Im März verhängte das Gerichtspräsidium Bremgarten den Konkurs über die Ärztezentrum Mutschellen AG in Berikon. Am 12. Oktober, sieben Monate später, kommt es nun zur konkursamtlichen Liquidation des Ärztezentrums, das der deutsche Skandalarzt Ingo Malm als Verwaltungsrat 2014 mit einem Aktienkapital von 100'000 Franken gegründet hatte. Die Gemeinschaftspraxis hatte er bereits im Januar schliessen müssen, nachdem der Mietvertrag ausgelaufen und die Vermieterin die Schlüssel austauschen liess.

Liquidator Jakob Aeschlimann ist seit 25 Jahren im Geschäft und hat schon viel gesehen. Trotzdem wird es für ihn eine spezielle Erfahrung, wie er der AZ sagt. «Eine Arztpraxis, zumal von dieser Grösse, habe ich noch nie liquidiert.»

Nicht weniger als 292 Posten weist das zu liquidierende Inventar des Ärztezentrums aus: Darunter finden sich vor allem Mobiliar und medizinische Geräte, wie man sie typischerweise in einer Arztpraxis findet, etwa ein Empfangskorpus, Bürostühle und Behandlungsliegen, eine Röntgenanlage, Ultraschall-, Blutgerinnungs- und Chirurgiegeräte, aber auch Gynäkologiestühle oder einen Posten medizinisches Verbrauchsmaterial für 35'000 Franken.

Forderungen in Millionenhöhe

Aeschlimann erwartet aufgrund erster Anfragen, dass sich vor allem Eigentümer von Arztpraxen für das Konkursmobiliar interessieren werden. «Wie bei jeder Liquidation werden aber auch andere Leute da sein», sagt er. Liquidiert wird zwar auch Mobiliar aus Büro und Werkstatt, etwa ein Industriestaubsauger. «Geld bringen werden sicher die medizinischen Geräte», erwartet Aeschlimann. Wie viel, das sei schwierig abzuschätzen. Er dürfe sich dazu aber eh nicht äussern. Auch Marcel Portmann, der zuständige Konkursbeamte von der Amtsstelle in Baden, sagt der AZ, dass er «wegen des laufenden Verfahrens» grundsätzlich nichts zum Thema sagen könne.

Der Aargauer Regierungsrat hatte dagegen in einer Antwort auf einen Vorstoss im Juni geschrieben, dass «laut Auskunft der zuständigen Amtsstelle bereits Forderungen in der Höhe von zirka zwei Millionen Franken angemeldet» wurden. Das war allerdings noch kurz vor dem Schuldenruf. Nach einem solchen erhöht sich der Betrag in der Regel deutlich. Der Ertrag aus der Liquidation wird kaum reichen, um all die Forderungen der Gläubiger zu decken.

Das Ärztezentrum Mutschellen vor der Liquidation – Mobiliar und (medizinische) Geräte des konkursiten Ärztezentrums Mutschellen werden am Freitag, 12. Oktober liquidiert. Das Video des Liquidators zeigt die Räume in der Gemeinschaftspraxis, welche der Skandalarzt Ingo Malm geführt hatte.

Malm kommt vor Gericht

Wie Recherchen der AZ zeigen, wird sich Ingo Malm demnächst vor Gericht verantworten müssen. «Die Anklageerhebung steht unmittelbar bevor», sagt Fiona Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Diese hatte gegen Malm ein Strafverfahren unter anderem wegen Betrugs und Urkundenfälschung eröffnet, wie im Januar publik wurde. Die Vorwürfe: Malm hat Sozialversicherungsbeiträge seiner Mitarbeiter nicht bezahlt und schuldet Ärzten, die bei ihm angestellt waren, mehrere zehntausend Franken. Zudem soll er selber als Arzt in der Gemeinschaftspraxis tätig gewesen sein, obwohl ihm der Kanton zuvor die Berufsausübungsbewilligung entzogen und das Bundesgericht diesen Entscheid in letzter Instanz bestätigt hatte.

Malm sass ab Januar rund zehn Wochen in Untersuchungshaft, ehe die Staatsanwaltschaft sein Haftentlassungsgesuch guthiess und er wieder auf freien Fuss kam.
Ingo Malm hatte schon seine erste Praxis in Rudolfstetten im Juni 2013 wegen Mietschulden und eines Konkursverfahrens aufgeben müssen. Laut Konkursamt resultierte damals ein Gesamtverlust von rund 7,275 Millionen Franken.