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«Feiern wir den Nationalfeiertag oder den Krieg?» – Feuerwerksinitiative sorgt für kontroverse Diskussionen

Der Verein «Feuerwerksinitiative» will mit einer nationalen Volksabstimmung Feuerwerk mit Knalleffekt verbieten. Die Initiative sorgt für grosse Emotionen auf beiden Seiten. Auch unsere Leserinnen und Leser äussern sich zum Thema.

Nicole Manojlovic
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Nach 1. August: Hundetrainer fordert Feuerwerksverbot

Tele M1

Roman Hubers Unmut über privates Feuerwerk fand nach dem letzten Silvester viel Anklang. Aus dem ursprünglichen Facebook-Post ist ein nationales Volksbegehren geworden. Die Initiative will den Verkauf und die Verwendung von Feuerwerkskörpern mit Knalleffekt schweizweit verbieten – mit einigen Ausnahmen. Der Text der Initiative liegt derzeit noch in Prüfung. Dennoch sorgt sie bereits für viel Zündstoff.

Lärm, Abfall und Unfälle

Viele unserer Leserinnen und Leser reagieren mit Erleichterung auf die Nachricht der Initiative. Sie stört besonders, dass nicht nur am 1. August, sondern auch schon lange davor und danach Feuerwerk abgelassen wird. Sie betonen dabei, dass sie längst nicht jede Form davon störe.

«Ich habe nichts gegen ein wirklich schönes Feuerwerk am Rhein. Aber die dauernde Knallerei mit Böller etc. mitten im Dorf zwei Tage und zwei Nächte lang ist ein totaler Unsinn und hat nichts mit unserem Nationalfeiertag zu tun.»

Solche Worte wie von Roger Marchand auf der Facebookseite der bz finden sich in ähnlicher Art in diversen Kommentaren wieder. Auch Leserin Miriam Schläpfer schreibt auf der Seite der Aargauer Zeitung:

«So hätten alle die Feuerwerke wollen einen Ort wo sie gleichgesinnte treffen können und die Tierhalter könnten sich von dem Ort fernhalten.»

Aber nicht nur der Lärm ist ein Problem, auch der Gestank und der zurückbleibende Müll wird als sehr störend empfunden. Vandalismus und Brandschäden von verirrten Zündkörpern seien grosses Argumente für die Initiative. So findet beispielsweise Leserin Priska Ganter:

«Nicht nur das es einfach zu viel ist, es passieren jedes Jahr viele unfälle und entstehen Brände wegen unachtsamkeit.»

Bei Lesern von beiden Lagern rutschen aufgestaute Emotionen heraus. Leser Beat Zbinden aus Stallikon schreibt:

«Wird endlich Zeit!!! Feiern wir den Nationalfeiertag oder den Krieg?»

Während jene Feuerwerksgegner von Krieg reden und beinahe das ganze Arsenal an Feuerwerkskörpern abschaffen wollen, erläutern die Befürworter, dass das Feuerwerk «zu Tradition und Kultur» gehöre. Es verärgert sie, dass ihnen diese Freude weggenommen werden soll. Einig ist man sich wenigstens in dem Punkt, dass der eine oder andere Zuckerstock sowie das Bengalische Feuer bleiben dürfe.

Zuletzt stellen Einzelne die Praktiken des Nationalfeiertages an sich in Frage. Ra Lee schreibt dazu:

«Es war ruhig und still den ganzen Tag. Keine Menschen, keine Musik, nichts feierliches in unseren Quartier. Und plötzlich knallte es als herrsche Krieg! Meine Tochter rannte schreiend, die Katze versteckte sich. Ist das die Art einen Tag zu feiern?»

Die armen Haustiere

Beim Thema Haustier könnte man meinen, es gäbe eine besonders klare und entschiedene Haltung. Vielen Tierbesitzerinnen und -Besitzern wäre es durchaus recht, wenn das Feuerwerk allgemein verboten wird, aber die meisten könnten sich auch schon mit eingeschränkten Zeiten anstelle eines «3 Daages Dauerevent» zufriedengeben. Stärker wirkt der Ruf gegen diese Gruppe mit einer Relativierung wie im Kommentar von Leser Thomas Schlatter Werder:

«Ich frage mich was man mit den Tieren macht wenn es Donnert und Blitzt?! In den Ställen gibt es Tiere die werden nervös und es gibt solche denen ist der Lärm gleichgültig.»

