Regierungsratswahlen

Regierung ohne Frau? «Eigentlich darf das heute nicht mehr sein»

Die Podiumsteilnehmer vor der alten Kirche in Würenlos (v.l.): Alex Hürzeler, Franziska Roth (beide SVP), Maya Bally (BDP), Urs Hofmann (SP), Robert Obrist (Grüne), Ruth Jo. Scheier (GLP), Stephan Attiger (FDP) und Markus Dieth (CVP). Yvonne Feri (SP) fehlt auf dem Hauptbild, da sie wegen der Parlamentssession in Bern verspätet eintraf.

Die Podiumsteilnehmer vor der alten Kirche in Würenlos (v.l.): Alex Hürzeler, Franziska Roth (beide SVP), Maya Bally (BDP), Urs Hofmann (SP), Robert Obrist (Grüne), Ruth Jo. Scheier (GLP), Stephan Attiger (FDP) und Markus Dieth (CVP). Yvonne Feri (SP) fehlt auf dem Hauptbild, da sie wegen der Parlamentssession in Bern verspätet eintraf.

Wer tritt die Nachfolge von Susanne Hochuli (Grüne) und Roland Brogli (CVP) an? Dieser und weiteren Fragen gingen drei Regierungsräte und sechs Kandidaten in Würenlos nach.

Es ist ein Kunststück, wenn man sowohl die drei Regierungsräte als auch die sechs aussichtsreichsten Kandidaten für die beiden freiwerdenden Sitze in der Aargauer Exekutive am selben Abend auf ein Podium bekommt. Gelungen ist dies den Würenloser Ortsparteien SVP, FDP und CVP.

Die Diskussion in der gut besetzten alten Kirchen verlief bisweilen heiter – und in einem Punkt waren sich alle neun Politiker einig: Wären sie Amerikaner, würden sie Donald Trump niemals wählen. Acht würden für Hillary Clinton stimmen, und SVP-Regierungsrat Alex Hürzeler sagte: «Ich würde weder Trump noch Clinton wählen, sondern einen der unabhängigen Kandidaten.» Die erste Frage ging an die wiederkandidierenden Regierungsräte.

Herr Attiger, Sie sind seit vier Jahren Regierungsrat. Welchen Tipp geben Sie den Neuen?

Stephan Attiger (FDP): Das Wichtigste ist, sich selber zu bleiben: Als Person, aber auch was die eigenen Überzeugungen betrifft. Denn mit dem Amt ändert sich eines ganz entscheidend: Man ist nicht mehr Herr über die eigene Agenda. Darum ist wichtig, dass man bewusster plant – wichtige private Termine trage ich oft drei bis sechs Monate im Voraus ein.

Herr Hofmann, ist es als Regierungsrat möglich, jeden Kindergeburtstag zu Hause zu erleben?

Urs Hofmann (SP): Ich wurde erst in den Regierungsrat gewählt, als meine Kinder so alt waren, dass sie froh waren, wenn der Vater nicht dabei war (lacht). Meine Frau und ich blockieren regelmässig Wochenenden von Freitagabend bis Sonntag, wo wir etwas unternehmen. Familie und Freunde – das ist das Wichtigste, denn das ist alles, was bleibt, wenn man nicht mehr Regierungsrat ist.

Herr Hürzeler, Ihr Rat an die Neuen?

Alex Hürzeler (SVP): Der private Ausgleich ist entscheidend. Wichtig ist auch die Bereitschaft, zuzuhören. Man weiss vieles nicht, wenn man in die Regierung kommt: Es gibt neue Themen und Dossiers. Das muss man sich eingestehen und interessiert sein, von anderen zu lernen. Und zwar nicht nur durch Aktenstudium, sondern vor allem durch Gespräche.

Frage an die Kandidaten: Was ist das grösste Problem des Kantons Aargau, das die Politik angehen sollte?

Franziska Roth (SVP): Die Asyl- und Ausländerpolitik. Die Bürger fühlen sich nicht mehr sicher. Es hat sehr viele Asylanten bei uns und die Aargauer Regierung müsste in Bern Druck machen: Die Schweiz müsste aus sicheren Drittstaaten eigentlich gar niemanden reinlassen.

Ruth Jo. Scheier (GLP): Wir müssen unseren Kanton zukunftstauglich machen. Zum Beispiel dafür sorgen, dass die Wirtschaft fit ist für die vierte industrielle Revolution. Mit dem Hightechzentrum sind wir auf gutem Weg – es hat aber auch mit guter Steuerpolitik zu tun.

Maya Bally (BDP): Die grösste Herausforderung sehe ich in der nachhaltigen Sanierung des Haushalts. Wir müssen von der Salami-Taktik wegkommen. Entscheidend ist, dass wir ausgewogene Bedingungen haben, die den Wirtschaftsstandort und Lebensraum Aargau attraktiv und innovativ machen.

Markus Dieth (CVP): Wir sollten nicht immer alles schlecht reden. Unser Kanton steht sehr gut da. Wir haben ein Triple-A. Der Aargau hat sich vom Kanton der Flüsse und Schlösser zu einem starken Wirtschaftskanton entwickelt. Probleme gibt es immer, aber die Regierung hat in den letzten acht Jahren bewiesen, dass man den Aargau vorwärtsbringen kann.

