Niederwil

Regierung sagt Nein zur Tankstelle auf grüner Wiese

Blick vom Kreisel auf die von Niederwil vorgeschlagene Einzonung im Gebiet Fändler.

Blick vom Kreisel auf die von Niederwil vorgeschlagene Einzonung im Gebiet Fändler.

In Niederwil war eine Überbauung von 2,4 Hektaren geplant. Diese kann aber nun nicht realisiert werden: Der Aargauer Regierungsrat verbietet die Umnutzung des Kulturlandes, das «Teil der hochwertigen Reusslandschaft» sei.

Der steigende Verlust von Grünflächen und die Zersiedlung führen zu hitzigen Diskussionen, in der Bevölkerung wie im Parlament. Weil das Wachstum zusätzliche Flächen beansprucht, hat die Regierung bisher sinnvolle Einzonungen befürwortet. Im Fall von Niederwil ist jetzt Schluss damit: Der Regierungsrat sagt Nein zur Einzonung von 2,4 Hektaren Landwirtschaftsland im Gebiet Fändler.

Die Parzellen liegen am Kreisel Richtung Gnadenthal, auf einem Teil wurde früher Material abgebaut, aber jetzt ist es landwirtschaftlich bestens nutzbar. Auf der nördlich angrenzenden Bauzone hat es einen Kies- und Schuttlagerplatz mit einem Autooccasionshandel.

Viele Gründe für die Ablehnung

Der Grosse Rat hat die Gesamtrevision Nutzungsplanung Niederwil im Sommer 2009 genehmigt, aber die Einzonung Fändler zurückgewiesen. Statt über die Bücher zu gehen, bringt die Gemeinde jetzt eine von 1,2 auf 2,4 Hektaren verdoppelte Einzonung. Davon sollen 1,0 Hektaren in eine Arbeitszone, 0,6 Hektaren in die Gewerbe- und Industriezone ein- und 0,8 Hektaren einer Grünzone zugeteilt werden.

Ende des letzten Jahres verfügte Niederwil noch über 13,4 Hektaren Bauzonenreserven. Mit der Schaffung von zusätzlichen Reserven würde «das bereits heute beeinträchtigte Landschafts- und Ortsbild weiter abgewertet», sagt die Regierung. Das Gebiet sei Teil der hochwertigen Reusslandschaft.

Tankstelle mit Shop geplant

Der Grundeigentümer will neben dem Kreisel eine Tankstelle mit Shop erstellen, wie das vielerorts – zum Nachteil der Landschaft – modern geworden ist. Nötig sei das, um die Tankstelle und Ausstellungsfläche in Nesselnbach verlegen zu können. Die Tankstelle selber würde mit Shop und Waschplätzen zwar nur 0,36 Hektaren beanspruchen. Aber der Standort widerspricht laut Regierung dem Baugesetz, dem Richtplan und dem regionalen Konzept Siedlung und Verkehr. Gegenüber dem Gemeindehaus und der Kirche, also mitten im Zentrum, seien Einkaufen und Dienstleistungen besser platziert, steht in der Botschaft. Ein dezentral gelegener Tankstellenshop «läuft dem öffentlichen Interesse zuwider, die Bedeutung des Dorfzentrums nicht weiter abzuwerten».

Verlust von Fruchtfolgeflächen

Die Tankstelle an der Kantonsstrasse in Nesselnbach liege tatsächlich an einem ungünstigen Standort, räumt die Regierung selber ein. Aber es bestehe kein allgemeines Interesse, «in der freien Landschaft eine weitere Tankstelle und einen Shop zu erstellen». Eine Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr sei hier nicht möglich, im Gegensatz zu den vorhandenen Zonen für Einkaufsnutzungen. Ein weiteres Argument ist der Verlust von Fruchtfolgeflächen, im Fall von Niederwil geht es um 1,62 Hektaren. Die Raumplanung gibt den Kantonen die Vorgabe, bei Einzonungen grosse Zurückhaltung zu üben. Die Erhaltung von wertvollem Kulturland deckt sich zwangsläufig mit dem Kampf gegen die grassierende Zersiedlung.

Schutz der Landschaften

Die von der Gemeinde gewünschte Neueinzonung gehört zu einem Gebiet des Bundesinventars schützenswerter Landschaften und Naturdenkmäler (BLN). Gegen die Reuss hin ist im Richtplan auch eine Landschaft und ein Naturschutzgebiet von kantonaler Bedeutung enthalten. Als Fazit beantragt die Regierung dem Parlament, «die von der Gemeinde Niederwil beschlossene Vorlage nicht zu genehmigen». Heftige Diskussionen zeichnen sich schon ab. Gerne wird dabei auch die Gemeindeautonomie und Gewerbefreiheit ins Feld geführt.

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