Rettungsdienst
Privater Rettungsdienst ist selbst ein Notfall: Intermedic droht das Aus

Inspektoren sind bei der Qualitätsrichtlinien beim Rettungsdienst Intermedic in Berikon zu einem negativen Urteil gekommen. Die Erneuerung des Gütesiegels, die notwendig ist für die Betriebsbewilligung, ist stark gefährdet.

Urs Moser
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Akuter Notfall: In den Intermedic-Ambulanzen fährt zu wenig qualifiziertes Personal mit.

Akuter Notfall: In den Intermedic-Ambulanzen fährt zu wenig qualifiziertes Personal mit.

Fotoagentur Ex-press

Für den privaten Rettungsdienst Intermedic in Berikon sieht es schlecht aus. Nachdem Intermedic bereits um eine Fristverlängerung für die fällige Neu-Zertifizierung durch den Interverband für Rettungswesen (IVR) ersucht hatte, galt es vergangenen Freitag ernst.

Die IVR-Experten rückten in Berikon an, um die Einhaltung der Qualitätsrichtlinien zu überprüfen. Ihr Eindruck war offensichtlich mehr als ernüchternd: Noch vor Ort stellten sie dem Rettungsdienst in Aussicht, dass ihr Bericht negativ ausfallen würde.

Ein Entscheid ist damit noch nicht gefällt, aber natürlich stützt sich das dafür zuständige Gremium, die Qualitätskommission des IVR, hauptsächlich auf die Berichte, die sie von ihren Experten erhält, die die Rettungsdienste vor Ort besuchen.

Deren Schlussbericht im Fall Intermedic liege noch nicht vor, sagt IVR-Direktor Martin Gappisch, aber dass es für die Intermedic eine negative Empfehlung absetzen wird, wird aus der IVR-Zentrale in Bern bestätigt.

Für 15 Gemeinden zuständig

Damit droht schon in kurzer Zeit eine Lücke im Rettungswesen. Denn die Anerkennung durch den IVR ist im Aargau eine zwingende Voraussetzung, damit ein Unternehmen die Betriebsbewilligung für einen Rettungsdienst erhält.

Die Intermedic ist für ein Gebiet mit 15 Gemeinden in den Bezirken Baden und Bremgarten zuständig. Bei einem Notruf aus diesen Gemeinden werden durch die Einsatzleitstelle beim Kantonsspital Aarau ihre Ambulanzen aufgeboten.

Denkbar sei auch eine Neu-Zertifizierung mit Auflagen, sagt Kantonsarzt Martin Roth. Sollte die Intermedic die Anerkennung wirklich verlieren, müsste das Departement Gesundheit und Soziales ihr aber die Betriebsbewilligung entziehen, bestätigt Roth.

Wie der Vollzug praktisch aussieht, wie lange die Intermedic-Ambulanzen noch Notfallpatienten transportieren dürften, kann man beim kantonsärztlichen Dienst nicht aus dem Stand sagen. «Wir hatten noch nie einen solchen Fall», so Roth.

Es gibt auch noch keinen schubladenfertigen Plan, wie der Ausfall kompensiert würde. Der Aargau verfüge aber über ein ziemlich dichtes Netz an Rettungsdiensten, die ausreichende Versorgung bleibe auf jeden Fall gewährleistet, versichert der Kantonsarzt.

Inhaltlich äussert er sich nicht zu den Problemen bei Intermedic. Es habe «gewisse Beanstandungen» gegeben, hatte Roth schon im Januar gegenüber der az erklärt. Der Betrieb verfüge nicht über genügend Personal mit den für den Rettungsdienst verlangten Qualifikationen.

Das ist milde ausgedrückt, wie sich jetzt zeigt. Die Standards sehen vor, dass zu einer Ambulanzbesatzung ein diplomierter Rettungssanitäter gehört. Der az liegen Einsatzpläne der Intermedic vor, aus denen hervorgeht: Ausser den beiden Chefs Bruno Nägeli und Markus Hilsenbeck verfügt aktuell ein einziger Festangestellter über diese Ausbildung, dazu kommen Freelancer mit weniger Einsatztagen.

Intermedic-Verwaltungsratspräsident Bruno Nägeli antwortete gestern nicht auf die Anfrage der az. Gegenüber Tele M1 erklärte Nägeli nur, alle Rettungsdienste hätten mit den gleichen Personalproblemen zu kämpfen. «Es gibt einfach zu wenig Personal mit den geforderten Qualifikationen.»