Robert Obrist (Grüne): Das tönt für mich nach Besänftigung. Ich mache mir Sorgen – weil der Kanton mit seinen Beteiligungen an der Axpo und dem AEW jeden Tag eine Million Franken verliert. Die Energiepolitik ist für den Aargau zentral: Wie packen wir den Atomausstieg an und wie gehen wir allenfalls mit einem Tiefenlager um, wenn dieses kommen sollte.

Bundesbern hat den Atom-Ausstieg beschlossen. Die grüne Atomausstiegs-Initiative will aber, dass die AKW früher abgeschaltet werden. Stimmen Sie Ja oder Nein?

Markus Dieth: Nein.

Stephan Attiger: Initiative Nein, Ausstieg Ja.

Franziska Roth: Ich bin gegen die Initiative und auch gegen den Atomausstieg.

Urs Hofmann: Der Regierungsrat hat die Abstimmungsempfehlung beschlossen: Nein.

Und was sagt der Sozialdemokrat Urs Hofmann?

Urs Hofmann: Der Regierungsrat sagt Nein (lacht).

Alex Hürzeler: Mir fällt die Antwort leicht: Nein (lacht).

Robert Obrist: Ja – und den Platz freimachen für die erneuerbaren Energien.

Yvonne Feri (SP): Ja, wir sollten so schnell wie möglich aus der Atomenergie aussteigen.

Ruth Jo. Scheier: Ja.

Maya Bally: Nein.

Ausländerthemen haben die letzten vier Jahre national und auch kantonal dominiert – und das dürfte sich kaum ändern. Eine ganz einfache Frage, bitte mit Ja oder Nein beantworten: Hat es im Aargau zu viele Ausländer?

Markus Dieth: Nein.

Maya Bally: Nein.

Stephan Attiger: Integrierte Ausländer haben wir nicht zu viele – nicht-integrierte aber schon.

Urs Hofmann: Nein. Denn wir sind daran, diejenigen zu integrieren, die noch nicht integriert sind.

Alex Hürzeler: Ja. Darum müssen wir sie besser integrieren.

Ruth Jo. Scheier: Nein. Unsere Gesellschaft ist genug stark, um mit diesem Anteil umzugehen.

Franziska Roth: Wir haben sicher viele Ausländer, aber entscheidend ist die Frage der Integration.

Robert Obrist: Nein.

Yvonne Feri: Nein, wir haben nicht zu viele Ausländer und auch nicht zu viele Ausländerinnen.

Gibt es im Aargau genug Polizisten?

Yvonne Feri: Nein, wir dürften noch etwas mehr haben.

Robert Obrist: Nein. Die Bevölkerung wächst, es wird mehr brauchen.

Alex Hürzeler: Ja, ich bin überzeugt, wir haben genug – ich wünsche mir an sich immer mehr, das ist bei den Lehrern dasselbe.

Franziska Roth: Wir könnten mehr Polizei brauchen.

Wie sieht es der Polizeidirektor?

Urs Hofmann: Wir haben das gesetzliche Ziel – 1 Polizist auf 700 Einwohner – erreicht. Die weitere Entwicklung hängt von der Bevölkerungszahl ab.

Ruth Jo. Scheier: Dieses Ziel halte ich für richtig.

Stephan Attiger: Wir haben genug Polizistinnen und Polizisten, 1 zu 700 ist ein gutes Verhältnis.

Maya Bally: Ich kann mich dem nur anschliessen.

Markus Dieth: Wir sind im Aargau dank dem dualen System – Kantonspolizei und Regionalpolizei – gut aufgestellt.

Nach dem Rücktritt von Susanne Hochuli ist nicht auszuschliessen, dass die Regierung wieder aus lauter Männern besteht. Wäre das ein Problem?

Markus Dieth: In allen Gremien ist es besser, wenn sie aus Männern und Frauen bestehen. Dennoch stehen die Kompetenzen im Vordergrund.

Maya Bally: Es wäre unschön für den Kanton Aargau – eigentlich darf das heute nicht mehr sein.

Stephan Attiger: Ich habe so gern Frauen – ich wünsche mir eine Frau.

Welche?

Stephan Attiger (lacht): Ich bin nicht wählerisch.

Ruth Jo. Scheier: Frauen gehen Probleme anders an. Es braucht sie auch in der Regierung.

Urs Hofmann: Wir sind ein so vielfältiger Kanton, dass es auch in der Regierung Vielfalt braucht.

Franziska Roth: Ich sehe das gleich.

Alex Hürzeler: Fünf Frauen wären kein Problem, und mit fünf Männern wäre es auch machbar. Ich freue mich aber, wenn mich Franziska Roth begleiten wird.

Robert Obrist: Da bin ich, mit Ausnahme des letzten Satzes, mit Alex einig.

Ein Grüner als Lady-Killer?

Robert Obrist: Warum werde immer ich als das dargestellt? Markus Dieth wurde noch nie gefragt: Warum bist du keine Frau? (Alle lachen)

Yvonne Feri: Wenn ich so in die Runde schaue: Wir sind 4 Kandidatinnen. Zusammen mit Urs Hofmann wäre das ein Super-Gremium!

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1