Es ist nur eine Vision. Noch ist unklar, wie genau die Aargauer Spitallandschaft im Jahr 2035 aussehen wird. Aber die Regierung hat im Anhörungsbericht zum totalrevidierten Spitalgesetz skizziert, welche Entwicklung sie anstrebt. In Zukunft sollen nicht mehr alle Leistungen flächendeckend angeboten werden.

Für komplexe, spezialisierte Eingriffe müssten Aargauerinnen und Aargauer in eines der Zentrumsspitäler in Aarau oder Baden. Barbara Hürlimann, Leiterin der kantonalen Abteilung Gesundheit, sagte gegenüber dem «Regionaljournal» von SRF: «Die Chirurgen der Regionalspitäler erreichen für die grossen Eingriffe die Fallzahlen nicht.» Deshalb sei es nicht sinnvoll, dass die Spitäler diese Eingriffe anbieten.

Nur noch Grundversorgung

Die Regierung will aus den Regionalspitälern Rheinfelden, Laufenburg, Leuggern, Muri, Menziken und Zofingen Gesundheitszentren machen. Als Gesundheitszentrum sollen sie weiterhin die stationäre Grundversorgung in der Region sicherstellen und sich schwergewichtig um ambulante Leistungen kümmern. Eine Erweiterung der Gesundheitszentren mit einer Apotheke, Physiotherapeutinnen oder Ernährungsberatern wäre aus Sicht der Regierung wünschenswert. Denkbar sei auch, dass Spezialisten aus den Zentrumsspitälern Eingriffe in einem Gesundheitszentrum durchführen. Das ist jedoch nur möglich, wenn es für den Eingriff keine spezielle Infrastruktur braucht.

Auf Anfrage wollen sich noch nicht alle Regionalspitäler zur Vision der Regierung äussern. Daniel Schibler, Direktor des Spitals Menziken, sagt: «Wir werden die Unterlagen zur Vernehmlassung zuerst eingehend studieren und danach die Auswirkungen auf unsere Strategie prüfen.» Auch das Spital Zofingen äussert sich noch nicht.

«Es bewegt sich etwas»

Anders Daniel Strub, Direktor des Spitals Muri. Er begrüsst die Totalrevision des Spitalgesetzes und freut sich, dass das Departement von Regierungsrätin Franziska Roth die Spitaldirektoren aktiv einbezogen hat. «Man merkt, es bewegt sich etwas in der kantonalen Gesundheitspolitik.» Lob gibt es auch von René Huber, dem Direktor des Spitals Leuggern. Das Gesetz zeige «einige wichtige zukunftsgerichtete Lösungsansätze auf». Dass vermehrt Leistungen in Kooperationen ermöglicht werden sollen, sei gerade für Regionalspitäler «ein wichtiges Element».

Daniel Strub, Spitaldirektor in Muri, räumt aber auch ein, dass die Berichterstattung über die Vision der Spitallandschaft schon für Gesprächsstoff sorge. Ihm ist es wichtig, festzuhalten, dass «die Spitallandschaft im Aargau gleich bleiben wird». Das Spital Muri sichere schon heute die Grundversorgung in der Region. Das sagt auch Mirjam Crespo, Mediensprecherin des Gesundheitszentrums Fricktal, zu dem die Spitäler Laufenburg und Rheinfelden gehören. «Wir stellen bereits heute die stationäre Grundversorgung in der Region Fricktal sicher, leben die Prämisse ‹ambulant vor stationär› seit geraumer Zeit und entwickeln diese kontinuierlich weiter.»

Die Verantwortlichen in Leuggern, Muri und im Fricktal verweisen auch auf die medizinisch-technischen Entwicklungen. Es lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht definieren, welche Leistungen im Jahr 2035 zur medizinischen Grundversorgung zählen werden. «Im Zuge des Fortschritts und der Entwicklung der Bevölkerung ist es durchaus denkbar, dass Leistungen, die heute als komplexe, spezialisierte Eingriffe eingestuft werden, zukünftig zur Grundversorgung zählen», sagt etwa Daniel Strub vom Spital Muri.

Er sehe es heute als «unwahrscheinliche Spekulation», von einem generellen Leistungsabbau auszugehen. Sollte die Vision der Spitallandschaft 2035 mit einem Gesundheitszentrum im Freiamt den Vorstellungen und Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechen, werde das Spital Muri Organisation und Leistungen entsprechend weiterentwickeln.

Der Direktor des Spitals Leuggern sagt, gegen 70 Prozent der Bevölkerung wünschten sich ein breites medizinisches Angebot in den Rand- und Landregionen. «In diesem Sinne werde ich mich dafür einsetzen, dass die Spitallandschaft im Aargau gleich bleiben wird.»

Spitalliste wird Richtung weisen

Einen ersten Vorgeschmack darauf, was sich in der Spitallandschaft verändert und vor allem wie schnell es sich ändert, wird die Spitalliste 2020 geben. Bis zum 2. November können sich Spitäler für einen Platz auf der Liste bewerben. Nur wer einen Leistungsauftrag bekommt, darf die Kosten der Behandlung dem Kanton und den Krankenkassen im Rahmen der Grundversicherung verrechnen. Der Regierungsrat kann die Entwicklung der Spitallandschaft über die Spitalliste also direkt beeinflussen. Es wäre durchaus möglich, dass er gewisse Leistungsaufträge, welche die Regionalspitäler heute noch haben, nicht mehr verlängert.