Bezirksgericht
Prügeleien und Überfälle: Bis zu fünf Jahren Knast für Aargauer Jugendbande

Unter der Führung eines 19-Jährigen aus Baden hat eine Jugendbande aus dem Aargau in Zürich 38 Personen auf offener Strasse überfallen. Darunter auch zwei Angehörige der JUSO. Der Anführer und drei Mittäter wurden zu mehrjährigen Strafen verurteilt.

Attila Szenogrady
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Am Bezirksgericht Zürich wurde heute eine Aargauer Jugendbande zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt

Am Bezirksgericht Zürich wurde heute eine Aargauer Jugendbande zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt

Keystone

Gerichtspräsident Roger Weber sprach am Strafprozess unverhohlen von einer «Statistik des Grauens». Tatsächlich ist die Bilanz der zehnköpfigen Jugendbande aus dem Kanton Aargau erschreckend eindrücklich ausgefallen:

Zwischen Mitte Oktober und dem 18. Dezember 2011 verübte sie in Zürich innerhalb von nur zwei Monaten 21 Raubüberfälle auf offener Strasse.

Dabei fielen die Täter in wechselnder Zusammensetzung jeweils zu später Stunde über insgesamt 38 Opfer her.

14 davon wurden durch Faustschläge ins Gesicht oder Fusstritte verletzt. Die Angreifer setzten auch Schlagstöcke und Messer ein.

Ein Geschädigter erlitt Stichverletzungen an der linken Hand und am linken Oberschenkel.

Auch zwei JUSO-Politiker überfallen

Zu den Opfern zählten auch zwei JUSO-Angehörige. Die Zürcher Co-Präsidentin Ursula Näf (22) und Fabian Molina (22) wurden am 22. Oktober 2011 nach einer Wahlparty im Kreis 5 von den kriminellen «Party-Touristen» mit einem Messer bedroht und ausgenommen.

Die Räuber nahmen dem Jungpolitiker Molina sein Handy und 50 Franken ab. Auffällig war, dass die Bande insgesamt nur magere Beute machte. Meistens Mobiltelefone und Bargeld in bescheidener Höhe.

Gewaltbereiter Tschetschene als Anführer

Während sechs Beschuldigte von der Jugendanwaltschaft beurteilt werden, mussten sich am Dienstag vier Täter vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten.

Auch der heute 20-jährige Anführer, der am 22. Dezember 2011 von der Polizei festgenommen wurde und seither im Gefängnis sitzt.

Der in Baden wohnhafte Tschetschene war an allen 21 Überfällen beteiligt und hatte nicht nur wiederholt seine Fäuste, sondern auch ein Messer als Waffe eingesetzt.

Er war der einzige Räuber, der ein Personenwagen besass und gezielt Zürich als Jagdrevier für seine Bande ausgesucht hatte. Vor den Schranken gab er finanzielle Engpässe als Tatmotiv an.

Bis zu fünf Jahre Knast gefordert

Der zuständige Staatsanwalt Pascal Gossner forderte für den Chef wegen bandenmässigen Raubes eine hohe Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Für einen heute 20-jähigen Handwerker aus Windisch für sieben Raubtaten drei Jahre teilbedingt. Ein Jahr davon sollte der Schweizer Staatsangehörige serbischer Herkunft absitzen.

Zwei Türken aus Schafisheim und Schönenwerd sollten für je fünf Überfälle teilbedingte Freiheitsstrafen von je zweieinhalb Jahren erhalten. Die beiden Männer im Alter von 21 und 19 Jahren müssten je sechs Monate davon verbüssen.

Verteidiger für milde Sanktionen

Die Verteidiger plädierten dagegen für erheblich mildere Sanktionen. Sie verwiesen nicht nur auf die Geständnisse, sondern auch auf das unreife Alter ihrer reumütigen Klienten.

Der Hauptbeschuldigte sollte nur drei Jahre Freiheitsentzug und aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens eine stationäre Massnahme für junge Erwachsene erhalten.

Die restlichen Anwälte setzten sich wegen Gehilfenschaft für bedingte Freiheitsstrafen zwischen einem und zwei Jahren ein.

Diese drei Beschuldigten sind wieder in der Freiheit und wollen gemäss Verteidigung ein neues Leben beginnen. Sie seien bloss Mitläufer gewesen, sagten die Verteidiger.

Letzte Chance für Rädelsführer

Das Gericht kam zu umfassenden Schuldsprüchen und legte für den Rädelsführer eine hohe Freiheitsstrafe von fünf Jahren fest. Allerdings gab es ihm eine letzte Chance in der Form einer Arbeitserziehung.

So will der russische Staatsangehörige in der Massnahme eine Schreiner-Lehre abschliessen. Sollte er aber scheitern, wartet auf ihn ein langjähriger Aufenthalt im Gefängnis.

Die übrigen Beschuldigten wurden wegen bandenmässigen Raubes zu teilbedingten Freiheitsstrafen verurteilt.

Der Handwerker aus Windisch zu drei Jahren, wobei er zehn Monate absitzen soll. Die beiden Türken kassierten je 30 Monate. Davon je sechs Monate unbedingt.

Präsident Weber sprach angesichts der verhältnismässig geringen Beute von ausgesprochen sinnlosen Taten.

Auch wegen der Tatsache, dass ein Türke «Action» als Tatmotiv angegeben hatte. Weber sprach zum Schluss von einem Missbrauch der Party-Kultur.

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