Radon
Radioaktives Radon: So gefährlich ist es in den Aargauer Schulhäusern

In 49 aller Aargauer Schulhäuser war die Belastung mit dem radioaktiven Gas vor vier Jahren viel zu hoch. Nun ist alles saniert. Die Schulhäuser gaben den Experten den entscheidenden Hinweis, wo die Radongefahr in Privathäusern besonders gross ist.

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Radonmessungen in einem Keller mit einem Dosimeter.

Radonmessungen in einem Keller mit einem Dosimeter.

Keystone

Es ist eine unsichtbare Gefahr aus dem Boden: das radioaktive Gas Radon. Es ist neben dem Rauchen einer der Auslöser von Lungenkrebs. Radon ist ein Zerfallsprodukt des Urans und kommt natürlich im Boden vor. Es dringt vom Boden ins Haus ein.

Im Aargau wurden in Winter 2009/10 in sämtlichen Schulhäusern und Kindergärten die Radonwerte gemessen. Das Ergebnis: In 49 Schulhäusern wurde der Grenzwert von 1000 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m3) überschritten. Die Aufregung war damals gross.

Heute sind alle betroffenen Schulhäuser saniert oder die damals betroffenen Schulräume werden nicht mehr als solche genutzt, wie Eva Bantelmann, Radonfachfrau Aargau sagt. Laut der Nachmessungen nach abgeschlossener Sanierung entsprechen nun alle Werte den aktuellen internationalen Empfehlungen. Die nächste Kontrollmessung steht im Winter 2015/2016 an.

Wie wichtig, regelmässig Nachmessungen sind, erklärt Bantelmann mit einem Beispiel: Nach einer Sanierung wurde in einem Schulhaus wieder eine zu hohe Radonbelastung gemessen. Das Problem: Der Filter der Radon-Lüftungsanlage war verstopft. Das Problem konnte schnell behoben werden.

Bewohnte Kellerräume, sind besonders gefährdet

Die Messungen im Aargau zeigten, dass Schulhäuser besonders stark von hohen Radonwerten betroffen sind: 25 Prozent der Schulräume entsprachen nicht den aktuellen internationalen Empfehlungen. Das machte die Experten vom Kanton stutzig. Sie suchten nach Erklärungen und fanden diese auch: Der Grund für die hohen Werte war das Alter der Gebäude und die häufige Nutzung von Räumen im Untergeschoss in Schulhäusern.

Ebenfalls nachmessen sollte deshalb, wer in einem Privathaus einen Raum im Keller zu einem Wohnraum umbaut. Die Daten der kantonalen Messkampagnen der letzten Jahre zeigten dass rund 30 Prozent solcher Wohnräume im Keller Radonkonzentrationen über 300 Bq/m3 aufweisen.

Messen im Winter

Allerdings ist der Zeitpunkt zum Messen aktuell schlecht. Gemessen werden soll im Winter während dreier Monaten. Während der Heizperiode ist eine mögliche Radonbelastung nämlich am besten nachweisbar. Dosimeter, die Radonbelastungen messen, können bei anerkannten Radonmessstellen bezogen werden. Eine Liste der Messstellen gibt es auf der Website des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

Neue Studien zeigen nun auch, dass energetische Sanierungen dazu beitragen, dass die Radonwerte im Haus ansteigen. Grund dafür ist eine verminderte Luftzirkulation und damit eine geringere Abführung des Gases, dies berichtete der «Tages-Anzeiger» gestern. Für die Aargauer Radonexpertin ist das nichts Neues. Sie rät deshalb Hausbesitzer nach energetischen Sanierungen, die Radonwerte zu messen. Wichtig sei auch, dass eine mögliche Gefährdung durch Radon schon in die Planung von Neubauten miteinbezogen werde. «Ich habe immer häufiger Anrufe von Architekten, die sich über Radon informieren wollen», sagt Bantelmann.

Der Radon-Grenzwert wird gesenkt

Das Bundesamt für Gesundheit will den Grenzwert bei Radon neu auf 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m3) festlegen. Dies, weil neuste epidemiologische Studien der Weltgesundheitsorganisation und der internationalen Atomenergiebehörde das Risiko durch Radonbelastung an Lungenkrebs zu erkranken, höher bisher einschätzen. Aktuell gilt ein Grenzwert von 1000 Bq/m3. (wua)