Mehrfach wird von Befürwortern betont, dass ihre Katzen und Hunde sich nicht ob des Lärms stören würden. Tatsächlich wird sogar vereinzelt daran erinnert, dass auch die Hunde und Katzen selbst Thema von Kontroversen sind und trotzdem nicht verboten wären.

Die armen Kinder

Manche versuchen beide Seiten zu verstehen und dadurch eine Diskussion anzuregen. Michel Böni schreibt auf der Seite vom Oltner Tagblatt – neben einem verständnisvollen Seitenhieb gegen die Hundebesitzer –, dass Toleranz im Vordergrund stehen sollte. Er appelliert an die Nostalgie:

«Ist es wirklich nötig den Jungen jede Freude zu nehmen? alles zu verbieten und zu verhindern?»

Dieses Argument schein am stärksten gegen die Initiative zu wirken. Man wolle die Freiheit der Kinder nicht einschränken. «Jeder hat mal ,oder hat schon Kinder und Enkelkinder. Wollt ihr denen das alles wirklich wegnehmen? Wirklich alles?», fragt Leserin Andrea Steffen-Huber. Und Daniel Seiler aus Basel redet über eigene wie künftige Erinnerungen:

«Schaut mal in die Kinderaugen wenn ein Vulkan brennt oder eine Rakete steigt.»

Einige zweifeln an, dass es wirklich um die Kinder gehe. So erzählt Leser Peter Spiegelberg, dass es seinen Beobachtungen nach vor allem die Erwachsenen seien, die Freude am Geknalle haben. Zuletzt teilen Leserinnen und Leser ihre eigenen, durchaus auch schönen Erinnerungen an den Feiertag mit der Familie, inklusive dem Aufräumen am zweiten Tag.

Verbotskultur und Solidarität

Natürlich werden nicht nur direkte Argumente gegen oder für die Feuerwerksknaller gebracht. Auch die Coronamassnahmen müssn als Vergleichsmaterial herhalten. So merken Einzelne an, dass Mitmenschen zur Solidarität beim Impfen aufrufen und sich das nicht mit der Intoleranz gegen Feuerwerk vereinen lasse. Es müssten klare Regeln gefunden und – auch der eigenen Freiheiten wegen – eingehalten werden. Leser Ma Hu fragt bei der bz:

«Bei Corona kann der Bund/Kanton auch streng sein, warum hier nicht?»

Auch die Frage nach der Solidarität gegenüber den Geschäften kommt vermehrt auf. Es wird zur Eigenverantwortung aufgerufen. Ein paar wenige vermuten ein politisches Agenda hinter der Initiative und der Verein hinter der Initiative wird in einem Fall abwertend als «Weltverbesserer» bezeichnet. Die Feuerwerksgegner finden den Appell an erneuerbare Energien und andere Themen unangebracht. Es sei der «hilflose Versuch» vom momentanen Thema abzulenken.

Keine Aufregung vor der tatsächlichen Abstimmung

Glücklicherweise sind viele dazu bereit, in einem gewissen Rahmen über das Thema Feuerwerk zu diskutieren und eine gemeinsame Lösung zu finden. Ob diese durch die Initiative in Zukunft erreicht wird oder die Meinungen noch mehr spaltet, ist leider noch unklar.

Es gibt auch jene Leute, die keine starke Meinung für oder gegen den Brauch äussern. Ihnen ist es lieber, würde das Thema nicht so grosse Funken erzeugen und bezeichnen es als «Unsinn». Immerhin gäbe es «Ohropax oder Kopfhörer» und sei nur zweimal pro Jahr. Peter Vogel schreibt in der Kommentarspalte vom Badener Tagblatt:

«Diese Forderung kommt alle Jahre nach dem 1. August…. Wird wie in den vergangenen Jahren auch diesmal im Sand verlaufen.»

Diese letzte, neutrale Gruppe zweifelt daran, dass die Initiative genügend Unterschriften erhalten wird. Für den Fall, dass die Feuerwerksinitiative doch durchkommt, haben die Leute dennoch bereits Ideen. Leser der Solothurner Zeitung Domenik Schuppli meint:

«Künftig wird nicht nur im grenznahen Ausland eingekauft, sondern auch gleich mit Feuerwerk der CH-Nationalfeiertag gefeiert.»

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