Murgenthal

Prekäre Lage: Steigt der Abwasserpreis wegen Feuchttüchern in der Toilette?

Bereits kurz nach der letzten Reinigung hat es im Pumpbecken wieder Feuchttücher und Windeln, die drohen, die Pumpen zu verstopfen.

Bereits kurz nach der letzten Reinigung hat es im Pumpbecken wieder Feuchttücher und Windeln, die drohen, die Pumpen zu verstopfen.

Der Murgenthaler Brunnenmeister Fritz Lüthi hat mit fasrigen Fremdkörpern im Abwasser zu kämpfen.

Am Dienstag flatterte Post in die Briefkästen der Bewohner des Ranks und des Brunnrains in Murgenthal. Unter dem Titel «Bitte helfen Sie mit» wird über die prekäre Situation des Abwasserpumpwerks Rank informiert. Seit längerer Zeit verursachen Feuchttücher mehrmals wöchentlich für Verstopfungen in den beiden Pumpen des Pumpwerks. So musste am 28. März eine der Pumpen sogar ersetzt werden. Bereits am 1. April war die neue Pumpe zum ersten Mal verstopft.

«Im Pumpwerk Rank sammelt sich das Abwasser von gut 50 Haushaltungen», erklärt Brunnenmeister Fritz Lüthi die Situation. Dazu kommt das Regenwasser diverser Abwasserschächte. Im Pumpwerk angekommen, fliesst das Wasser zuerst in ein Pumpbecken. Ist der Wasserstand dort hoch genug, schalten sich die Pumpen automatisch ein und fördern das Abwasser nach oben. Das hochgepumpte Abwasser fliesst dann weiter ins nächste Pumpwerk in der Moosmatt, bis es schlussendlich in der Abwasserreinigungsanlage angekommen ist. «Die Feuchttücher sammeln sich in dem Pumpbecken. Sobald es etwas Wasser gibt, schwimmen die Tücher wie ein Teppich obenauf und werden zuerst angesaugt», so der Brunnenmeister.

Werden mehrere Tücher auf einmal angesaugt, blockieren die Flügelräder der Pumpen. Dadurch überhitzen die Pumpen und stellen ab. Fritz Lüthi muss dann die verstopften Pumpen demontieren und die Feuchttücher von Hand aus der Pumpe ziehen, um sie zu entstopfen. Die restlichen Feuchttücher im Pumpbecken muss Lüthi mit der Schaufel nach draussen befördern. «Feuchttücher sind zwar der grosse Teil der Fremdkörper. Oft hat es aber auch Windeln und Kondome, die ebenfalls nicht in die Toilette gehören.» Erst einmal aus dem Pumpbecken entfernt, gehen die Fremdkörper in den Kehricht, wo sie auch ursprünglich hingehören.

Zwar gäbe es spezielle Häcksler, die vor der Pumpe installiert werden können und Feuchttücher und andere Fremdkörper zerhacken. Diese Häcksler können aber nur dort, wo explizit Hausabwasser verarbeitet wird, eingesetzt werden, da die Messer nicht mit Steinen in Kontakt kommen sollten. «Da im Rank aber auch Regenwasser und damit auch Steine zufliessen, ist es leider nicht möglich, Häcksler zu installieren», so Fritz Lüthi. Zur Verschärfung des Problems tragen laut dem Brunnenmeister auch die immer geringer werdenden Niederschlags- und Abwassermengen bei, während die Menge der Fasern im Abwasser immer weiter steigt.

«Nimmt das Problem weiter zu, kann ich mir vorstellen, dass irgendwann der bereits hohe Abwasserpreis deswegen weiter erhöht wird», so Fritz Lüthi. Diverse andere Gemeinden und Abwasserreinigungsanlagen hätten auch mit den meist fasrigen Fremdkörpern zu kämpfen. «Gebrauchte Feuchttücher, Windeln oder Kondome die Toilette hinunterzuspülen ist bequem, aber der falsche Weg.» Die dadurch entstehenden Mehrkosten hat dann die Allgemeinheit auf irgendeinem Weg zu tragen.

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