Fernwärme
Refuna: Ein Holzkraftwerk allein reicht nicht aus

Ohne Kernkraft muss in der Zukunft auf andere Energiequellen ausgewichen werden. Versorgt dereinst ein Holzheizkraftwerk die Refuna-Kunden im Unteren Aaretal mit Wärme? Sollte eins gebaut werden, reicht dies aber noch nicht aus.

Mathias Küng
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Über diese Brücke führen die Refuna-Leitungen ab dem AKW Beznau.

Über diese Brücke führen die Refuna-Leitungen ab dem AKW Beznau.

Alois Felber

Wie werden die 2600 Kunden des Fernwärmenetzes Refuna im unteren Aaretal mit Wärme versorgt, wenn dereinst die Kernkraftwerke Beznau I und II altershalber vom Netz müssen? Vor Fukushima hoffte Refuna-Verwaltungsratspräsident Kurt Müller auf Beznau III. Doch nach Fukushima ist in der Schweiz alles anders. Die Refuna muss mit Blick auf die vom Bund angestrebte Energiewende Alternativen prüfen.

Bereits im Sommer berichtete die az, dass sich Theo Kern, Geschäftsführer des Aargauischen Waldwirtschaftsverbandes (AWV), als Ersatz im unteren Aaretal ein Holzheizkraftwerk wünscht. Jetzt hat sich der AWV-Vorstand bei einem Refuna-Besuch die Anforderungen zeigen lassen. AWV-Präsidentin und SVP-Grossrätin Vreni Friker bekräftigt in einem gemeinsamen Communiqué: «Die Refuna braucht einen erneuerbaren Energieträger und wir könnten die Hackschnitzel dafür aus dem Wald liefern. Eine klassische Win-win-Situation.»

Im Hochwinter auch Strom?

Für die Refuna selbst ist noch völlig offen, wie dereinst die von Beznau I und II gelieferte Wärme ersetzt werden soll. Die Ansprüche sind hoch. Kurt Müller: «Heute haben wir eine sehr komfortable Situation. Wir können jederzeit und absolut verlässlich zwischen 0 und 100 Prozent Wärme beziehen. Mit Beznau III wäre es wieder so gewesen.» Doch was macht die Refuna jetzt? Müller: «Neben der Wärme aus Geothermie und weiteren Quellen spielt die Wärme aus Holzschnitzeln eine wichtige Rolle bei den Überlegungen zu den zukünftigen Energieträgern.» Die Organisationen wollen deshalb Möglichkeiten und Grenzen eines Holzheizkraftwerks für Refuna gemeinsam prüfen.

Fest steht für Müller aber schon, «dass ein Holzheizkraftwerk allein nicht reichen würde». An vielleicht 10 Stunden pro Jahr benötige man bis maximal 80 Megawatt Wärme aufs Mal. Es lohne sich nicht, ein Holzheizkraftwerk, das zudem relativ träge auf Nachfrageveränderungen reagiert, auf solche Spitzenleistungen auszurichten. Es bräuchte so oder so mehrere Wärmequellen. Müller hofft auf CO2-freie Erdwärme, die man bei Bedarf abrufen oder sofort wieder stoppen kann. Möglich wären für Spitzenbelastungen im Hochwinter auch Gas oder Öl oder angesichts des subventionsgetriebenen Stromüberschusses in Deutschland Strom vom Markt. Grundsätzlich will die Refuna laut Müller künftig wie heute möglichst CO2-freie oder wenigstens CO2-neutrale Energie.

Kern: «Das ist unsere Chance»

AWV-Geschäftsführer Theo Kern stellt erfreut fest, «dass bei der Refuna nach Fukushima Holz als Ersatz für Beznau in die Überlegungen einbezogen wird und dass die Refuna weiterhin möglichst CO2-neutrale Energie will. Das ist unsere Chance.» Er sieht aber auch, dass es zur Abdeckung der Spitzenlast nebst einem Holzheizkraftwerk, das kleiner ausfallen dürfte als errechnet, weitere Energiequellen braucht. Jetzt habe man eine gute Grundlage, «um die Idealgrösse für ein Holzheizkraftwerk abzuschätzen».

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