Anlagebetrug

Prozessauftakt im ASE-Skandal: 2500 Geschädigte um 170 Millionen Franken betrogen

Eine Anklageschrift in der Grösse von 592 Seiten, 2500 Geschädigte und jede Menge Geld: Darum geht es beim ASE-Gerichtsfall.

Eine Anklageschrift in der Grösse von 592 Seiten, 2500 Geschädigte und jede Menge Geld: Darum geht es beim ASE-Gerichtsfall.

Heute Montag hat vor dem Bezirksgericht Laufenburg in Eiken AG der ASE-Prozess begonnen. Bei der Verhandlung, die voraussichtlich eine Woche dauern wird, geht es um drei Angeklagte, die 170 Millionen Franken betrogen haben sollen.

Wer in den Verhandlungssaal will, muss vorher seine Taschen leeren, das Handy abgeben. Ein Polizist führt die Anwesenheitsliste, kontrolliert Ausweise, fragt auch: "Fleisch oder Vegi?" Weil es am Bezirksgericht Laufenburg nicht genug Platz hat, findet der Prozess im Zivilschutz-Ausbildungszentrum in Eiken statt – und dieses ist ziemlich abgelegen. Mittagessen vor Ort wird empfohlen.

In einem grossen Schulungsraum sitzt das 5-köpfige Bezirksgericht mit Präsident Beat Ackle bereit. Dahinter vier Tischreihen: Staatsanwaltschaft und Verteidiger, Anwälte von geschädigten Anlegern, Journalisten aus der ganzen Schweiz.

Mega-Wirtschaftsbetrug vor Gericht

Mega-Wirtschaftsbetrug vor Gericht

450 Ordner Akten, 2`500 Geschädigte: Zwei Chefs der Firma ASE und die BKB sollen 170 Millionen Franken veruntreut haben. Seit heute stehen die Personen vor Gericht.

"Dann entfällt die Befragung"

Auf Stühlen hinten im Saal nehmen zwei Dutzend Zuschauer Platz – viele von Ihnen haben viel Geld verloren. Punkt 8.30 Uhr eröffnet Gerichtspräsident Ackle die Verhandlung: "Grüezi mitenand."

Zuerst fragt er einen der Geschädigten: "Sie haben gesagt, dass Sie morgen nicht befragt werden wollen. Ist das so?" – Ein Senior steht auf: "Das ist so." – "Gut. Dann entfällt morgen die Befragung um 17.15 Uhr."

Die Szene gibt eine Vorahnung von dem, was noch kommen wird: Der Prozess wird eine ganze Woche dauern, voraussichtlich inklusive Samstag.

Vorerst nicht dabei sein wird Star-Anwalt Valentin Landmann, der einen beschuldigten ehemaligen Mitarbeiter der Basler Kantonalbank vertritt. Landmann habe gestern wegen innerer Blutungen hospitalisiert werden müssen, sagt dessen Stellvertreter. 

Anklage zurückweisen

Er beantragt zudem, die Anklage zurückzuweisen. Er bemängelt, die Anklageschrift beeinflusse das Gericht vorab, spricht von "polemisch anmutenden und auf reine Stimmungsmache gezielten Ausführungen". Letztlich sei zudem gar nicht klar, was seinem Mandanten wirklich vorgeworfen werde.

Damit hatte man rechnen können: Bei einer Anklageschrift in der Grösse von 592 Seiten, dass Länge, Struktur oder Inhalte kritisiert werden. Gerichtspräsident Ackle sagt, man werde über den Antrag in der Mittagspause befinden – vorerst werde man mit dem Morgenprogramm fotfahren.

Heisst: Beginn der Beweisaufnahme. Über die im Saal aufgebaute Lautsprecheranlage werden Telefonate zwischen beschuldigten BKB-Mitarbeitern und dem ASE-Geschäftsführer abgespielt.

Er macht Witze

Sie würden den Umgang des Geschäftsführers mit der BKB "eindrücklich beschreiben", sagt der Staatsanwalt. Sein Ton ist aggressiv und jovial. Er zeigt sich umgänglich, macht Witze – ist aber gleichzeitig immer wieder sehr verärgert und beschuldigt die Bank, Fehler zu machen. Er sei der Einzige, der alles richtig mache.

Er beschimpft Kunden als Arschlöcher, Drecksschwätzer oder mit anderen, nicht druckreifen Begriffen. "Gopferdammi" zählt zu seinen Lieblingswörtern.

Autor

Mario Fuchs

Mario Fuchs

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