Landeskirche

Reformierter will Gemeinden fürs Eintreiben der Steuern weniger zahlen

Die Kirchensteuern werden von den politischen Gemeinden eingezogen. Wie viel dieser Service kosten soll, ist bei den Reformierten umstritten. Im Bild die reformierte Kirche in Buchs.

Die Kirchensteuern werden von den politischen Gemeinden eingezogen. Wie viel dieser Service kosten soll, ist bei den Reformierten umstritten. Im Bild die reformierte Kirche in Buchs.

Die politischen Gemeinden ziehen im Auftrag der Landeskirchen die Kirchensteuern ein – und stellen den Service in Rechnung. In der reformierten Synode sorgen die Preise nun für Kritik. Ein Postulat fordert einheitliche Tarife im ganzen Kanton.

Glauben kostet nichts, einer Landeskirche angehören hingegen schon. Im Aargau werden Kirchenangehörige Jahr für Jahr zur Kasse gebeten. Die politischen Gemeinden sorgen dafür, dass die Kirchensteuern auf den Konten der Kirchgemeinden landen: Sie veranlagen, verrechnen, mahnen und betreiben im Auftrag der Kirchen. Dieser Service ist allerdings nicht gratis. Einen gewissen Prozentsatz der Einnahmen aus den Kirchensteuern fliesst in die Gemeindekassen. Die Entschädigungen sind verschieden, sie bewegen sich im Kanton Aargau zwischen drei und fünf Prozent des Steuerertrags. Oberentfelden etwa verrechnet der reformierten Landeskirche seit 2013 vier statt drei Prozent.

Unverständnis über Erhöhung

Zu viel, findet der Oberentfelder Synodale Reto Löffel. In seinem Postulat, das er an der gestrigen Synode der Reformierten Landeskirche eingereicht hat, schreibt er, die Erhöhung von 34 000 auf 45 000 Franken sei «nicht nachvollziehbar». Darin sehe er «eine gewisse Willkür». Deshalb fordert er den Kirchenrat auf, «dafür zu sorgen, dass die Landeskirche für alle Kirchgemeinden einen einheitlichen Entschädigungssatz aushandelt, der den tatsächlichen Kosten Rechnung trägt». Ausser Frage steht für Löffel, dass die Gemeinden angemessen entschädigt werden sollen: «Ich weiss ihre Dienstleistung zu schätzen.»

Der Kirchenrat nahm das Postulat gestern entgegen, äusserte sich aber zurückhaltend, da die Festlegung der Beträge in der Kompetenz der Kirchgemeinden und politischen Gemeinden liege. Die Rechtsgrundlage für eine kantonale Regelung fehle. Dennoch wird er das Anliegen prüfen.

Auf Gemeindeseite sieht man keinen Handlungsbedarf. Von einer Vereinheitlichung der Entschädigungen im ganzen Kanton hält Richard Schraner, Präsident des Verbandes der Finanzfachleute Aargauer Gemeinden, nichts. «Das wäre ein Einschnitt in die Gemeindeautonomie und würde kaum etwas bringen.» Zudem sei die Bandbreite sehr klein: «Die Prozentsätze sind schon jetzt fast gleich gross.»

Auch Würenlos will mehr Geld

Eine az-Umfrage zeigt: Die Mehrheit der politischen Gemeinden verrechnet den Kirchgemeinden vier Prozent der Steuereinnahmen. Wenige Gemeinden verlangen drei Prozent – darunter auch Würenlos, wo allerdings eine Erhöhung um einen Prozentpunkt zur Debatte steht. Im Sparpaket, das kommende Woche vor die Gemeindeversammlung kommt, ist ein erhöhter Entschädigungssatz vorgesehen: Statt 54 000 Franken würden so künftig jährlich rund 72 000 Franken in die Gemeindekasse fliessen.

In Oberentfelden werden die höheren Kosten damit begründet, dass die Gemeinde die Rechnung für die reformierte Kirche seit 2013 nicht mehr führt. Deshalb könnten gewisse Synergien nicht mehr genutzt werden. Zudem gehe es um Gleichberechtigung: Nun würde allen Landeskirchen der gleiche Ansatz verrechnet.

Einen Trend zur Erhöhung der Beiträge gebe es allerdings nicht, sagt Richard Schraner. Die Höhe der Beträge sei an vielen Orten über Jahre unverändert geblieben. Im Verband der Finanzfachleute Aargauer Gemeinden stehen die Bezugsentschädigungen derzeit nicht zur Debatte.

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