Sicherheit

Probleme mit Asylbewerbern: Polizei hält Druck hoch

Die SVP würde renitente Asylsuchende am liebsten hinter Gittern sehen. Im Bild: Junge Asylbewerber im Empfangs- und Verfahrenszentrum in Chiasso.

Die SVP würde renitente Asylsuchende am liebsten hinter Gittern sehen. Im Bild: Junge Asylbewerber im Empfangs- und Verfahrenszentrum in Chiasso.

Eine Frau wird auf dem Heimweg in Aarau von einem Asylbewerber angegriffen. Die SVP fordert nun Internierungslager für renitente Asylsuchende. Ist dies nötig? Das tun Polizei und Kanton für die Sicherheit.

Die 30-jährige Rahel K. ist auf dem Heimweg. Als sie kurz nach der Aarauer Kettenbrücke von einem Asylbewerber aus Eritrea angegriffen wird. Der Mann hatte sie zuvor verfolgt. «Ich blickte zurück und sah eine Gestalt mit schwarzer Kapuze», erinnert sich Rahel K. gegenüber dem «Blick».

Dann plötzlich steht der Mann vor ihr. Sie will jemanden anrufen, doch der Asylbewerber versucht ihr das Telefon aus der Hand zu reissen. Er schlägt sie mehrmals ins Gesicht und beisst ihr in die Hand. Er sagt, sie sei eine sexy Frau, reisst sie an den Haaren und drückt sie zu Boden. Glücklicherweise kommt in diesem Moment ein Auto.

Durch das Licht der Scheinwerfer wird der Mann aufgeschreckt, Rahel K. flieht und stoppt ein vorbeifahrendes Auto. Sie alarmiert die Polizei. Mit einem Grossaufgebot wird nach dem Täter gefahndet. Er wird kurze Zeit später in der Aarauer Altstadt verhaftet. Der 24-jährige Asylbewerber sitzt in Untersuchungshaft. Das Zwangsmassnahmengericht hat eine 3-monatige U-Haft bewilligt.

Das tut der Kanton

Der Vorfall hat die kantonale SVP dazu veranlasst, erneut geschlossene Asylunterkünfte für renitente Asylbewerber zu fordern.

Ob das die Tat hätte verhindern können, ist unklar. Denn die Staatsanwaltschaft gibt keine Auskunft darüber, ob der Asylbewerber schon einmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Klar ist: Asylsuchende können sich so frei bewegen wie alle anderen Menschen auch – tagsüber und nachts.

Klare Regeln gibt es allerdings in den 62 kantonalen Asylunterkünften im Aargau. Darin wird beispielsweise festgehalten, dass die Besucher nur bis um 22.00 Uhr Besuch empfangen dürfen. Wer sich nach 22.00 Uhr unrechtmässig in einer Unterkunft aufhält, erhält ein Hausverbot. Bei mehrfacher Widerhandlung erfolgt eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch.

Um die Hausordnung durchzusetzen, greift der Kanton auf verschiedene Möglichkeiten zurück. Zum einen gibt es vier Teams, bestehend aus je zwei Angestellten des kantonalen Sozialdienstes, die jede Nacht in den Unterkünften im Aargau unterwegs sind. Die Teams schauen nach dem Rechten, alarmieren im Notfall Polizei, Ambulanz oder Security.

Es gibt aber auch Unterkünfte wie das Casa Torfeld in Buchs, die rund um die Uhr von der Securitas beaufsichtigt werden. Verschärft wird das Sicherheitsdispositiv in Oftringen, in einer Unterkunft, in der Asylbewerber unterbracht werden, deren Gesuch abgelehnt wurde. Die Unterkunft soll mit Kameras, Scheinwerfer und einem Gitterzaun besser gesichert werden.

Der Kanton ist für die Unterbringung und die Betreuung von Asylsuchenden zuständig. Kommt es zu Problemen ausserhalb der Unterkunft, ist die Polizei zuständig.

Das tut die Polizei

Barbara Breitschmid, Mediensprecherin der Kantonspolizei Aargau, sagt: «Die Situation in Bezug auf die Asylbewerber ist sehr ruhig momentan.» Ein Vorfall wie dieser in Aarau, bei dem eine Person so brutal angegangen wird, sei im Aargau sehr selten.

Im Rahmen der Aktion Crime Stop sei der Kontrolldruck gegenüber Asylsuchenden durch die Polizei aber noch immer hoch. Polizeipatrouillen führen häufig Personenkontrollen an Hotspots wie Bahnhöfen oder Asylunterkünften durch. Auch in den Unterkünften selbst werden die Papiere der Bewohner regelmässig geprüft.

Crime Stop startete, nachdem 2012 die Einbruchs- und Ladendiebstähle massiv zunahmen. Die Aktion wird bis 2016 weitergeführt. Kostenpunkt: 15,5 Millionen Franken.

Laut «Blick» lebte der Eritreer, der die Frau in Aarau angriff, in der Asylunterkunft Casa Torfeld in Buchs. Eine Unterkunft, die in der Vergangenheit oft für Schlagzeilen sorgte. Die Anwohner forderten vor zwei Jahren sogar einen Zaun rund um die Unterkunft.

Urs Affolter, Gemeindeammann von Buchs, sagt: «Die Situation ist relativ ruhig.» Neben der Securitas, die rund um die Uhr anwesend ist, patrouilliert auch die Regionalpolizei regelmässig rund um die Unterkunft.

Barbara Breitschmidt von der Kantonspolizei Aargau warnt davor, in Panik zu verfallen: «In Aarau ist es nicht unsicherer als anderswo – auch nach dem Angriff auf die junge Frau.» Sie rät Personen, die das Gefühl haben, verfolgt zu werden, sich ungeniert via Notruf 117 bei der Polizei zu melden. «Dafür sind wir da.» Die Polizei könne in solchen Fällen bereits am Telefon Verhaltenstipps geben, bis die Patrouille vor Ort ist.

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