertrag zu beziehen. Es lässt sich noch nicht sagen, ob eine Pistenverlängerung in einer Volksabstimmung im Kanton Zürich Erfolg hätte oder nicht.

Zuschriften mancher Leserinnen und Leser klingen recht resignativ. Motto: Der Aargau trägt schon so viele Aufgaben, er kriegt gewiss auch noch den zusätzlichen Lärm.

Für so eine Stimmung gibt es keinen Grund. Der Aargau liegt in der Metropolitanregion Zürich. Das bringt uns Vor-, aber auch Nachteile. Tatsächlich hat der Aargau bereits heute 80000 Überflüge bei den Starts. Diese Zahl steigt infolge des zunehmenden Flugverkehrs unabhängig vom Staatsvertrag. Jetzt gilt es für uns, eine faire Verteilung des Flugverkehrs – Landungen und Starts – anzustreben und mit guten Argumenten zu verhindern, dass der gekröpfte Nordanflug kommt.

Sie bezeichnen diesen als schlechte Lösung, nicht nur, weil er für das Surbtal eine inakzeptable Doppelbelastung brächte. Warum?

Die zusätzlichen Landungen durch den Staatsvertrag werden mehrheitlich von Süden und von Osten her aufgefangen werden müssen. Aber sicher nicht via gekröpften Nordanflug! Er ist ja auch nicht Gegenstand des Staatsvertrags. Der Staatsvertrag besagt nur, dass der gekröpfte Nordanflug als innerschweizerisches Flugelement nicht ausgeschlossen ist. Wir werden gegen die Einführung dieses Anflugs kämpfen. Ich weiss auch, dass die Swiss ihn nicht gern sieht.

Warum ist er eine schlechte Lösung?

Es ist kein so sicherer, kein so guter, kein so einfacher Anflug wie ein gerader Anflug. Deshalb ist er eine schlechte Lösung. Er nimmt dem Flughafen Kapazitäten weg – und wäre auch weniger robust. Konsequenterweise hat er schon aus rein betriebstechnischen Gründen keinen Platz.

Und aus Aargauer Sicht?

Der gekröpfte Nordanflug mit Anflügen vor 6 Uhr wäre zusammen mit der Surbtalroute mit Anflügen bis 23.30 Uhr für die Bevölkerung nicht zumutbar. Denn damit hätte diese eine Doppelbelastung mit den spätesten Abflügen am Abend und den frühesten Landungen am Morgen. Das ist inakzeptabel.

Versteht dies Bundesbern auch so oder sagt man sich dort, im Surbtal wohnen relativ wenig Leute, also sollen sie den Zusatzlärm schlucken?

Es gibt solche Stimmen. Sie leiten dies ab aus der Umweltgesetzgebung, wonach möglichst wenig Menschen belastet werden sollen. Ein weiterer Grundsatz besagt aber auch, dass man nicht vergleichsweise wenige Menschen zugunsten der Verschonung einer grossen Anzahl Menschen sehr viel stärker belasten darf. Es geht nicht an, zu sagen, Räume mit wenigen Menschen sollen alle Lasten tragen und solche mit vielen Menschen keine.

Der Aargau bot Hand für die Surbtalroute, auf dass der gekröpfte Nordanflug gestrichen wird. Er geistert aber immer noch herum. War es nicht ein Fehler, dem Bund hier den kleinen Finger zu geben?

Nein, die Surbtalroute hat ihre Berechtigung. Die Flieger starten nachts Richtung Norden. Ein Teil dreht dann nach Osten ab, der grosse Teil aber nach Westen. Letztere sollen gerade wegfliegen und nicht über dem Mutschellen abdrehen müssen. Das ist vernünftig und richtig. Ohne Surbtalroute wäre die Lärmbelastung auf dem Mutschellen – einem wichtigen Aargauer Entwicklungsgebiet – grossräumig ganz massiv.

Andere Kantone könnten da von St.-Florians-Politik reden.

Ihnen würde ich gern anbieten, die 105000 Überflüge bei den Landungen und die 80 000 Überflüge bei den Starts über dem Aargau zu übernehmen. Dann könnte man wieder diskutieren. Faktum ist: Der Aargau ist nach dem Standortkanton Zürich am zweitmeisten, die anderen Kantone sind weit weniger mit Fluglärm belastet.

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