Bau- und Wirtschaftskongress

Prognosen für 2017: Nicht euphorisch, aber optimistisch

Das Podium am Bau- und Wirtschaftskongress, gross im Bild: Thomas Buchmann, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit.

Das Podium am Bau- und Wirtschaftskongress, gross im Bild: Thomas Buchmann, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit.

Experten, sowie auch Laien, beurteilen die wirtschaftlichen Aussichten für den Aargau durchwegs positiv.

Die wirtschaftlichen Aussichten für 2017 stehen nicht schlecht. Diesen Eindruck hat der Aargauer Bau- und Wirtschaftskongress vermittelt, zu dem die Aargauische Kantonalbank geladen hatte.

«Es ist überwältigend, wie positiv Sie auf das nächste Jahr schauen», freute sich Moderatorin Christine Honegger über die Abstimmung, zu der Christian Dorer, az-Chefredaktor und Moderator der Podiumsdiskussion, die rund 800 Gäste im Campussaal der Fachhochschule Nordwestschweiz in Windisch aufgefordert hatte: Geschätzte 97 Prozent zeigten sich optimistisch.

Offensichtlich teilen sie die Ansichten, die Thomas Buchmann, Leiter Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Aargau (AWA), Marcel Koller, Chefökonom Aargauische Kantonalbank, Donato Scognamiglio, IAZI AG, Peter Dietrich, Direktor Swissmem, und Stephan Sigrist, Think-Tank W.I.R.E., in ihren Referaten und in der Podiumsdiskussion vertreten hatten.

Grundsätzlich optimistisch

Peter Dietrich zeigte sich «verhalten optimistisch». «Zwar gibt es viele Unsicherheitsfaktoren», stellte er fest. «Wir haben gute Grundlagen. Die Lage bleibt aber anspruchsvoll.» Für die Schweiz «grundsätzlich optimistisch» zeigte sich auch Marcel Koller. Sorgen würde ihm aber die Frage «EU wie weiter?» bereiten. Donato Scognamiglio meinte: «Ich habe für die Schweiz nicht so sehr Angst.»

Sorgen würden ihm aber beim Blick über die Grenzen egomanische Staatschefs bereiten. Ebenfalls «grundsätzlich zuversichtlich ist Thomas Buchmann: «Die Aussichten für 2017 sind gut.» Und Stephan Sigrist geht davon aus, dass die «Trump-Suppe» nicht so heiss gelöffelt werden muss, wie sie gekocht worden ist. Natürlich wollte es Moderator Christian Dorer genauer wissen. Dabei knüpfte er an die Referate der Podiumsteilnehmer an. So hatte Marcel Koller erklärt, dass in den Jahren 2017 und 2018 die Politik den Haupteinfluss auf die Konjunkturentwicklung haben werde. Er hatte aber auch festgestellt: «Es gibt ein erfreuliches Wachstum. Aber das ist kein Grund zur Euphorie.»

Negativzinsen auf Privatkonten?

Donato Scognamiglio hatte in seinem Referat zur Beurteilung der Chancen und Risiken des Immobilienmarktes die Befürchtung geäussert, dass als Folge des Anlagenotstandes Vorsorgegelder «verbraten» würden. «Die Leerstände nehmen zu», betonte er. «Die Bevölkerung geht zurück. Die Verschuldung nimmt zu und auch die Wahrscheinlichkeit steigender Zinsen.» Auf die Frage des Moderators, ob man auf dem Immobilienmarkt jetzt zuschlagen oder aber zuwarten sollte, gab Scognamiglio zu bedenken: «Spekulieren wäre ein Fehler. Man wird sehen, dass die Banken noch Mitte Dezember die Spielregeln für die Tragbarkeit von Hypotheken lockern werden. Das wird einen markanten Schub geben. Da wird eine Sub-prime-Gefahr herangezüchtet.» Dem widersprach Marcel Koller: «Das kann man aus heutiger Sicht nicht sagen.»

Auf die Frage nach Anlagemöglichkeiten in zinslosen Zeiten wies der AKB-Chefökonom auf die Bedeutung der Diversifizierung und die Möglichkeiten ausserhalb der klassischen Anlageinstrumente hin. Zur Einführung von Negativzinsen auf Privatkonti wollte er sich dagegen – verständlicherweise – nicht aufs Glatteis führen lassen: «Wir werden alles daransetzen, das zu vermeiden», versicherte er. «Aber auch die AKB ist letztlich keine Wohlfahrtsinstitution.»

Thomas Buchmann, der in seinem Referat die finanzielle Situation des Kantons als «dramatisch» bezeichnet hatte, sah sich mit der doch etwas provokativen Frage konfrontiert: «Alle Zeichen stehen auf Kosten sparen. Wie viele Staatsangestellte sind überflüssig?» Dazu gab der Leiter des AWA zu bedenken: «200 Stellen einsparen heisst 20 Millionen Franken sparen. Damit wäre das Problem nicht gelöst. Im Gegenteil. Der Schaden wäre grösser. Wir müssen versuchen, die Ertragssituation des Kantons zu verbessern.»

Die Überbewertung des Frankens, die laut Peter Dietrich auf die Lohnstückkosten drückt, gab dem Moderator Anlass zur Frage, wie weit die Exportindustrie bloss jammere. «Es gibt Branchen, die beim Jammern besser sind», konterte Dietrich elegant. «Mit dem Wechselkurs-Entscheid der Nationalbank war die Exportindustrie plötzlich um 20 Prozent schlechter am Start als ihre ausländische Konkurrenz. Das wird schon unterschätzt.»

Bei den Zahnärzten und Wellnesstherapeuten sei die Wahrscheinlichkeit tief, dass deren Jobs in den nächsten 20 Jahren verschwinden würden, meinte Stephan Sigrist auf die Frage nach der Sicherheit von Berufen. «Wenige Jobs werden flächendeckend verschwinden», sagte Sigrist, der auch davor warnte, jedem Trend hinterherzurennen. Gefährdet seien vor allem Berufe mit repetitiven Tätigkeiten.

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