In St. Gallen kostet die Rettung eines Patienten mit eingeschränkten Vitalfunktionen, bei 70-minütigem Einsatz, durchgeführt von zwei Rettungssanitätern, davon einer, der auch als Fahrer dient, 1461 Franken. Das zeigt ein Vergleich des Preisüberwachers. Und es kann durchaus noch teurer werden. Zusätzliche Kosten entstehen zum Beispiel, wenn ein Notarzt mit den Rettungssanitätern mitreist. Oder wenn die Rettung ausserhalb der regulären Arbeitszeiten stattfindet. Ein Nachtzuschlag kostet in den meisten Kantonen ungefähr 25 Prozent mehr.

Im Aargau ist alles billiger. Nur 836 Franken wird hier für die Leistung verlangt, die in St. Gallen fast das Doppelte kostet. Auch beim Verrechnen von
zusätzlichen Kosten sind die Aargauer zurückhaltend. Weder Nachtzuschlag noch einen Aufpreis für den Notarzt verlangen die hiesigen Rettungsdienste. Alle Eventualitäten sollten über die Grundtaxe abgedeckt sein.

Tarifverhandlungen laufen

Dass diese trotzdem deutlich unter dem gesamtschweizerischen Mittelwert liegt, ist erstaunlich. Die Erklärung liefert Daniel Suter, Geschäftsführer der Vereinigung Aargauische Spitäler, Kliniken und Pflegeinstitutionen (Vaka): «Der von der Preisüberwachung vorgenommene Preisvergleich basiert auf vorläufigen Tarifen, die nicht kosten-deckend sind.» Derzeit läuft ein sogenanntes Festsetzungsverfahren – die Vaka verhandelt also die Tarife mit den Krankenkassen. Wie stark die Ansätze erhöht werden müssten, damit sie für Rettungsdienste kostendeckend wären, will Suter nicht bekannt geben.

Der Kanton nimmt auf die Rettungstarife nicht direkt Einfluss. Das Tarif-wesen regeln die Rettungsdienste untereinander. Daniela Diener, die stellvertretende Leiterin Kommunikation im Departement Gesundheit und Soziales, sagt: «Es gibt keine Vorgaben für Tarifblätter vom Kanton. Private und spitaleigene Rettungsdienste wenden seit Jahren freiwillig dieselben Tarife an.» Der Kanton lege die Tarife nur dann fest, wenn sich Rettungsdienste und Krankenkassen nicht einig werden. Rechtliche Grundlage für dieses Vorgehen ist das Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG).

Alle gleich billig

Im Kanton Aargau kostet ein Unfall immer gleich viel – beziehungsweise wenig. Unabhängig davon ob das Kantonsspital Aarau oder das Kreisspital Freiamt Muri ausrückt. Daniela Diener erklärt: «Die Gebiete für Notfalltransporte sind vom Kanton zugeteilt, Konkurrenz besteht in diesen Fällen deshalb nicht. Alle Rettungstransporte, die nicht für einen Notfall ausrücken, agieren auf einem freien Markt.»

Teures Rendez-vous

Der Preisüberwacher kritisiert die grossen Unterschiede zwischen den Kantonen, vor allem in Anbetracht dessen, dass die Versicherungen überall die identischen Leistungen einschliessen. Sie empfiehlt deshalb, eine nationale Tarifstruktur zu erarbeiten, so wie es auch bei der Abrechnung von ärztlichen Leistungen üblich ist.

Ausserdem kritisiert er, dass Notärzte häufig eigenständig zum Unfallort reisen, anstatt mit dem Rettungsfahrzeug mitzureisen. Dieses «Rendez-vous-System» blähe die Gesundheitskosten unnötig auf. Die teuersten Rettungsdienste will der Preisüberwacher näher untersuchen, um zu sehen, ob die verrechneten Tarife angemessen sind.