Gränichen
Razzia bei Pferdezüchter: 35 Tiere werden beschlagnahmt, fast kein Futter da

Im Fall der 33 Pferde, die ein Pferdezüchter aus Gränichen im Jura deponiert hat, überschlagen sich die Ereignisse. Das Aargauer Veterinäramt hat zusammen mit Polizei und Tierschützern auf dem Gränicher Hof des Mannes eine Razzia durchgeführt.

Pascal Meier
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Laut Recherchen von Tele M1 wurden beim Einsatz am Dienstag 12 Pferde und 23 Hunde beschlagnahmt. Das Veterinäramt hat damit auf Medienberichte über die im Jura deponierten Pferde reagiert. Der Fall hatte national Schlagzeilen gemacht, weil Michel Prêtre vom Gränicher Pferdezüchter kein Geld für Unterkunft, Pflege und Futter erhielt und er dessen Pferde nicht tiergerecht versorgen konnte. Sie drohten zu verwahrlosen, worauf sich Tierschützer aus der ganzen Schweiz einschalteten und die Pferde wieder aufpäppelten.

Offensichtlich kümmert sich der Pferdezüchter aus Gränichen auch auf dem eigenen Hof nicht richtig um seine Tiere, wie die Razzia zeigt: Auf dem Hof über dem Dorf ist fast kein Futter vorhanden. Laut Kantonstierärztin Erika Wunderlin hatte der Mann den Tieren zu wenig Platz und Nahrung zur Verfügung gestellt. Das habe die vorsorgliche Beschlagnahmung gerechtfertigt. Ein grosser Teil der Hunde wurde nach der Razzia in einem Tierheim untergebracht, die Pferde in der Umgebung platziert.

Der Mann ist beim Veterinäramt bereits aktenkundig. Zur Frage, ob er je wieder Tiere halten darf, sagte Erika Wunderlin: «Er muss zuerst zeigen, dass er in Zukunft fähig ist, seine Tiere nach Tierschutzgesetz zu halten.»

Das Veterinäramt beschlagnahmte auf dem Hof des Gränicher Pferdezüchters 12 Pferde und 23 Hunde.

Das Veterinäramt beschlagnahmte auf dem Hof des Gränicher Pferdezüchters 12 Pferde und 23 Hunde.

Pascal Meier

Michel Prêtre unter Druck

Derweil wird die Situation für Michel Prêtre immer brenzliger. Der Bauer aus dem Jura muss sich weiterhin um die gestrandeten Pferde vom Gränicher Unternehmer kümmern, ohne dass er Geld erhält – dies neben der Arbeit mit seinen 270 Kälbern und Bisons. Michel Prêtre sagt, der Pferdezüchter schulde ihm über 40'000 Franken.

Es kommt noch dicker: Das jurassische Veterinäramt hat jetzt die 33 Pferde und Ponys vorübergehend für die Dauer von zwei Wochen beschlagnahmt. Der Pferdezüchter aus Gränichen darf damit seine Tiere nicht abholen und Michel Prêtre diese nicht weggeben. «Mit dieser Massnahme wollen wir sicherstellen, dass die Pferde gut versorgt sind, bis das weitere Vorgehen in diesem Fall geklärt ist», sagt die jurassische Kantonstierärztin Anne Ceppi gegenüber der az. «Wir möchten die Tiere nicht unnötig in der ganzen Schweiz verteilen; bei Herrn Prêtre sind sie in guten Händen.»

Mit dieser vorübergehenden Beschlagnahmung wurden die Tiere gleichzeitig unter Aufsicht des Kantons Jura gestellt. Bauer Michel Prêtre, dem das Geld auszugehen droht, ist damit in einer noch unangenehmeren Pflicht: Versorgt er die Tiere nicht richtig oder fehlt ihm das nötige Geld, hat er im schlimmsten Fall eine Anzeige am Hals.

Das Tier ist in keinem guten Zustand.
3 Bilder
Die verwahrlosten Pferde von M.S.
Dank Spenden konnten Anfang Woche wieder Heu und Stroh bestellt werden.

Das Tier ist in keinem guten Zustand.

Désirée Stierli

Zur Kritik von Tierschützern, die jurassischen Behörden hätten im Pferde-Drama lange nicht gehandelt, hält Kantonstierärztin Anne Ceppi fest: «Als uns der Fall am 20. Januar gemeldet wurden, haben wir die Pferde angeschaut.»

Die Auseinandersetzung sei ein privatrechtliches Problem, das Veterinäramt habe nur die Aufgabe, eine gute Tierhaltung sicherzustellen. Juristisch liege der Fall bei der jurassischen Staatsanwaltschaft. Dort sind zwei Anzeigen hängig: Eine von Michel Prêtre, eine von einer Tierschutzorganisation.

Der Gränicher Pferdezüchter, der laut Medienberichten verschuldet sein soll, nimmt zum Fall keine Stellung. Gegenüber Tele M1 sagte er lediglich, dass es ihm schlecht gehe.

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