Naturschutz
Pro Natura kämpft für Biberdämme in Wohlenschwil und Aarau

«Man kann nicht den Biber als Tierart schützen, und ihm dann nicht genügend Platz zum Leben geben», sagt Johannes Jenny von Pro Natura Aargau. Der Kanton will das Gespräch suchen.

Fabian Hägler
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Mit der Entfernung dieses Biberdamms in Böttstein ist Pro Natura einverstanden, in Wohlenschwil und Aarau Rohr will sie dies aber verhindern.

Mit der Entfernung dieses Biberdamms in Böttstein ist Pro Natura einverstanden, in Wohlenschwil und Aarau Rohr will sie dies aber verhindern.

DWE/Archiv

An drei Orten hat der Kanton die Bewilligung erteilt, Biberdämme zu entfernen. Dies, weil die geschützten Tiere in Böttstein eine Windhunde-Rennbahn unter Wasser gesetzt haben, in Wohlenschwil immer wieder Schäden an Wegen verursachen und in Aarau Rohr eine Trinkwasserfassung gefährden.

Nach einem Bundesgerichtsurteil vom Mai sind gegen die Verfügungen des Kantons neu Beschwerden möglich – und dazu kommt es nun.

Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, sagt auf Anfrage: «Wir haben an unserer Vorstandssitzung am Mittwochabend beschlossen, in zwei Fällen eine Einsprache gegen die Entfernung der Dämme einzureichen.» Dies betrifft die Biberbauten in Wohlenschwil und Aarau Rohr – mit dem Entscheid, dass die Dämme in Böttstein vorerst sechs Monate lang beseitigt werden dürfen, ist die Naturschutzorganisation einverstanden. «Dort zeichnet sich nach den Gesprächen, bei denen Pro Natura dabei war, eine gute Lösung ab», sagt Jenny.

Feldweg vom Bach weg verlegen?

Anders liegen aus seiner Sicht die beiden anderen Fälle, wobei der Naturschützer grundsätzlich betont: «Man kann nicht den Biber als Tierart schützen, und ihm dann nicht genügend Platz zum Leben geben.»

Darum schlägt Jenny vor, den betroffenen Feldweg in Wohlenschwil einige Meter vom Bach weg zu verlegen, in dem der Biber seine Dämme baut. Für den Konflikt beim Grundwasserpumpwerk in Aarau Rohr hat er noch keinen konkreten Lösungsvorschlag. «Es kann aber aus meiner Sicht nicht sein, dass man mit viel Geld einen kantonalen Auenschutzpark schafft und dann ausgerechnet in diesem Gebiet die geschützten Biberdämme entfernen will.»

Christian Tesini, Umweltingenieur und Biberspezialist beim Kanton, sagt auf Anfrage: «Es ist das erste Mal, dass Bewilligungen für die Entfernung von Biberdämmen öffentlich ausgeschrieben werden müssen, deshalb ist ein Beschwerdeverfahren für uns Neuland.»

Tesini kündigt an, die zuständige Sektion Jagd und Fischerei werde die Einsprachen von Pro Natura prüfen und diese dann gutheissen oder abweisen. «Danach haben beide Seiten – also Pro Natura und die Gemeinde Wohlenschwil oder die IB Aarau AG – die Möglichkeit, diese Entscheide anzufechten», erklärt er das weitere Verfahren.

Probleme nochmals besprechen

Vor einer definitiven Entscheidung dürfte es laut Tesini sinnvoll sein, die Biberprobleme in Aarau Rohr und Wohlenschwil nochmals mit allen Beteiligten zu besprechen. «Wenn auch Vertreter von Pro Natura dabei sind, könnte so vielleicht eine einvernehmliche Lösung gefunden werden.» Dies würde auch Pro Natura begrüssen: «Wir sind immer an gütlichen Einigungen interessiert», sagt Johannes Jenny.

Zu den Forderungen der Naturschützer sagt der kantonale Biberexperte: «In Wohlenschwil wurde der Weg entlang des Schwarzgrabens erst kürzlich saniert. Dabei hätte man ein Schutzgitter gegen den Biber einbauen können, das wollte die Gemeinde aus finanziellen Gründen aber nicht.»

Den Weg vom Bach weg zu verlegen, sei früher schon diskutiert worden. Ob dies nach der Sanierung noch zur Debatte steht, scheint eher fraglich. Denn eine Verlegung würde hohe Kosten verursachen.

Auf den Konflikt in Aarau Rohr angesprochen, hält Tesini fest: «Dort ist es tatsächlich so, dass die Biberdämme innerhalb des Auenschutzparks liegen.» Naturgemäss befänden sich aber auch Grundwasserpumpwerke in Auengebieten. Tesini sagt: «Wir haben zusammen mit der IBAarau Trinkwasser AG verschiedene Möglichkeiten geprüft, die Entfernung der Biberdämme ist heute die einzige praktikable Lösung.»

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