«Wir gehen davon aus, dass der Täter am Sonntag nicht zum ersten Mal eine Frau belästigt hat», sagte Kripo-Chef Urs Winzenried an einer Medienkonferenz zum brutalen Überfall vom Sonntag in Hirschthal.

Deshalb heben Polizei und Staatsanwaltschaft auch ganz offiziell den Täterschutz auf und geben die Identität des Angreifers preis. Es handelt sich um den 28-jährigen Heinz Käser aus Hirschthal. Weiter erlässt die Polizei einen Fahndungsaufruf. Nachdem sich im Nachgang zum Delikt von Sonntag bereits eine Frau gemeldet hat, die von Käser belästigt worden ist, will die Polizei wissen, ob es allenfalls noch weitere Opfer gibt.

Am Wohnort hat die Polizei jedenfalls noch ein kleinkalibriges Gewehr sowie ein Dolch gefunden. Über einen Waffenerwerbsschein verfügte der Mann nicht. Die Herkunft der Waffen wird nun abgeklärt.

Kein Eintrag im Strafregister

Im Kanton Aargau sind offiziell keine ähnlichen Delikte aus den vergangenen Wochen oder Monaten hängig. Käser ist bisher weder im Strafregister aktenkundig, noch ist er der Polizei in irgend einer Weise aufgefallen. Es ist aber durchaus möglich, dass Käser Frauen in der Vergangenheit in irgend einer Weise belästigt hat, diese sich aber bisher nicht bei der Polizei gemeldet haben.

«Weil der Tatverdächtige viel in der Schweiz herumgereist ist, besteht auch die Möglichkeit, dass er in anderen Kantonen delinquiert hat», erklärte Winzenried. Aufgrund der bisherigen Ermittlungen und der Persönlichkeit des Täters ist die Polizei davon überzeugt: «Der Mann hat ein solches oder ein ähnliches Delikt nicht zum ersten Mal begangen.»

Der Tele M1 Beitrag zum Schützen von Hirschthal – hat der Täter noch andere Frauen belästigt?

Der Tele M1 Beitrag zum Schützen von Hirschthal – hat der Täter noch andere Frauen belästigt?

Tat mit sexuellem Hintergrund

Elisabeth Strebel, Leiterin Medienstelle der Staatsanwaltschaft, sprach von von einer Tötungsabsicht des Täters sowie von sexuellen Motiven: «Der Mann hat die Tat unmittelbar nach seiner Festnahme gestanden. Seine Angaben zum Geschehen vor Ort sind mit unseren Ermittlungen weitgehend deckungsgleich.» Der 28-Jährige, sagte Strebel weiter, habe in Tötungsabsicht auf die Frau geschossen. Er habe dabei eine Faustfeuerwaffe eingesetzt, deren Kaliber 6,35 zum Töten eines Menschen absolut ausreichen würde. Offenbar lebt das Opfer nur deshalb noch, weil die Waffe nicht richtig funktioniert hat.

Opfer hat hervorragend reagiert

Der Frau geholfen hat zudem, dass sie instinktiv richtig reagiert und sich nach Kräften gewehrt hat. So konnte sie den Täter letztlich in die Flucht schlagen, der sie zuvor bis knapp vor die Bewusstlosigkeit gewürgt hatte. Froh ist die Polizei auch, dass die Frau, beziehungsweise deren Mutter, sofort Alarm geschlagen. «Die Einsatzzentrale hat die Bedeutung des Delikts sofort erkannt und mehrere Patrouillen der Kantons- und der Regionalpolizei vor Ort geschickt.» Weil das Opfer zudem ein sehr gutes Signalement des Täters abgegeben habe, hätte dieser eine knappe Viertelstunde nach der Tat erkannt und festgenommen werden können. Heinz Käser wollte nach der Flucht zum Tatort zurück kehren um seine Waffe zu suchen, die er beim Kampf verloren hatte. Dabei wurde er von einer Polizeipatrouille entdeckt.

Käser offenbar psychisch angeschlagen

Wie den Ausführungen von Polizei und Staatsanwaltschaft an der Medienkonferenz zu entnehmen war, ist Heinz Käser offenbar psychisch angeschlagen. Ein psychisches Gutachten sei in Auftrag gegeben worden. Der Täter befindet sich in Untersuchungshaft. Eine Verlängerung ist beim Zwangsmassnahmengericht beantragt.