Öffentlichkeitsarbeit
Professionelle Hilfe: «Bald wird die Beratung von Gemeinden normal sein»

Immer öfters lassen Gemeinden Kommunikationsbüros für sich arbeiten, die Steuerzahler kommen für die entstehenden Kosten auf. Ein Beispiel aus Oberrohrdorf zeigt: Für die Berater müssen die Gemeinden tief in die Tasche greifen.

Tim Honegger
Drucken
Teilen

Kommunikationsberatung ist nun nicht mehr Unternehmen und Politikern vorbehalten: Neuerdings nehmen auch Aargauer Gemeinden die Dienste von Beratern in Anspruch. So auch Oberrohrdorf – eine von sechs Gemeinden, die mit dem Kommunikationsbüro Fankhauser in Kontakt ist. Für die Dienstleistung muss der Steuerzahler in die Tasche greifen.

«Das ist Sache des Gemeinderates»

Renate Gautschy ist Präsidentin der Gemeindeammänner-Vereinigung und hat bislang nur von Städten gehört, die eine Werbeagentur verpflichteten. Sie ist irritiert, dass Gemeinden andere für sich arbeiten lassen: «Als Exekutivmitglied soll man sich selbst weiterbilden – die Kommunikation gehört zum Aufgabenbereich des Gemeinderates.» Bei den Gemeindeammännern sei Kommunikationsberatung jedenfalls noch nie ein Thema gewesen.

Die Kommunikations-Kompetenz ist sogar Bestandteil der Ausbildung zum Gemeindeschreiber. Die FHNW bietet einen entsprechenden Kurs an – 16 Lektionen sind ausschliesslich der Kommunikation gewidmet. «Wir legen grossen Wert auf die kommunikative Kompetenz», betont Studiengangleiter Michael Baumann.

18 000 Franken für Auftrag

Der Kommunikationsberater Res Fankhauser sieht das anders: «Die Kommunikationsberatung ist eine normale externe Dienstleistung, vergleichbar mit der eines Architekten für den Schulhausbau. Niemand würde von einem Gemeinderat verlangen, dieses selbst zu entwerfen.»

Zudem seien die Ansprüche der Bevölkerung an die Behörden enorm gestiegen. Eine professionelle Kommunikation sorge bei der Verwaltung für Entlastung – davon profitiere sowohl der Gemeinderat als auch der Bürger. «Die Vorlagen werden heutzutage immer komplexer. Es ist wichtig, dass die Bevölkerung trotzdem versteht, worum es geht.»

In Oberrohrdorf fasste Fankhauser den ersten Gemeinde-Auftrag. Das Ziel: Das komplizierte Fachchinesisch der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) so zu übersetzen, dass es für jedermann verständlich ist. Dass dafür Geld aus dem Steuertopf verwendet wird, ist aus Fankhausers Sicht nicht problematisch.

«Die Beratungskosten für die der BNO machen etwa 90 Prozent aus – da sind die 10 Prozent für die Kommunikation vergleichsweise wenig.» Oberrohrdorf budgetierte 175 000 Franken für die gesamte Revision der BNO. «Die Kommunikation inklusive Druck der Broschüre und Website kosteten rund 20 000 Franken», sagt Thomas Busslinger, Gemeindeschreiber von Oberrohrdorf.

So normal wie eine Website

Er ist froh, dass seine Gemeinde Fankhausers Agentur engagiert hat. «Die BNO kommt viel professioneller daher. Kein Gemeindeschreiber hätte das so zustande gebracht – geschweige denn, die Zeit dazu gehabt», so Busslinger. Dass Kommunikation Teil der Ausbildung zum Gemeindeschreiber gehöre, lässt er nicht gelten. «Als ich vor 20 Jahren meine Ausbildung machte, war Kommunikation noch etwas komplett anderes.»

In dasselbe Horn bläst Fankhauser. «Ich bin überzeugt, dass Kommunikationsberatung für Gemeinden dereinst normal sein wird. Wie, dass heute jede Gemeinde eine Website hat – vor wenigen Jahren hielt man das noch für völlig unnötig.»

Aktuell bestehe eine Marktlücke, daher will Fankhauser sich vermehrt auf die Gemeindekommunikation fokussieren. Mit dem Fernziel, einheitliche «Kommunikationspakete» anzubieten. Denn: «Viele Gemeinden haben ähnliche Anliegen. Es liegt auf der Hand, dass die gleiche Lösung verschiedenen Gemeinden helfen kann.»

Aktuelle Nachrichten