Sparpaket
Präsidentin der ask!-Beratungsdienste: "Erneute Kürzung um eine Million ist nicht verkraftbar"

Die Beratungsdienste für Ausbildung und Berufe Aargau (ask!) schlagen Alarm. Wenn der Kanton den jährlichen Beitrag um eine weitere Million Franken kürze, sei das Funktionieren der Beratungsdienste ernsthaft infrage gestellt.

Jörg Meier
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Genug ist genug, findet Kathrin Scholl, Präsidentin der ask!-Beratungsdienste.

Genug ist genug, findet Kathrin Scholl, Präsidentin der ask!-Beratungsdienste.

Emanuel Per Freudiger

Kathrin Scholl, Präsidentin der ask!-Beratungsdienste und SP-Grossrätin, spricht Klartext: «Diese erneute Budgetkürzung um eine weitere Million Franken pro Jahr ist nicht mehr verkraftbar.» Mit den verbleibenden Mitteln sei es kaum mehr möglich, den Leistungsauftrag seriös zu erfüllen. Die Folge der Sparübung wären kürzere Öffnungszeiten der Zentren, ein Verzicht auf telefonische Fachauskünfte und die Reduktion des kostenlosen Angebotes für Ratsuchende und weitere Entlassungen auf der Personalseite.

Bereits die zweite Sparrunde

Kaum haben die Beratungsdienste für Ausbildung und Berufe eine intensive Sparrunde hinter sich gebracht, folgt bereits die zweite. Schon bei der ersten Runde waren die Vorgaben des Kantons happig: Die Beiträge für ask! wurden von 12,3 Millionen im Jahre 2013 in zwei Schritten auf 10,43 Millionen Franken gekürzt. Die Standorte Zofingen und Bad Zurzach wurden geschlossen, statt wie bisher sechs gibt es seit 1. Juli 2016 noch vier ask!-Zentren im Aargau. Entsprechend musste der Personalbestand von 115 auf 95 Personen reduziert werden. Zudem wurden die Anstellungs-bedingungen angepasst und rund ein Viertel der Belegschaft musste Lohnkürzungen in Kauf zu nehmen. Durch die verschiedenen Massnahmen konnten zwar die Kosten gesenkt werden, doch die Zahl der Beratungen ging deutlich zurück.

«Wir haben grosses Verständnis dafür, dass der Kanton sparen muss», sagt Kathrin Scholl, «und wir haben auch solidarisch unseren Beitrag geleistet.» Deshalb wundere man sich, dass die ask!-Beratungsdienste nun schon wieder happig zur Kasse gebeten werden sollen.

Weiterer Abbau der Beratungen

ask!-Geschäftsführer Thomas Eichenberger ist der Ansicht, dass eine weitere Budgetkürzung nicht nur kaum zu verkraften ist, sondern mittelfristig den Kanton teuer zu stehen käme. Denn die geplanten Sparmassnahmen führen zu einem substanziellen Abbau der Beratungsdienstleistungen. Damit werde der Bevölkerung der Zugang zu Bildungsinformationen und -beratung weiter erschwert. Und das habe Konsequenzen, argumentiert Eichenberger: Durch ein vermindertes Beratungsangebot werden weniger Jugendliche eine Beratung in Anspruch nehmen.

Dadurch erhöhe sich jedoch die Gefahr einer falschen Schul-, Berufs- oder Studienwahl. Mehr Lehr- und Studienabbrüche wären die Folgen. Wenig populäre Berufe hätten dann noch weniger Chancen, von den Jugendlichen wahrgenommen zu werden. Wer aber nur oberflächlich informiert sei, wähle in der Regel das Bekannte. Unbestritten ist auch, dass junge Leute bei Berufseinstieg und Laufbahnplanung oftmals auf Unterstützung angewiesen sind.

«Eine weitere Reduktion des Beitrages führt letztlich zu zusätzlichen Belastungen von Bund, Kanton und Gemeinden, die den eingesparten Betrag deutlich übersteigen werden», ist Thomas Eichenberger überzeugt. Auch aus diesem Grunde erscheint ihm die neuerliche Kürzung als wenig durchdacht und ziemlich kurzsichtig. Denn eine gründliche Bildungsinforma-
tion und -beratung sowie eine bedarfsgerechte Begleitung führten dazu, dass mehr Jugendliche einen Ausbildungsweg einschlagen, der auch zu ihnen passt. «Somit gibt es weniger Lehr-, Schul- und Studienabbrüche und die Ausbildungen werden in kürzerer Zeit abgeschlossen.»

Angriff auf das Betriebskapital

Ohne gründliche Beratung werde die Zahl jener Jugendlichen, die falsch gewählt haben und deshalb teure Zusatzrunden in Schule, Lehre und Studium absolvieren müssen, deutlich zunehmen; die vermeintlichen Einsparungen führten letztlich zu Mehrkosten in anderen Bereichen.

Zusätzlich und einmalig soll das ask! dem Kanton aus dem Betriebskapital 1,2 Millionen Franken entrichten. Zusammen mit dem budgetierten Verlust von 585 000 Franken für das Jahr 2016 würde dies dazu führen, dass das Betriebskapital des ask! aufgebraucht und man künftig auf Fremdkapital angewiesen wäre.

So bleibt ask!-Präsidentin Kathrin Scholl nur die Hoffnung, dass der Grosse Rat der drohenden Ausdünnung des Beratungsangebotes einen Riegel schieben wird.