Wettingen
«Pure Tierquälerei» – Tierschützer wehren sich gegen Trainings-Fuchsbau

Das Komitee Antijagd macht mobil gegen einen geplanten Trainings-Fuchsbau beim Mooshof in Wettingen und spricht von Tierquälerei. Keine Probleme sieht dagegen der Projektverfasser. Das Vorhaben erfülle die gesetzlichen Anforderungen.

Michael Hunziker
Merken
Drucken
Teilen
Bei der Jagd treiben die Hunde die Füchse aus ihrem Bau (Symbolbild)

Bei der Jagd treiben die Hunde die Füchse aus ihrem Bau (Symbolbild)

Keystone

Beim Mooshof in Wettingen soll ein künstlicher Fuchsbau, eine sogenannte Schliefenanlage entstehen, um Hunde auf ihren Einsatz bei der Baujagd vorzubereiten. Bei dieser werden die Füchse aus ihrem Bau getrieben, damit sie gejagt werden können.

Anders gesagt: In der Übungsanlage wird auch ein Fuchs gehalten, damit ihn der Hund im Gangsystem aufspüren kann.

«Pure Tierquälerei»

Gegen das Projekt wehrt sich ein Komitee Antijagd und lanciert auf seiner Website eine Petition. «Auch wenn dabei Fuchs und Hund durch ein Gitter voneinander getrennt bleiben, ist dieses Vorgehen mit grossem Stress für die verwendeten Füchse verbunden», hält das Komitee fest. Mehr noch: «Schliefenanlagen sind pure Tierquälerei.»

Ziel sei es, dass die Baujagd «endlich landesweit» abgeschafft werde und die Schliefenanlage in Wettingen nicht genehmigt werde, hält Carl Sonnthal vom Komitee Antijagd fest. «Der Kanton Aargau könnte hier mit gutem Beispiel vorangehen.»

Für Sonnthal steht fest: «Politiker, Tier- und Naturschützer, Menschen aus allen Himmelsrichtungen und auch Jäger sind von der Baujagd nicht begeistert.» Die Petition sei denn auch, so Sonnthal weiter, gut angekommen. «Viele sind empört über diese geplante Schliefenanlage.»

Tierschutz zwar dagegen, aber . . .

Der Schweizer Tierschutz STS spricht bei der Baujagd von einem unnötigen, tierquälerischen, sadistischen Jagdvergnügen, das mit Hege nichts zu tun habe.

Mediensprecherin Helen Sandmeier betont, dass der STS für ein Verbot der Baujagd kämpfe. Vor dem Hintergrund, dass die Baujagd von Gesetzes wegen erlaubt sei, gibt sie zu bedenken: «Es ist – wohl oder übel – angemessener, die Hunde in der Schweiz statt im Ausland auszubilden.» Denn eine Kontrolle sei im Inland besser möglich.

Trotzdem: Die Ausbildung der Hunde mit Hilfe von lebenden Füchsen sei auch in der Schweiz aus tierschützerischer Sicht sehr problematisch, unterstreicht sie. «Ganz abgesehen davon ist die Fuchsjagd mit Hund ökologisch absolut überflüssig.»

Alles im gesetzlichen Rahmen

Der künstliche Fuchsbau in Wettingen erfülle die umfangreichen gesetzlichen Anforderungen und sei mit sämtlichen zuständigen Stellen abgesprochen, hält Niklaus Bäbler aus Hausen dagegen. Der Tierarzt zeichnet als Projektverfasser für die Anlage verantwortlich.

Er verweist auf die Jagdverordnung des Kantons Aargau. Laut dieser bestehe die Auflage, dass Jagdhunde vor ihren Einsätzen ausgebildet und geprüft werden müssten. Mit dem künstlichen Fuchsbau, der auf privater Basis realisiert werde, könne genau dieser Auftrag erfüllt werden.

Bäbler ermuntert Skeptiker und Kritiker, sich vertieft mit dem Thema auseinanderzusetzen oder gar selber einmal eine Anlage zu besuchen, um sich über das Geschehen ins Bild zu setzen. Denn die von extremen Tierschützern gezeigten Bilder und Filme hätten mit der Realität nichts zu tun.

Für die Baubewilligung ist übrigens der Kanton zuständig. Das Areal liegt ausserhalb des Baugebiets und untersteht dem Lägernschutzdekret.