Pistenfest Birrfeld
Ralph Knittel – ein Mann zwischen Himmel und Erde

Ralph Knittel ist Berufsmilitärpilot. Deshalb verbringt er die Hälfte seiner Zeit in den Lüften. Der gebürtige Wohler ist am Samstag mit der hochkomplexen F/A-18 Hornet an der Airshow zu erleben.

Elisabeth Feller
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«Ich bin nicht nur Pilot, sondern auch Systemmanager», sagt F/A-18-Pilot Ralph Knittel.

«Ich bin nicht nur Pilot, sondern auch Systemmanager», sagt F/A-18-Pilot Ralph Knittel.

Steve Vonlanten

Das Publikum knabbert Popcorn, denn nur so ist die Spannung einigermassen erträglich. Auf der Kino-Leinwand riskiert der F-14-Kampfpilot Maverick Kopf und Kragen. Der Schweizer Ralph Knittel könnte den Platz von Maverick-Darsteller Tom Cruise problemlos in einer Fortsetzung des Actionfilms «Top Gun» einnehmen.

Auch Knittel ist Militärpilot, aber mit den «Top Gun»-Szenen hat seine berufliche Realität nichts zu tun: Mit der F/A-18 Hornet steuert der 36-jährige Hauptmann eines der global modernsten Kampfflugzeuge.

«Langsam geflogener Looping»

Erzählt der sympathische, in Murten lebende Berufsmilitärpilot und Vater einer Tochter (10) sowie eines Sohnes (8) von seinem Engagement in der Schweizer Luftwaffe, wird der ernsthafte Hintergrund sofort klar: Es geht um die Verteidigung des Schweizer Luftraums. Solches darf das Publikum im Hinterkopf haben, wenn es Ralph Knittel beim Pistenfest im Birrfeld begegnet – nicht auf dem Boden, sondern in der Luft. Knittel nimmt am Samstag an der Airshow teil und fliegt in einer gemeinsamen Formation mit dem Swiss-Air-Force-PC-7-Team über die Piste. Dort angekommen, stieben die von Payerne kommenden PC-7 in der Formation Pfeil davon – Ralph Knittel bleibt zurück und geht mit der F/A-18 Hornet «zuerst einmal in einen langsam geflogenen Looping».

Die Ahs und Ohs kleiner und grosser Zuschauer werden seinen Flugkünsten gewiss sein. Handelt es sich nur um ein Spektakel, vergleichbar mit einer hochartistischen Zirkusnummer? «Nein», winkt Knittel dezidiert ab. Ein Display-Pilot wie Ralph Knittel «will den Zuschauern demonstrieren, welch einzigartige Flugleistungen sein Flugzeug aufweist. Er zeigt dies in eindrücklichen Manövern, die im Sichtluftkampf ähnlich geflogen werden».

Pilot und Systemmanager

Der durchtrainierte Militärpilot hat wohl die fragenden Augen seines Gegenübers bemerkt, denn er fügt hinzu: «Der eigentliche Kern der
F/A-18 sind die verschiedenen Systeme.» Kein Wunder, bezeichnet sich Knittel nicht nur als Pilot, sondern auch als Systemmanager eines Flugzeugs, von dem es 33 Stück in der Schweiz gibt und das ausschliesslich von Berufsmilitärpiloten geflogen wird. Das Fliegen, merkt Knittel an, bleibe stets dasselbe, «aber die Flugzeugsysteme, welche die modernen Flugzeuge aufweisen – die werden immer zahlreicher».

Die F/A-18 Hornet steht dafür beispielhaft: Sie ist derart komplex, dass Knittel lächelnd bekennt: «Bin ich zwei bis drei Wochen in den Ferien, bin ich bereits etwas aus der Übung.» Also beginnt er nach dem Urlaub erst einmal mit «weniger komplexen Luftkampfübungen, um danach deren Schwierigkeitsgrad sukzessive zu steigern». Ralph Knittels 2003 in Amerika erfolgte Umschulung auf die F/A-18 und insbesondere sein Engagement als Hornet Solo Display Pilot der Schweizer Luftwaffe ab 2010 ist die bisherige Krönung seiner beruflichen Ausbildung, die bis zum taktischen Luftkampffluglehrer gut 15 Jahre gedauert hat.

Begonnen hatte alles in Wohlen. Dort wuchs ein Bub namens Ralph auf, der sich schon als Achtjähriger brennend für die Luftfahrt interessierte. Regelmässig besuchte er den Flughafen Zürich, weil ihm «die dortige Atmosphäre und der Kerosinduft so gut gefielen». Wenige Jahre später stand für den Teenager fest: «Ich will Militärpilot werden.» Dass der Weg dorthin steinig sein würde, wusste er.

Das Auswahlverfahren begann mit der Berufseignungsabklärung und der anschliessenden Fliegerischen Vorschulung FVS im Alter von 16 bis 19 Jahren – heute SPHAIR genannt. Danach folgte die Piloten-Rekrutenschule in Magadino, bei der es die letzte grosse Hürde, die PC-7-Selektion, erfolgreich zu bestehen galt. Nach der folgenden Weiterausbildung im Formations- und Instrumentenflug sowie im Luft- und Erdkampf, wurde Knittel schliesslich 1998 als Leutnant und Berufsmilitärpilot brevetiert.

Erste Flugstunden im Birrfeld

Mit dem Flugplatz Birrfeld gibt es Berührungspunkte, weil Knittel hier seine ersten Flugstunden während der FVS absolvierte, um nach acht Stunden erstmals alleine in die Luft abzuheben. Der Weg, der einen Piloten wie Ralph Knittel vom kleinen Motorflugzeug über weitere Flugzeugtypen wie etwa die PC-7 und Hawk bis zur F/A-18 geführt hat, ist lang, anspruchsvoll und spannend. Selbst für einen Mann, der mit 2500 Flugstunden – davon knapp 1000 mit der F/A-18 – aufwarten kann, ist das Fliegen unvermindert reizvoll. Weshalb?

Das Aufnehmen und Verarbeiten fast unfassbar vieler Informationen im Cockpit, das blitzschnelle Reagieren darauf, die Komplexität und die Vielfältigkeit seines Berufes, nicht zuletzt als Fluglehrer – das bezeichnet Knittel als Triebfeder für seine Arbeit, die er mit Leidenschaft ausübt. Erzählt er davon, fallen Worte wie diese: «Es gibt keine alten, sondern nur erfahrene Piloten» oder im Hinblick auf die Airshow: «Wir fliegen für das Publikum und nicht für uns selbst. Somit bewegen wir uns kontrolliert an den Grenzen der Aerodynamik. Die Einstellung ‹Je tiefer, desto spektakulärer› hat hier keinen Platz.»

So wird es denn am Samstag primär ein schönes Programm von acht bis zehn Minuten geben. Doch schon heute wird Ralph Knittel dem Birrfeld einen Kurzbesuch abstatten. Von oben wird er jenes Gelände mit einem PC-7 inspizieren, das er überfliegen wird. Am Samstag werden er und das PC-7-Team von Payerne starten, das Birrfeld innert weniger Minuten erreichen und nach der Show wieder Payerne anpeilen. Dort wird das Team auf einen Super Puma umsteigen und ins Birrfeld zurückkehren. Noblesse oblige: Für ihre Fans wollen die Piloten da sein.