Zofingen
RAV will auf Speed-Recruiting setzen: Fünf Firmen testen es

Das RAV führt das erste Speed-Recruiting des Kantons durch – der Testlauf soll in der Region Schule machen. Eva Heinemann aus Bottenwil testete das neue Konzept.

Michael Flückiger
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Die Bottenwilerin, die mutig dazu steht, ohne Arbeit zu sein, ist gut vorbereitet.

Die Bottenwilerin, die mutig dazu steht, ohne Arbeit zu sein, ist gut vorbereitet.

Michael Flückiger

«Ich bin offen und kommunikativ, kann gut Prioritäten setzen. Bei der Arbeit packe ich gerne aktiv mit an.» Eva Heinemann aus Bottenwil nutzt ihre erste Minute beim Speed-Recruiting, um ein klares Bild von sich zu vermitteln. Die 47-jährige Deutsche war ihrer Stelle bei einem Fensterbau-Anbieter verlustig gegangen, weil dieser beim Innendienst auf Swissness und damit auf Schweizerdeutsch hatte setzen wollen.

Das hat die zweifache Mutter, die abgesehen von 2 Jahren zeitlebens immer berufstätig war, getroffen. Doch sie gibt nicht auf, sitzt jetzt Edith Gisler, Personalleiterin von Flachglas Wikon, gegenüber. Diese sucht eine Sachbearbeiterin Innendienst. Die beiden Frauen sind bald in einen intensiven Dialog vertieft.

Die eine oder andere Zusatzminute

Die Bottenwilerin, die mutig dazu steht, ohne Arbeit zu sein, ist gut vorbereitet.

Dies gilt auch für die anderen 24 Bewerberinnen und Bewerber an diesem Nachmittag. Ulrike Clasen vom Netzwerk Kadertraining Aarau hat ihnen im Auftrag des RAV Zofingen beigebracht, sich aufs Wesentliche zu fokussieren. «Viele von ihnen waren überrascht, dass eine Minute für eine gut vorbereitete Selbstpräsentation gut ausreicht», erzählt die Coaching-Fachfrau mit Engagement.

Sie ist angetan von der Speed-Recruiting-Offensive des RAV Zofingen. «Solche Aktionen sind ein Dienst für die Arbeitgeber und tragen dazu bei, Brücken zur Wirtschaft zu schlagen.»

Die 45-jährige Luisa Checci* hat ihr Gespräch bereits hinter sich. Mit ihrem Erfahrungshintergrund in der Reisebranche will sie Neues in der Personalentwicklung angehen. «Nur allein schon das Vorbereitungsseminar war eine wertvolle Erfahrung», zieht sie Bilanz.

Mit ihrem Gespräch ist sie zufrieden, sagt aber auch: «Die fünf Minuten währende Gesprächszeit nach der Selbstpräsentation war kurz. Ich hatte wenig Zeit, Gegenfragen zu stellen. Die eine oder andere Zusatzminute würde es schon vertragen.» Sie ist nun gespannt, ob sich nun ein Folgegespräch ergibt.

n Speed-Recruiting: 1 Minute Vorstellung, 5 Minuten Gespräch

Es geht schnell. Und doch reichen 6 Minuten Gespräch aus, damit Arbeitgeber und Arbeitnehmer über eine allfällige Vertiefung des Bewerbungsverfahrens entscheiden können.

Am vergangenen Freitag gingen auf dem RAV Zofingen 25 Stellensuchende mit 5 Firmen der Region auf Tuchfühlung. Mitgemacht haben: Qualinox AG (Vordemwald), Hotel Zofingen, Flachglas Schweiz (Wikon), GMP AG (Zofingen), BEVERO AG (Rothrist). Das Zeitregime des ersten RAV-Speed-Recruiting des Kantons Aargau: 60 Sekunden stehen für die Selbstpräsentation zur Verfügung, 5 Minuten verbleiben für das Gespräch - dies alles diskret hinter verschlossenen Türen.

Der Anlass stand im Zeichen von «Potenzial 50Plus». Dazu RAV-Leiter Mirek Nekys: «Diese Form bietet auch Stellensuchenden eine Chance, die oftmals die erste Hürde bis zum Gespräch nicht schaffen. Zugleich gewährt sie Arbeitgebern neue Perspektiven.» Nekys beabsichtigt, Speed-Recruiting mit Stellensuchenden interessierten Firmen direkt anzubieten. (mif)

Es sind nicht weniger als fünf regionale Firmen, die an diesem Nachmittag am RAV Zofingen an der Strengelbacherstrasse Speed-Recruitings ausprobieren. Manche sprechen mit bis zu acht Kandidatinnen und Kandidaten. Für Edith Gisler von Flachglas Wikon, die unter anderem mit Eva Heinemann gesprochen hat, ist Speed-Recruiting neu.

Wie viele Informationen in dieser kurzen Zeit fliessen können, hat sie erstaunt. Fünf Minuten Gesprächszeit würden ausreichen, um zu entscheiden, ob sie im Bewerbungsverfahren einen Schritt weiter gehen wolle oder nicht. Wie gross das Interesse einer Bewerberin oder eines Bewerbers sei, komme deutlich zum Ausdruck.

Für das Studium eines Bewerbungsschreibens benötigt Edith Gisler in der Regel 10 Minuten. Sie meint: «Hier kommt nun noch eine persönliche Begegnung von 6 Minuten hinzu. Das vermindert die Gefahr von Vorurteilen, vergrössert die Auswahl und verbessert die Chance, spannende Persönlichkeiten zu entdecken.»

Start zu weiteren Aktivitäten

Begeistert über die acht schnellen und intensiven Bewerbungsgespräche äussert sich Rudolf Günthardt, Geschäftsführer des Hotels Zofingen. Er sucht eine initiative Fachkraft, die ihm bei Banketten zur Hand geht. «Vier von acht Bewerbungsgesprächen waren gut, zwei davon sehr vielversprechend. Die eine Kandidatin entspricht weitgehend meiner Wunschvorstellung.» Nicht viel anders erging es Michael Steiner von der Personalvermittlung GMP AG Zofingen. Für den Empfang seines Unternehmens sucht er eine aufgestellte, dynamische Administrativkraft. «Ich war überrascht über die Qualität der Gespräche wie auch der Bewerber. Zwei Personen verfolgen wir weiter.»

Mirek Nekys, Leiter RAV Zofingen, freut sich über die geglückte Premiere. «Darauf können wir aufbauen.» Ihm ist klar, dass das RAV keine gesuchten Arbeitskräfte wie etwa Polymechaniker aus dem Hut zaubern kann. «Aber es gibt Stellen, für die wir eine gute Auswahl qualifizierter Fachkräfte zu einem Speed-Recruiting bei einer Firma entsenden können. Wir sind bereit.»

*Name geändert

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