Kantonsschule Zofingen
Quereinsteiger statt interner Bewerber: Rektor-Wahl wirft Fragen auf

Bei der Wahl zum neuen Rektor der Kantonsschule Zofingen wurde ein Quereinsteiger einem internen Bewerber vorgezogen. Grossratsmitglieder kritisieren die getroffene Wahl und stellen entsprechende Fragen.

Beat Kirchhofer
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Der Kanti Zofingen mangelt es an Schülerinnen und Schülern. Vor 40 Jahren für 500 geplant, gibt es derzeit 378 Studierende.

Der Kanti Zofingen mangelt es an Schülerinnen und Schülern. Vor 40 Jahren für 500 geplant, gibt es derzeit 378 Studierende.

Raphael Nadler

Weisser Rauch über Zofingen? Auf den ersten Blick ja. Das Bildungsdepartement hat gewählt: Der Nachfolger des im August in Pension tretenden Rektors der Kantonsschule Zofingen ist gefunden. Glücklich über die getroffene Wahl ist weder die Zofinger FDP-Grossrätin Sabina Freiermuth-Salz, Mitglied der Parlamentskommission Bildung, Kultur und Sport, noch Kommissionspräsident Thomas Leitch (SP, Wohlen).

In der Begründung einer durch weitere Kommissionsmitglieder, wie auch von Grossrätinnen und -räten aus dem Bezirk Zofingen mitunterzeichneten Interpellation wird festgestellt: «Die Wahl fiel auf einen in Schulfragen in jeder Hinsicht unerfahrenen Quereinsteiger, obwohl es einen internen, sehr qualifizierten Bewerber gab, der sich sowohl um die Kantonsschule Zofingen wie auch um die Gymnasien des Kantons Aargau langjährig verdient gemacht hat.»

Fachmann für Kommunikation

In der Tat, Rektor wurde ein ausserkantonaler Bewerber, der ein ausgewiesener Kommunikationsfachmann ist. Er war Redaktionsleiter bei der Schweizerischen Depeschenagentur, Chefredaktor bei der Schweizerischen Bundeskanzlei (auch das gibt es) und ist seit 2010 «Mitglied der Direktion Corporate Communication» des Touring Club Schweiz in Bern. Seine Spuren im Schuldienst? Neben seinem Studium in Geschichte, Deutscher Literatur und Politikwissenschaften «erwarb er zusätzlich das Lehrdiplom für Maturitätsschulen», wie es in einer Medienmitteilung des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) heisst.

«Stimmt es, dass der interne Bewerber die Ausbildung zum Schulleiter in Kürze erfolgreich abschliessen wird, während der neue Rektor diese Fortbildung nicht absolviert hat? Mit welchen Kostenfolgen ist bei einer allfälligen, vergleichbaren Weiterbildung des gewählten Nachfolgers zu rechnen?», fragen Freiermuth und mit ihr aus dem Bezirk Zofingen die Grossratsmitglieder Thomas Burgherr (SVP), Manfred Dubach (SP), Daniel Hölzle (Grüne), Viviane Hösli (SP), Martin Lerch (EDU) und Herbert H. Scholl (FDP). «Was waren die genauen Gründe für die Nichtwahl des internen Bewerbers?»

Freiermuth betont in diesem Zusammenhang, dass sich die Interpellation nicht gegen den Gewählten, sondern gegen das Wahlprozedere richtet.

«Wer war innerhalb des BKS für das Wahlverfahren verantwortlich? Besteht eine regierungsrätliche Verordnung oder eine Weisung für das Wahlverfahren einer Kantonsschul-Rektorin oder eines -Rektors? Wie läuft das Verfahren ab?» Antworten auf diese Fragen seien nicht nur für Zofingen wichtig, sagt Freiermuth: «Derzeit sind die Rektor-Stellen der Kantonsschulen Baden und Wettingen ausgeschrieben.» Auch hier eine Diskrepanz zum Zofinger Verfahren. «In den entsprechenden Stelleninseraten wird nun plötzlich mehrjährige Unterrichtserfahrung auf Stufe Gymnasium gefordert.» Neu hinzugekommen ist auch der «Hinweis» Schulleiterausbildung.

Weitere Fragen: «Was war das Anforderungsprofil für die Nachfolge des Rektors in Zofingen? Wurde ein Assessment durchgeführt? Wenn ja, welches Institut hat dieses mit welchen Kostenfolgen betreut? Wurden Lehrer-Kollegium, Schulkommission und/oder andere Beteiligte im Auswahlverfahren mit einbezogen?»

Der Schule fehlen Studierende

Die Kantonsschule Zofingen hat aktuell zwei zentrale Probleme: Ihr mangelt es an Ausstrahlung und an Schülerinnen und Schülern. Die Kanti wurde vor 40 Jahren für 500 Schülerinnen und Schüler geplant. Unterrichtet werden laut aktuellem Jahresbericht deren 378, während die anderen Kantonsschulen aus allen Nähten platzen. In Wohlen mussten bereits Container aufgestellt werden.

Dazu eine Frage aus der Interpellation: «Findet der Regierungsrat im Allgemeinen – und besonders im Hinblick auf das neue Standort- und Raumkonzept der Mittelschulen – nicht auch, dass es von Vorteil gewesen wäre, einen erfahrenen und mit regionalen wie auch kantonalen Schulfragen vertrauten Nachfolger als Rektor einzusetzen?»

Und: «Ist dem Regierungsrat bewusst, dass die Ernennung einer schulfremden, unerfahrenen und mit dem regionalen wie kantonalen Umfeld unvertrauten Person zum Rektor die Kantonsschule Zofingen empfindlich schwächen wird? Ist es im Sinne des Regierungsrats, die Kantonsschule Zofingen zu schwächen?» Dem Vernehmen nach war der designierte Rektor vor seiner Wahl noch nie in den Räumen der Kanti Zofingen.