«Aus heutiger Sicht habe ich zu spät gehandelt»

Der Mitarbeiter der JobFit GmbH in Buchs war häufig krank und fehlte im Büro.

Der Mitarbeiter der JobFit GmbH in Buchs war häufig krank und fehlte im Büro.

Mit der Hilfe des Teams hielt die Buchser Firma JobFit eine psychisch erkrankte Mitarbeiterin im Arbeitsleben.

Der Mitarbeiter war aufbrausend gegenüber Arbeitskollegen und öfters krank, brachte die geforderte Leistung nicht mehr. Lange habe er gehofft, die Situation entschärfe sich von allein, sagt Christoph Preims, Geschäftsführer der JobFit GmbH in Buchs. «Aus heutiger Sicht habe ich zu spät gehandelt. Erst als es nicht mehr anders ging, sprach ich ihn darauf an.»

Nicht der einzige Fall. Inzwischen suchen er oder sein Stellvertreter schneller das Gespräch. Manchmal kommt der Hinweis aus dem Team: «Gewisse Leute haben ein feines Sensorium dafür, wie es ihren Kollegen geht.» Aufgefallen ist etwa, wie sich eine Mitarbeiterin zurückzog, erst bei gemeinsamen Mittagessen fehlte, später während Tagen. Flexible Einsätze halfen, die Frau trotz Depressionen im Job zu halten. «Das Team unterstützte sie, so gut es ging.» Doch ohne ärztliche Hilfe wäre es nicht gegangen, sagt Preims.

Drei Mal hat die Firma Personen in einem sechsmonatigen Arbeitsversuch angestellt, die ihnen von der SVA vermittelt worden waren. Das Unternehmen mit 35 Mitarbeitern ist auf die Beratung von Stellensuchenden spezialisiert und gut geeignet für den Wiedereinstieg, weil die Angestellten ihren Arbeitstag flexibel einteilen und auch mal Pause machen können, wenn es nötig ist. Eine Person arbeitet inzwischen als Freelancerin bei der JobFit.

«Ein Risiko besteht bei allen neuen Mitarbeitern»

Zu viel Arbeit und zu wenig Erholung sind häufig ein Grund für die Entstehung psychischer Probleme.

Zu viel Arbeit und zu wenig Erholung sind häufig ein Grund für die Entstehung psychischer Probleme.

Eine Handelsfirma aus der Region Baden hat eine Person mit psychischen Problemen eingestellt – nach einer Testphase.

Nein, bereut habe er den Entscheid nie, sagt der Chef einer Handelsfirma aus der Region Baden. Als ihn die Sozialversicherung Aargau SVA anfragte, ob er einer Person die Chance auf einen Arbeitsversuch geben wolle, sagte er zu. Drei Monate dauerte die Testphase. Die Person, die ein Burnout hinter sich hat, vermochte zu überzeugen und ist nun fest angestellt.

Zu deren Schutz werden Namen des Geschäftsführers und der Firma nicht genannt. «Ob die Person gegenüber den Arbeitskollegen über ihre Vorgeschichte spricht, ist ihr überlassen», sagt ihr Chef. Die grösste Herausforderung: Während gesunde Mitarbeiter Kritik in der Regel besser wegsteckten, würden psychisch kranke Leute negative Äusserungen eher schlechter verkraften. «Seidenhaut statt Elefantenhaut», nennt es der Geschäftsführer. Für ihn heisst das: Bei Tonfall und Wortwahl ein wenig aufpassen.

Die Zusammenarbeit verlaufe bis jetzt problemlos. Die Person habe zwar ab und zu kurze Konzentrationsschwierigkeiten, ansonsten sei ihr bei der Arbeit nichts anzumerken. Ihr Chef ist überzeugt: «Das kommt gut und wird sich verbessern, je länger die Person arbeitstätig ist.» Ein Unternehmen wisse nie, wie sich die Zusammenarbeit entwickle – unabhängig davon, ob eine psychische Erkrankung vorliege oder nicht. «Neue Mitarbeiter anzustellen, ist immer mit einem unabschätzbaren Risiko verbunden.»

«Gefragt ist Mut»

Nach dem Spiel die obligate Büroarbeit der beiden Mannschaftsverantwortlichen.

Kein Druck, kleines Pensum, leichte Arbeit: Der Schonarbeitsplatz

Nach dem Spiel die obligate Büroarbeit der beiden Mannschaftsverantwortlichen.

Die Oberentfelder Firma WASAG brush systems hat einen Schonarbeitsplatz eingerichtet – ohne Druck, mit viel Freiheiten.

Wer bei der WASAG brush systems AG einen Arbeitsversuch beginnt, hat meist eine Leidenszeit hinter sich. Psychisch und physisch erkrankte Personen sollen beim Oberentfelder Bürstenhersteller wieder im Geschäftsleben Fuss fassen. Der «Schonarbeitsplatz», wie ihn Sara Burgherr, Leiterin Administration, nennt, bedeutet konkret: kein Druck, kleines Pensum, leichte Arbeit. Und Pausen, wenn immer dies nötig ist.

Die Arbeitsversuche dauern maximal sechs Monate, der Lohn wird über die Invalidenversicherung finanziert. Danach folgt die Stellensuche, bei dem die Mitarbeiter unterstützt werden. Dies aber ohne Garantie auf Erfolg: «Für Personen, die sich nach langem Unterbruch wieder um einen Job bewerben, ist der Wiedereinstieg schwierig», sagt Burgherr. Ein Experiment mit offenem Ausgang für alle Beteiligten: «Im Voraus weiss ein Arbeitgeber nie, ob es gut funktioniert. Doch gefragt ist Mut.»