Aargau
Regierung foutiert sich um Atommüll auf dem Meeresgrund

Bis 1983 wurde Aargauer Atomabfall im Atlantik versenkt. In welchem Zustand sind diese Fässer heute? Die Regierung will das nicht prüfen lassen.

Aline Wüst
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Auf dem Grund des Atlantiks in einer Tiefe von 400 Metern liegen Fässer mit schwach- bis mittelaktivem Atommüll aus dem Aargau.

Auf dem Grund des Atlantiks in einer Tiefe von 400 Metern liegen Fässer mit schwach- bis mittelaktivem Atommüll aus dem Aargau.

© Greenpeace / Andrew Kerr

Auf dem Grund des Atlantiks in einer Tiefe von 400 Metern liegen Fässer mit schwach- bis mittelaktivem Atommüll aus dem Aargau. Sie stammen aus einer internationalen Versenkungsaktion. Versenkt wurden sie von 1969 bis 1983. Es sind insgesamt 7520 Fässer aus der Schweiz. Durch Intervention von Greenpeace-Aktivisten wurde diese Art der Entsorgung gestoppt. Die Fässer liegen allerdings noch heute auf dem Meeresgrund.

SP-Grossrat Martin Christen will Antworten vom Regierungsrat zu diesem «Riesenskandal», wie er sagt. Zum Beispiel will er wissen, wie viele dieser insgesamt 7520 Fässer aus dem Aargau stammen. Der Regierungsrat antwortet, dass sich aufgrund der ihm zugänglichen Informationen nicht erschliesse, wie gross der Anteil der atomaren Abfälle aus dem Kernkraftwerk Beznau 1 und 2 im Atlantik sei. Bekannt ist dafür, wie viel die Aktion kostete – genau 1 200 792 Franken. Der übrige Atommüll stammt aus Medizin, Industrie und Forschung.

Für den SP-Grossrat ist das keine zufriedenstellende Antwort: «Jedes Gramm atomarer Abfall muss doch ausgewiesen werden.» Der AKW-Kanton versuche mit allen Mitteln, solche Dinge zu vertuschen, und hülle sich in Schweigen, so Christen weiter.

Zum heutigen Zustand der Fässer weiss der Regierungsrat nichts. Er schreibt: Nach der Versenkung sei über mehrere Jahre ein internationales Überwachsungsprogramm mit Schweizer Beteiligung durchgeführt worden. «Dieses zeigte, dass die Versenkung zu keinen unzulässigen Strahlenbelastungen führte.»

Christen will wissen, ob der Regierungsrat sich dafür einsetzen wolle, dass die Betreiber des AKW Beznau auf eigene Kosten abklären lassen, in welchem Zustand sich die Fässer heute befinden. Der Regierungsrat sieht keinen Handlungsbedarf. Er verweist auf den Schlussbericht einer Überwachungsstudie, der besagt, dass die Versenkungsaktion zu «schwachen individuellen und kollektiven Strahlenbelastungen geführt hat». Nach dem Verbot von Versenkungen von Atommüll im Meer wurde die Überwachung aufgehoben.

Eingeständnis erwünscht

Grossrat Christen ist klar, dass es illusorisch wäre, die Fässer aus dem Meer zu bergen. «Das Verantwortungsbewusstsein sollte aber so weit gehen, dass der Zustand der Fässer überprüft wird.» Erhofft hatte Christen sich von seiner Interpellation auch, dass der Regierungsrat Stellung bezieht und eingesteht, dass diese Versenkungsaktion ein Riesenskandal gewesen sei. «Stattdessen habe ich nichtssagende Antworten erhalten.»

Der Regierungsrat lässt sich in seiner Beantwortung einzig abringen, dass aus heutiger Sicht eine Versenkung von radioaktiven Abfällen nicht mehr gerechtfertigt wäre.

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