Parallelversorgung

Rega gegen AAA-Heli: Jetzt fordern zwei Aargauer Grossräte Klarheit

FDP und SP ziehen bei der Luftrettung an einem Strick: Die Grossräte Ulrich Bürgi und Martin Brügger fordern die Regierung auf, endlich Klarheit zu schaffen.

FDP und SP ziehen bei der Luftrettung an einem Strick: Die Grossräte Ulrich Bürgi und Martin Brügger fordern die Regierung auf, endlich Klarheit zu schaffen.

Die Parallelversorgung durch die Rega und die AAA verunsichert. Für die Grossräte Ulrich Bürgi (FDP) und Martin Brügger (SP) gibt es Klärungsbedarf: Sie befürchten unter anderem, dass in naher Zukunft ein drittes Unternehmen in den Kanton dränge und die Konflikte deshalb zunehmen.

Vor fünf Jahren fällte die damalige Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli einen Entscheid, der bis heute zu reden gibt. 2013 erhielt neben der Rega auch die Alpine Air Ambulance (AAA) eine Bewilligung für die Luftrettung. Seither wird bei einem Notfall der gelbe AAA-Heli aufgeboten, wenn er verfügbar ist. Dank der Basis im Birrfeld ist er – ausser im unteren Fricktal – schneller vor Ort.

Die Rega wird aufgeboten, wenn der AAA-Heli bereits in der Luft ist, die Rega näher ist oder wenn eine Seilwinde benötigt wird. Die AAA-Helikopter sind nämlich nicht mit einer Seilwinde ausgerüstet. Zuletzt waren viele Aargauerinnen und Aargauer wegen der Parallelstrukturen verunsichert. Sie fragten sich, ob sich eine Rega-Gönnerschaft für sie überhaupt noch lohne. Denn die Rega übernimmt ungedeckte Kosten nur für Einsätze, die sie selber fliegt. Und das sind im Vergleich zum AAA-Heli nur noch wenige.

Für die beiden Grossräte Ulrich Bürgi (FDP) und Martin Brügger (SP) gibt es bei der Luftrettung Klärungsbedarf. Nicht nur, weil die Situation für Rega-Gönner unbefriedigend ist, sondern auch, weil die Kommerzialisierung zu einer Mengenausweitung geführt habe.

Letztes Jahr gab es im Aargau 222 Heli-Einsätze. So viele wie noch nie und mehr als viermal so viele wie 2005. Damals flog die Rega im Aargau 53 Einsätze. Es sei zudem nicht ausgeschlossen, dass in naher Zukunft ein drittes Unternehmen in den Kanton dränge und die Einsätze und damit verbundenen Konflikte weiter zunehmen. Im Kanton Zürich können neben der Rega und der AAA bereits Helikopter der Deutschen Luftrettungswacht aufgeboten werden.

Zulassung nach klaren Kriterien

«Es sollte in dieser Angelegenheit dringend Ruhe einkehren», schreiben die Grossräte in einer gemeinsamen Interpellation, die sie am 28. August im Grossen Rat einreichen werden. Einerseits soll für die beiden Rettungsunternehmen «Klarheit über die langfristige Strategie des Kantons» entstehen. Andererseits soll die Bevölkerung «uneingeschränkt Vertrauen in die Organisation und die Kompetenz in der Luftrettung» erhalten.

Die aktuelle Totalrevision des Spitalgesetzes bietet nach Ansicht der Grossräte eine gute Gelegenheit, die Rettungsversorgung im Aargau «langfristig, strukturell, organisatorisch und qualitativ zu sichern». In der Interpellation wollen sie von der Regierung deshalb wissen, ob die medizinische Luftrettung im neuen Spitalgesetz verankert wird. Ausserdem würden sie es begrüssen, wenn Luftrettungsunternehmen «künftig nach relevanten medizinischen, technischen und organisatorischen Kriterien ausgewählt und zugelassen werden».

Ulrich Bürgi sagt, er habe bis heute nicht herausgefunden, ob es damals einen fachlich fundierten Entscheid gab. «Auf jeden Fall hat es keine Vernehmlassung gegeben.» Bürgi und Brügger wollen weiter erfahren, ob die Luftrettung analog zu anderen Kantonen überkantonal koordiniert werden könnte. Als Beispiel führen sie die überkantonale Einsatzzentrale der Rega in Zürich auf.

Im Namen der Bevölkerung fragen die Grossräte, «wie die Finanzierung unabhängig vom Luftrettungsunternehmen gewährleistet werden kann». Hier wird sich das zuständige Departement Gesundheit und Soziales (DGS) wohl aus der Verantwortung ziehen. Letzte Woche sagte Mediensprecherin Karin Müller zu dieser Zeitung: «Es liegt in der Eigenverantwortung der Versicherten, die ungedeckten Rettungskosten, die auch bei bodengebundenen Einsätzen anfallen, entweder selber zu tragen oder mittels Zusatzversicherungen abzudecken.»

Doch nicht nur die Luftrettung stellen Bürgi und Brügger infrage. Sie wollen von der Regierung wissen, ob ein bodengebundenes Notarztsystem im Spitalgesetz verankert werde. Die Politiker erklären sich die Zunahme der Heli-Rettungen nämlich auch damit, dass in den Ambulanzen kein Notarzt mitfährt. Es komme deshalb vor, «dass Rettungssanitäter Helikopter anfordern, damit so ein Notarzt für medizinisch komplexe Fälle am Ereignisplatz eintrifft».

Für Bürgi, Chefarzt und Bereichsleiter Notfallmedizin am Kantonsspital Aarau, ist das unverständlich. «Im Aargau ist die Ambulanz sehr schnell vor Ort. Wäre ein Notarzt dabei, könnte die Anzahl der Heli-Rettungen wohl reduziert werden.» Dazu komme, dass der Notarzt, der im Heli mitfliegt, im Birrfeld warte, bis ein Heli aufgeboten werde. «Im Spital könnte ein Notarzt arbeiten, anstatt zu warten», so Bürgi.

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