Neonazi-Alarm
Rechtsextreme feiern in Willisau – Veranstalter droht Anzeige – Aargauer machten Grosskontrolle

Ein Katz- und Mausspiel zwischen Polizei und Rechtsextremen endete schliesslich in Willisau, wo "privat" ein Konzert durchgeführt wurde. Die Rechtsextremen versammelten sich vorher in Rothrist, wo die Kantonspolizei Aargau rund 60 Personen kontrollierte.

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In diesem Lokal feierten die Neonazis ihr Konzert.
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PNOS-Konzert
Polizeikontrollen in Rothrist.
Polizeikontrollen in Rothrist.

In diesem Lokal feierten die Neonazis ihr Konzert.

Tele M1

Die rechtsextreme Partei Pnos hatte am Samstag mit einem Plakat zum Besuch eines Unterstützungskonzerts geworben. Der Treffpunkt sowie der Veranstaltungsort waren erst geheim.

Für die Kantonspolizei Aargau bestand aber Grund zur Annahme, dass dieses Konzert möglicherweise im Aargau stattfinden würde. Im Verlauf des Samstags verdichteten sich die Hinweise, dass sich die anreisenden Konzertbesucher in Rothrist treffen würden, um weitere Informationen zum eigentlichen Veranstaltungsort zu erhalten. «Wir hatten Kenntnis von entsprechenden Plänen. Wir dulden im Kanton Aargau kein Konzert von rechtsextremen Gruppierungen», sagte Polizeisprecher Bernhard Graser am Samstag.

Das Plakat, mit dem die rechtsextreme Partei Pnos zu einem Unterstützungskonzert aufruft

Das Plakat, mit dem die rechtsextreme Partei Pnos zu einem Unterstützungskonzert aufruft

Pnos

Die Pnos versammelte sich am Abend tatsächlich in Rothrist beim Möbel Hubacher. Die Kantonspolizei kontrollierte Personen, erfasste deren Personalien und überprüfte sie
im Fahndungssystem.

«Die Stimmung war friedlich und die Personen kooperierten», sagt Graser. Insgesamt wurden rund 60 Personen mit mutmasslich rechtsextremer Gesinnung kontrolliert, wie die Kantonspolizei am Sonntagmorgen mitteilt.

Die Kantonspolizei hat mehrere Verstösse gegen das Betäubungsmittel- und Waffengesetz festgestellt. Die Personen wurden daraufhin aus dem Kantonsgebiet weggewiesen worden. Gründe für Festnahmen gab es nicht. Die Polizei hob die Kontrollstelle noch am Abend wieder auf.

Konzert in Willisau

In Willisau fand das Konzert schliesslich statt. «Wir haben mit den Veranstaltern gesprochen und ihnen mitgeteilt, dass man unverzüglich einschreiten werde, sollte es zu Straftaten kommen», sagte Polizeisprecher Kurt Graf gegenüber «Blick».

Mindestens eine Anzeige werde es dennoch für die Veranstalter geben: Sie haben die Veranstaltung nicht bewilligen lassen.

Wieviele Rechtsextreme waren in Willisau vor Ort? „Die Veranstalter mieteten einen Raum nach eigenen Angaben für 180 Personen", sagt Kurt Graf, Sprecher der Luzerner Polizei auf Anfrage. "Nach unserer Beurteilung vor Ort war das Konzert gut besucht, wir gehen von rund 150 Konzertteilnehmern aus.“

Darum duldete die Luzerner Polizei das Konzert

Kurt Graf, Kommunikationschef der Luzerner Polizei sagt auf Nachfrage:

„Die Konzertveranstalter haben sich fair verhalten. Die Pnos ist eine legale Partei, es gilt die Versammlungsfreiheit. Wir hatten im Kanton Luzern im Vorfeld keine Vorfälle, die uns veranlasst hätten, die Situation als gefährlich einzustufen. Bei gesetzeswidrigen Handlungen wären wir sofort eingeschritten. Zum Beispiel wenn die angekündigte Band aus Italien oder der Rapper aus Deutschland aufgetreten wäre und Verstösse etwa gegen die Antirassismusstrafnom festgestellt worden wären. Wir haben alles Nötige getan und unter anderen den Mann mit der Einreisesperre angehalten und zurück an die Grenze begleitet.“

Polizei will Geburtstagsparty auflösen

In Sins kam es in diesem Zusammenhang am frühen Samstagabend zu einem Polizeieinsatz. Die Polizei ging davon aus, dass eine Geburtstagsparty ein möglicher Treffpunkt für das Neonazi-Konzert hätte sein können. Graser: «Der Mann war uns bekannt. Er hatte bereits vor einigen Jahren ein Konzert mit rechtsextremem Hintergrund organisiert.» Deswegen habe sich die Polizei entschieden, den Anlass in einem gemeindeeigenen Lokal zu verhindern.

Der Polizei stand bei diesem Einsatz ein Helikopter der Schweizer Armee zur Verfügung.

Deutscher Rapper im Wallis

Zudem gab es Meldungen aus dem Wallis: Dort soll die Kantonspolizei Hinweisen nachgehen, wonach der deutsche Rapper Julian Fritsch alias Makss Damage in Begleitung eines Dutzend Rechtsextremer in einer Bar gesehen worden sein soll.

Fritsch wurde 2016 wegen Volksverhetzung verurteilt. In seinen Texten ruft der deutsche Rapper zu Deportationen in Konzentrationslager auf und knüpft klare Verbindungen zum Nationalsozialismus. Der 28-Jährige ist zudem wegen der Verbreitung von gewaltpornografischen Schriften schuldig. (nim/dwi/ldu)