Rund 80 Gäste und Redner haben sich am Donnerstagmorgen im Hightech Zentrum Aargau in Brugg eingefunden, um über die Energiezukunft der Schweiz zu sprechen. Eine Zukunft ohne Atomkraftwerke. «Wir leben in einer spannenden Zeit für die Energie, und das nicht nur, weil wir Ende Jahr eine neue Energieministerin haben werden.» Mit diesen Worten eröffnete Moderator Rolf Schmid die Tagung, an der verschiedene Fachspezialisten und Forscher aus der Energie- und Hochschulbranche unter dem Titel «Energiezukunft zwischen Mythos und Realität» referierten.

Mit Fokus auf die neuen erneuerbaren Energien und mit Weitblick auf die Energiestrategie 2050 reichten die Themen von der Langfristspeicherung des Stroms zur Solarenergie über Cyberangriffe auf Infrastrukturen bis hin zum elektrischen Luftverkehr.

Attiger spricht Probleme an

Als Referent eingeladen war auch Regierungsrat und Vorsteher des Departements Bau, Verkehr und Umwelt Stephan Attiger. Er beleuchtete die Chancen und Risiken der Energiezukunft aus Aargauer sicht.

«Die Energiestrategie 2050 ist für mich keine Wende, sie ist ein Ausstieg aus der Kernenergie» sagte Stephan Attiger. Es gelte, die Atomenergie zu ersetzen, dabei baue der Kanton Aargau vor allem auf Wasserkraft und auf die neuen erneuerbaren Energien. «Die Wasserkraft ist der grosse Rückhalt, den wir haben, und die erneuerbaren Energien, müssen in die Lücke springen.»

Gleichzeitig zeigte er das grosse Problem auf: «Die Wasserkraftproduktion ist im Winter tief. Man müsste Investitionsanreize schaffen, damit man die bestehenden Wasserkraftwerke so ausrüsten könnte, dass die Energieproduktion erhöht werden kann.» Doch der ökonomische Anreiz fehle. Auch der, in erneuerbare Energien zu investieren. «Deshalb hinken wir hinterher». Viele Schweizer Firmen investierten lieber ins Ausland.

Moderator Rolf Schmid wollte von Attiger wissen, ob ihm der Verlust der Atomenergie als Regierungsrat Bauchschmerzen verursache, kämen Unternehmen wie die Axpo doch ins Strudeln. «Was mir am meisten Bauchschmerzen bereitet, ist, dass sich heute Investitionen in eine vernünftige Stromproduktion nicht auszahlen», wiederholte Attiger. Es bestehe politischer Handlungsbedarf: «Die Energiedirektorenkonferenz muss in der nationalen Politik eine aktive Rolle einnehmen und sich einbringen.» Schliesslich sei es die Politik, die die Rahmenbedingungen mache.

Trotzdem zeigte sich Stephan Attiger im Hinblick auf die Energiestrategie 2050 zuversichtlich: «Wir haben europaweit nirgends so ein konzentriertes Know-how wie im Kanton Aargau. Mit dem Paul-Scherrer-Institut, der ABB und den Fachhochschulen. Ich bin überzeugt, dass wir in Zukunft auf Speichertechniken setzen können.» Das sei eine grosse Chance.

«Es gibt noch vieles zu tun»

Andreas Pautz, der Head of Nuclear Energy and Safety Division am Paul-Scherrer-Institut, zeigte in seinem Vortrag auf, was der Schweiz trotz beschlossenem Ausstieg aus der Atomenergie bevorsteht. Eine der zentralen Herausforderungen der Energiestrategie 2050 sei der nukleare Kompetenzerhalt. Sprich: Es brauche auch in Zukunft ausgebildete Leute die wissen, wie man die bestehenden Schweizer Atomkraftwerke über mindestens die nächsten 30 Jahre betreibt und wie man den Rückbau und die Entsorgung durchführt. «Es gibt noch viel zu tun. Es ist eine komplexe Generationenfrage, egal, wie Sie zur Kernenergie stehen». Es sei deshalb wichtig, dass man weiterhin Forschung betreibe.

Nachwuchsprobleme

Andreas Pautz verurteilte die Stimmungsmache gegen die Atomenergie im Hinblick auf den Rückbau: «Man muss den Leuten klarmachen, dass das jetzt halt gemacht werden muss, ohne Diskussion.» Ihm sei bewusst, dass es keine sexy Aufgabe sei, den Müll zu beseitigen. Es sei auch schwer, junge Leute dafür zu begeistern. «Ich leite den Studiengang und wir haben kaum Studenten aus der Schweiz.»