Reaktion auf Kritik
Andreas Glarner: «Vielleicht muss ich im Ton eine Stufe zurückfahren, wenn das unseren Politikern in den Gemeinden hilft»

Nach der Kritik von mehreren prominenten Parteikollegen hat sich SVP-Präsident Andreas Glarner im «TalkTäglich» auf Tele M1 erstmals ausführlich geäussert. Dabei zeigte er sich erstaunlich moderat und kündigte an, sich im Stil zu mässigen, wenn sich zeigen sollte, dass sein bisheriger Kurs den SVP-Vertretern in den Gemeinden schade.

Fabian Hägler
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SVP-Präsident Andreas Glarner äusserte sich im «TalkTäglich» ausführlich zu der Kritik.

SVP-Präsident Andreas Glarner äusserte sich im «TalkTäglich» ausführlich zu der Kritik.

Screenshot Tele M1

Im «TalkTäglich» sagte er auf die Frage von Moderator und AZ-Chefredaktor Rolf Cavalli, ob sein angriffiger Stil ein Grund für die schlechten Wahlresultate sei: «Wenn sich bei der Analyse herausstellen sollte, dass mein Kurs die harte Arbeit unserer SVP-Politiker in den Gemeinden torpediert, muss ich über die Bücher.» Glarner kündigte an, er werde in der Sache hart bleiben, aber vielleicht sei es nötig, im Ton eine Stufe zurückzufahren. «Ich werde mich nicht bis zur Unkenntlichkeit verbiegen, aber wenn es der Sache und unserer Partei helfen würde, dann nehme ich mich zurück.»

Der SVP-Aargau-Präsident relativierte die Wahlresultate vom Sonntag und sagte, zwar seien neun SVP-Gemeinderäte abgewählt worden, seine Partei stelle aber auch sechs neue Gemeindeammänner und 14 neue Gemeinderäte. Dennoch will Glarner die Ergebnisse in allen Gemeinden analysieren. Er gab sich durchaus selbstkritisch und sagte: «Der Fisch fängt immer beim Kopf an zu stinken, wenn ich das Problem bin, muss ich etwas ändern, oder ich muss gehen.»

Glarner weist Rücktrittsforderung zurück und verweist auf Neumitglieder

Die Rücktrittsforderung von alt Kantonalpräsident Hansueli Mathys wies Glarner indes klar zurück. Zur Kritik von Mathys, mit seinem provokativen Stil zerstöre er die Basis der Partei, hielt er fest: «Das muss mir natürlich zu denken geben, wenn solche Kritik kommt, ich werde das intern diskutieren und nicht öffentlich darauf eingehen.»

Glarner wies aber auch darauf hin, dass seine Partei nicht nur Mitglieder verliere, sondern auch zahlreiche Neueintritte registriere. Und er betonte mit Blick auf die Aussagen seiner Kritiker, dass er am letzten SVP-Parteitag einstimmig als Kantonalpräsident wiedergewählt worden sei. «Ich frage mich schon, wo dort meine Kritiker waren, haben Sie vielleicht alle gerade intensiv Wahlkampf gemacht?»

SVP bewegt sich bei Coronapolitik auf einer Gratwanderung

Glarner räumte ein, dass sich seine Partei bei der Coronapolitik auf einer Gratwanderung befinde. Bei diesem Thema gebe es Leute, die eine andere Meinung hätten, wenn es um die Impfung oder die Zertifikatspflicht gehe. Von seiner Position will der SVP-Präsident hier nicht abrücken, auch wenn dies Kritik am eigenen Gesundheitsdirektor einschliesst. «Wenn die Regierung eine indirekte Impfpflicht unterstützt, dann ist es unsere Aufgabe, dies zu kritisieren», sagte er.

Dass ein langjähriger Weggefährte wie Wolfgang Schibler, der in der Asylpolitik voll auf Glarners Linie war, aus der SVP ausgetreten ist, sei mit dessen Meinung zur Coronapolitik zu erklären und für ihn nachvollziehbar. Weniger Verständnis hatte Glarner für die Kritik von Samuel Hasler, zumal dieser ihn zweimal für Referate nach Buchs eingeladen und gebeten habe, seine Ortspartei wieder auf Kurz zu bringen. «Auch mit ihm muss ich persönlich reden, aber sein Post auf Facebook hat mich sehr gewundert», sagte Glarner zu Haslers offener Kritik.

Die ganze Sendung «TalkTäglich» zum Nachsehen.

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